Marokko – Verhaftung des Journalisten Radi löst Empörung aus.

Protestmarsch für die Freilassung von Omar Radi

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Radi
Proteste vor dem marokkanischen Parlament in Rabat gegen die Inhaftierung des Journalisten Omar Radi.

Nationale und internationale Forderungen nach Freilassung von Omar Radi.

Rabat – Die Verhaftung des jungen Journalisten Omar Radi in der vergangenen Woche hat unter marokkanischen Prominenten und bei internationalen Organisationen für Solidaritätsbekundungen gesorgt. Zahlreiche bekannte marokkanische Journalisten, Autoren und Künstler protestieren gegen die Festnahme und die angeordnete Untersuchungshaft.

Marokko – Journalist Omar Radi in Untersuchungshaft.

Omar Radi wurde am 26. Dezember 2019 von der Staatsanwaltschaft in Casablanca zur Anhörung einbestellt und im Anschluss durch das Gericht in Untersuchungshaft genommen. Noch ist der genaue Anklagepunkt unbekannt. Doch sein Rechtsanwalt geht davon aus, dass es um einen Tweet bei Twitter geht, in dem er die Urteile im vergangenen April gegen die 52 Hirak – Inhaftierten kritisierte und das Verhalten des Richters anprangerte. Dies scheint die Staatsanwaltschaft als Beamtenbeleidigung im Sinne des Paragrafen 263 des Strafgesetzbuches auslegen zu wollen.

Tweet
Erinnern wir uns alle an den Berufungsrichter Lahcen Tolfi, den Vollstrecker gegen unsere Brüder. In vielen Regimen kommen kleine Handlanger wie er später bettelnd zurück und behaupten, dass sie nur „Befehle ausgeführt haben. Kein Vergessen oder Vergeben bei solch unwürdigen Beamten!“

Protestmarsch für die Freilassung von Omar Radi

Am gestrigen Samstagabend (28. Dezember 2019) faden sich, nach marokkanischen Medienberichten, mehrere Hundert Demonstranten vor dem Parlament in Rabat ein. Unter ihnen Künstler, Journalisten und auch Politiker und alle forderten die Freilassung von Radi und kritisierten die Verhaftung, als Angriff auf die Redefreiheit von Journalisten. Ähnliche Demonstrationen sollen, nach Angaben des Nachrichtenmagazins Telquel, auch in Casablanca und Paris stattgefunden haben. Die von der marokkanischen Vereinigung für Menschenrechte (AMDH) sowie von mehreren Journalisten und Politikern verurteilte Verhaftung, wurde auch von Human Rights Watch (HRW) kritisiert. In einer am 28. Dezember 2019 veröffentlichten Erklärung, forderte die Nichtregierungsorganisation (NGO) die Behörden auf, den Journalisten und Aktivisten „sofort freizulassen“. (…) „Seine widerrechtliche Inhaftierung und Gerichtsverhandlung findet in einer zunehmend erstickenden Atmosphäre für marokkanische Journalisten, Dissidenten und Künstler statt, die sich über soziale Medien äußern“, sagte Sarah Leah Whitson, Direktorin für den Nahen Osten und Afrika, in einer Erklärung.

Mehrere Verhaftungen und teils Verurteilungen gegen Youtuber und Journalisten.

Das gegen Omar Radi eingeleitete Verfahren kommt wenige Tage nach der Verurteilung von Youtuber Moul Kaskita wegen „Vergehens gegen den König“ zu vier Jahren Haft. Zuvor gab es unter anderem die Verhaftung des Aktivisten Abdelali Bahmad wegen „Missachtung der Flagge und Angriff auf die territoriale Integrität“. Die nächste Anhörung für den Journalisten und Aktivisten Omar Radi soll am 2. Januar 2020 stattfinden. Dann sollte auch die offizielle Anklage bekannt werden.

Marokko – Youtuber zu vier Jahren Haft verurteilt.

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