Tunesien – Tunisair bekommt neue Chefin

Es werden tiefe Einschnitte für die Fluggesellschaft erwartet.

1798
Tunisair
CEO von Tunisair - Frau Olfa Hamdi

Wechsel an der Spitze der krisengebeutelten tunesischen Fluggesellschaft Tunisair.

Tunis – Frau Olfa Hamdi, 36-jährige Ingenieurin, wurde am gestrigen Montag zur CEO der Fluggesellschaft Tunisair ernannt. Olfa Hamdi, Fachfrau für das Management von Großprojekten, wurde an die Spitze der nationalen tunesischen Fluggesellschaft berufen, um den im Juli entlassenen Elyes Mnakbi zu ersetzen, teilte das Verkehrsministerium am 4. Januar 2021 mit. Sie wird die Aufgabe haben, „einen strategischen Aktionsplan zur Rettung und Werbung für Tunisair zu entwickeln, um sich dem internationalen Wettbewerb, insbesondere durch europäische und afrikanische Unternehmen, zu stellen“, heißt es in der Pressemitteilung des Ministeriums. Frau Hamdi rückt auf den Posten für den eigentlichen Wunschkandidaten, Wassef Ayadi, nach, der vor kurzem seinen Antritt abgesagt hat.

Schwierige Aufgabe für neue Chefin

Die neue CEO wird ihr ganzes Fachwissen brauchen, um die ins Stocken geratene Restrukturierung der Tunisair wieder in Gang zu bringen. Als das Unternehmen mit Sitz am Flughafen Tunis-Carthage Ende Oktober die Ernennung eines neuen CEO bekannt gab (Wassef Ayadi, 17 Jahre in der Airline-Branche, hauptsächlich bei Lufthansa Technik, aber auch bei Airbus), sagte Tunisairs Direktor für Strategie und Planung Sami Blidi: „Wir sind seit September erst bei 30 % unseres Geschäfts. Tiefer können wir sowieso nicht mehr fallen.“
Die tunesische Staatsairline galt bereits vor dem Ausbruch der Coronavirus – Pandemie im März als ineffizient und unrentabel. Zugleich schiebt die Airline einen Personalüberhang sowie Investitions- und teilweise Wartungsstau vor sich her, der zu einer Rüge durch die europäische Flugsicherung geführt hat. In den ersten neun Monaten des Jahres 2020 sowie insbesondere seit Ausbruch der Pandemie und den damit verbundenen Grenzschließungen hat die Tunisair nach ersten Schätzungen bis zu 75% ihres üblichen Umsatzes verloren.

Es werden tiefe Einschnitte für die Fluggesellschaft erwartet.

Ende April gab die tunesische staatliche Fluggesellschaft einen einschneidenden Restrukturierungsplan bekannt. Dieser sieht neben massiven Entlassungen (rund 4800 der 7800 Mitarbeiter, wie im Januar bekannt gegeben) auch eine Rekapitalisierung von 400 Millionen Euro durch den Staat und eine Verjüngung der Flotte vor. Dabei setzt Tunisair, entgegen z.B. der marokkanischen Konkurrenz durch Royal Air Maroc und Air Arabia, auf Flugzeuge des europäischen Herstellers Airbus. Ob auch ein Verkauf der Airline wieder ins Gespräch kommen könnte, muss abgewartet werden.

Tunisair
Quelle Ministère du Transport et de la Logistiqu Tunesia – Neue CEO für Tunisair ernannt.
Empfohlener Artikel