Marokko – Strategie der diversifizierten Beschaffung bei Weizenimporte

Frühzeitiger Aufbau von strategischen Reserven Teil der Vorbereitungen

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Weizen
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Auf Brasilien und Argentinien entfallen inzwischen 41 % der marokkanischen Weizeneinfuhren.

Rabat – Wenn es um die Beschaffung von Weizen geht, scheint Marokko eine Strategie zu verfolgen, die dem nordafrikanischen Königreich dabei nutzen könnte, glimpflich durch die Krise am Weizenmarkt durchzukommen.

Nach Angaben des marokkanischen Landwirtschaftsministeriums wurden in der ersten Hälfte der laufenden Saison Aufträge an 15 verschiedene Länder vergeben, was das Königreich vor internationalen Marktschwankungen schützten soll.

Geopolitische Spannungen und Dürreperioden haben die Weizenversorgung Marokkos nach eigener Einschätzung kaum beeinträchtigt. Lediglich die Quellmärkte für Exporte nach Marokko haben sich geändert.

Während die Ukraine und Russland die zweit- und drittgrößten Exporteure nach Marokko waren, scheint sich das Königreich nun anderen Märkten zuzuwenden. Dies geht aus einer schriftlichen Antwort des Ministers für Landwirtschaft, Fischerei, ländliche Entwicklung sowie Wasser- und Forstwirtschaft, Mohammed Sadiki, hervor.

Marokko setzt zunehmend auf Mittel- und Südamerika.

In den vergangenen Saisons importierte Marokko Weizen aus 25 Ländern, die sich auf Europa, Nordamerika, Lateinamerika und Asien verteilen. Nun hat sich die Anzahl nicht nur verkleinert, sondern auch die Gewichtung verändert. Auf Brasilien und Argentinien entfielen bis Februar dieses Jahres 41 % der marokkanischen Einfuhren. Das Landwirtschaftsministerium versicherte nach einem Bericht von Aujordhui, dass die verbleibenden Mengen leicht durch anderen Lieferketten hauptsächlich aus EU-Ländern und Argentinien substituiert werden können.

Bisher konnten die marokkanischen Importeure 5,6 Mio. Doppelzentner Weichweizen und 500.000 Doppelzentner Gerste aus der Ukraine einführen. Insgesamt importierte Marokko normalerweise rund 8,7 Mio. Doppelzentner Weichweizen und 670.000 Doppelzentner Gerste aus der Ukraine.

Die Tatsache, dass Marokko die derzeitige Situation besser bewältigen konnte, ist vor allem auf die strategischen Entscheidungen zurückzuführen, die das Land in den letzten Jahrzehnten getroffen hat. Marokko hat sich für eine Strategie der Diversifizierung der eigenen Nachfrage entschieden, um Einflüsse zu vermeiden, die den nationalen Markt beeinträchtigen könnten.

Der marokkanische Landwirtschaftsminister versicherte in seiner schriftlichen Stellungnahme gegenüber den Abgeordneten, dass das Königreich eine Strategie der Diversifizierung auch weiterhin verfolgen wird.

Frühzeitiger Aufbau von strategischen Reserven Teil der Vorbereitungen

Im Rahmen der Umsetzung der königlichen Leitlinien für strategische Reserven, von Schlüsselprodukten, insbesondere Lebensmitteln, die der König in einer Rede verkündet hatte, hat die Regierung strategische Sicherheitsreserven für bestimmte Produkte eingerichtet.

Für einige wichtige Produkte, insbesondere Zucker, Tee und Speiseöle, wurde eine Bestandsaufnahme der derzeitigen Lagereinrichtungen für Rohstoffe und Fertigerzeugnisse vorgenommen.

Um die Einfuhrkosten bestimmter Produkte zu senken, hat das Ministerium zusammen mit anderen Akteuren und der Zollbehörde die Einfuhr von Grunderzeugnissen, die nicht vor Ort hergestellt werden, durch Zollsenkungen gefördert. Gemeinsames Ziel der Maßnahmen bleibe die Unterstützung der Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger.

Marokko – Druck auf Weizensubvention und Staatskasse steigt.

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