Marokko – Unternehmen bewerten Wirtschaftsaussichten skeptisch.

Marokkanische Unternehmen zeigen sich skeptisch hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung.

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CGEM
Barometer Konjunkturerwartungen des Unternehmerverbandes CGEM

Unternehmerverband veröffentlicht Umfrage unter seinen Mitgliedern.

Casablanca – In jedem Quartal führt der marokkanische Unternehmerverband CGEM eine Umfrage unter seinen Mitgliedern durch. Die Unternehmensleiter und Inhaber werden dazu aufgefordert ihre persönliche Einschätzung zur kommenden wirtschaftlichen Lage abzugeben. Nun hat der Verband die aktuelle Studie mit Bezug Q3 2018 veröffentlicht. Die aktuelle wirtschaftliche Situation in Marokko sorgt für einen pessimistischen Einfluss in den Reihen der marokkanischen Wirtschaftsführer und Wirtschaftsführerinnen. Die Ergebnisse der jüngsten Unternehmensbefragung von CGEM, die unter 632 marokkanischen Unternehmen durchgeführt wurde, vermitteln ein Bild des Misstrauens. Ca. 86% der marokkanischen Unternehmer beurteilen die Situation negativ. Die erhobenen Daten sollen Auskunft und Leitfaden für die Unternehmensleitung darstellen. Dabei werden mehrer Sektoren der Volkswirtschaft beleuchtet und nach Regionen unterschieden.

Marokkanische Unternehmen zeigen sich skeptisch hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung.

Das Konjunkturbarometer der Confédération Générale des Entreprises du Maroc (CGEM) für das dritte Quartal 2018 zeigt den tiefen Pessimismus der marokkanischen Wirtschaftsführer über die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Nur 14% der Führungskräfte haben eine positive Meinung über den aktuellen Zustand der Volkswirtschaft. Nur einer von fünf Führungskräften glaubt, dass er sich im Vorquartal verbessert hat. Mit Blick auf die Zukunft erwarten nur 39% eine Verbesserung dieser Situation in den nächsten 3 Monaten. Und dieser Pessimismus betrifft vor allem die größten Unternehmen. Nur 5% von ihnen haben eine positive Einschätzung der wirtschaftlichen Situation. Das hat verheerende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Ca. 76% der marokkanischen Unternehmen haben nicht die Absicht, in den kommenden Monaten Personal einzustellen.

Regionen haben unterschiedliche Einschätzungen.

Auf nationaler Ebene ist die Region Tanger-Tetouan in mehreren Aspekten, darunter Produktion, Kapazitätsauslastung und Umsatz, überdurchschnittlich zuversichtlich. Andererseits sind die Unternehmen in der Region Souss-Massa am optimistischsten in Bezug auf die Entwicklung von Cashflow, Profitabilität und Auftragsbestand.

KMUs pessimistische hinsichtlich zukünftiger Auftragslage.

In Bezug auf die Unternehmensgröße sind die Klein und Mittelständischen Unternehmen (KMU) diejenigen, die ihren Cashflow, ihre Profitabilität und ihre Auftragslage am negativsten beurteilen. Vor allem Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl zwischen 50 bis 200 Mitarbeitern sind mit den genannten Indikatoren am wenigsten zufrieden und erwarten auch keine zukünftige Besserung.

Unternehmen halten Investitionen zurück.

Diese Einschätzungen der Verbandmitglieder des CGEM haben negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. In den letzten sechs Monaten haben nur 16% der Unternehmen ihre Mitarbeiterzahl erhöht, und weniger als jedes vierte Unternehmen plant im nächsten Quartal neue Mitarbeiter einzustellen. Einige Betriebe wollen sogar Personal abbauen. Die Unternehmen in der Region Fez-Meknès stellen die größte Gruppe derer, die von einem Personalabbau ausgehen. Dabei sind es weniger Firmen des produzierenden Sektors, sondern eher aus dem Dienstleistungssektor, die einen Rückgang ihrer Beschäftigtenzahl in den nächsten drei Monaten erwarten.

Barometer
Quelle CGEM Konjunkturbarometer Q3 2018

Bei den Investitionen expandieren weniger als ein Drittel der Unternehmen im dritten Quartal 2018. Das sind etwas weniger als im vorangegangenen Halbjahr 2018. Was die Investitionsabsichten betrifft, so planen nur 43% der Unternehmen, in den nächsten drei Monaten zu investieren, was ebenfalls einen leichten Rückgang gegenüber dem zweiten Halbjahr bedeutet.

Entwicklung der marokkanischen Rahmenbedingungen (Gesamtklima) wird positiv eingeschätzt.

Fast jede vierte befrage Führungskraft bewertet das Geschäftsklima positiv. Transport und Logistik, die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal und die Beziehung zur Verwaltung weisen die positivsten Bewertungen auf. Gleichzeitig trübt die wahrgenommene internationale Wettbewerbsfähigkeit, die Besteuerung und das soziale Klima das Gesamtbild wieder ein. Diese Themen werden zwar ebenfalls etwas positiver wahrgenommen, aber geringer als die erstgenannten Indikatoren.

Die Geschäftsklimaprognosen für die nächsten drei Monate zeigen eine deutliche Verbesserung gegenüber der zweiten Jahreshälfte. Dieser Aufwärtstrend ist am deutlichsten bei Transport und Logistik (+13), der Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal und der Beziehung zur Verwaltung (+12).

Unternehmen beklagen Umgang untereinander.

Wenn sich Unternehmen besonders beklagen, so ist es neben der Besteuerung der Umgang innerhalb der Wirtschaft unter den Unternehmen selbst. Sie nennen dies „unlauterer Wettbewerb“ und meinen die Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit und Korruption. Für 25% der befragten Manager ist es der unlautere Wettbewerb, der die größte Bedrohung für die marokkanischen Unternehmen darstellt. Ausstehende Forderungen, fehlender Cashflow, die weltweit drohende Wirtschaftskrise und der Geschäftsrückgang folgen im Ranking der Beschwerden. Gerade für Unternehmen aus den Regionen Souss-Massa und Marrakesch-Safi ist der unlautere Wettbewerb der Hauptfaktor, der ihre Geschäftstätigkeit gefährden kann. Auch die Besteuerung und die Wettbewerbsfähigkeit auf nationaler Ebene werden nachdrücklich erwähnt. Diese drei Aspekte waren auch im Vorquartal die am häufigsten genannten Anliegen.

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