Marokko – Spekulationen über Besuch von Benjamin Netanyahu.

Keine offiziellen diplomatischen Beziehungen

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Netanjahu
Benjamin Netanyahu, Premierminister von Israel auf dem World Economic Forum in Davos, January 25, 2018. Copyright by World Economic Forum / Manuel Lopez

Ein mögliches Treffen mit König Mohammed VI. wird nicht ausgeschlossen.

Rabat – In den internationalen und marokkanischen Medien wird zunehmend über einen möglichen offiziellen Besuch des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu in Marokko spekuliert. Vertreter des israelischen Premierministers sollen seit einiger Zeit mit marokkanischen Beamten verhandeln. Der Besuch soll noch vor den israelischen Parlamentswahlen am 9. April 2019 stattfinden, womit Premierminister Netanyahu einen außenpolitischen Erfolg in seinem Wahlkampf verbuchen könnte. Bei den mutmaßlichen Gesprächen zwischen den Diplomaten beider Länder soll es, nach einem Bericht des Nachrichtendienstes „Le Desk“, auch um ein direktes Treffen mit König Mohammed VI. gehen.

König
Seine Majestät König Mohammed VI. von Marokko

Besuch soll Anfang April stattfinden.

Erste marokkanische Medien berichten, dass der Besuch zeitnah nach dem Aufenthalt von Papst Franziskus stattfinden soll. Das Oberhaupt der katholischen Kirche besucht das muslimische Königreich voraussichtlich vom 30. bis 31. März 2019. Die arabischsprachigen Zeitung Al Ousboue Assahafi berichtete, unter Berufung auf „eine zuverlässige Quelle“, das Gespräche zwischen dem Büro von Netanyahu und mehreren marokkanischen Beamten geführt werden, indem es um diesen konkreten Zeitraum geht. Nach Angaben von Le Siteinfo will sich der israelische Premierminister von drei hochrangigen Rabbinern begleiten lassen.

Keine offiziellen diplomatischen Beziehungen

Zwischen Marokko und Israel gibt es keine offiziellen diplomatischen Beziehungen. Marokko hat bis heute den Staat Israel nicht anerkannt. König Mohammed VI. ist Vorsitzender des Al Quds-Komitees. Das Al-Quds-Komitee soll die Situation der für Muslime heiligen Stätten überwachen und gemeinsame Aktivitäten muslimischer Staaten zur Befreiung von Jerusalem koordinieren. Sitz der Organisation ist in der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Im Juni 2018 sagte König Mohammed VI. seine Teilnahme an einem für Marokko wichtigen Treffen der ECOWAS ab, weil die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Netanyahu als Gast eingeladen hatte. Ein Treffen zwischen dem marokkanischen König und einem israelischen Regierungschef müsste als eine überraschende politische Wende bewertet werden. Weder vom Stab des israelischen Premierministers noch vom königlichen Kabinett gibt es Aussagen oder Stellungnahmen zu den jüngsten Berichten.

Jerusalem
Al Quds – Felsendom in Jerusalem

Israel bemüht sich um politische Kontakte zu afrikanischen Staaten.

Ein offizieller Besuch in Marokko würde die Afrikakampagne des israelischen Premierministers krönen. Israel bemüht sich seit längerer Zeit, um politische und diplomatische Beziehungen zu afrikanische Staaten. Die algerische Nachrichtenseite TSA weißt darauf hin, dass ein kürzlich stattgefundener Besuch im Tschad, der zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen geführt hat, nur der letzte Erfolge dieser Bemühungen ist. Nach Angaben der Israel Time könnte der Premierminister von Mali bald zu einem Besuch nach Jerusalem reisen.

Benjamin Netanyahu nicht der erste israelische Premierminister in Marokko.

Obwohl die beiden Länder keine offiziellen Beziehungen zueinander Pflegen, gibt es historische und gesellschaftliche enge Beziehungen. In Israel lebt die zweitgrößte Gruppe von im Ausland lebenden Marokkanerinnen und Marokkanern (MRE) mit 800.000 marokkanischen Staatsangehörigen, oft jüdischem Glaubens. Der jüdische Glaube wurde über Jahrhunderte von vielen Bewohnern des Königreiches praktiziert und hat in der Kultur des Landes deutliche Spuren hinterlassen. Einer der ältesten und wichtigsten Berater des Königshauses, André Azoulay, ist ein marokkanischer Jude, der bereits unter König Hassan II. gedient hat. Die in Marokko lebenden Juden stehen unter der besonderen Schirmherrschaft der Monarchie. Tatsächlich wäre Netanyahu nicht der erste Regierungschef, der Marokko besucht. 1999 nahm Ehud Barak an der Beerdigung von König Hassan II. teil. Für Benjamin Netanyahu wäre dies jedoch ein diplomatischer Erfolg in seiner Politik der Öffnung gegenüber Afrika.

Hassan
Verstorbener König Hassan II. von Marokko

Marokko steht unter Druck aus Washington.

Es ist unklar, weshalb Marokko Netanjahu in Rabat empfangen würde. Einzig ein erheblicher Druck durch die Trump – Administration, im Zusammenhang mit der Westsaharafrage, könnte das Königreich zwingen. Der Sonderberater des US – Präsidenten, John Bolten, hat bereits deutlich gemacht, dass er die marokkanische Position zur Westsahara nicht uneingeschränkt unterstützt. Es ist nicht auszuschließen, dass man in Washington Marokko mehr Unterstützung zusagt, wenn man sich gegenüber Israel offener zeigt. Ein Treffen zwischen König Mohammed VI. und Benjamin Netanyahu stellt auch ein innenpolitisches Risiko für die marokkanische Regierung da, da es zur Staatsräson gehört, deutlich auf der Seite der Palästinenser zu sein. In Marokko machen die Menschen einen Unterschied zwischen dem jüdischen Glauben und der Politik eines nicht anerkannten Israels. Ihre Sympathien sind einhellig auf Seiten der Palästinenser.

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