StartSchlagzeilenTunesien – Milchmangel führt zu Kritik an Versorgungslage und fehlenden Konzepten

Tunesien – Milchmangel führt zu Kritik an Versorgungslage und fehlenden Konzepten

Landwirte fordern Subventionen und eine Liberalisierung des Milchpreises

30% der Arbeitsplätze in der tunesischen Landwirtschaft sind in der Milchwirtschaft.

Tunis – Die Kritik an der tunesischen Versorgungslage macht sich vor allem an der Versorgung mit Milch fest, auch wenn es insgesamt bei allen Produkten zu Versorgungsengpässen gekommen ist oder die Preise deutlich gestiegen sind. Der Milchsektor sei für viele im Land im Niedergang begriffen. Dabei macht der Milchsektor nach Medienberichten ca. 11% des Wertes der gesamten landwirtschaftlichen Produktion aus. Erste Versorgungsengpässe zeigten sich im Oktober 2022, als die Supermärkte die Regel „zwei Packungen Milch pro Einkäuferin bzw. Einkäufer“ durchsetzen mussten.

Über 100.000 Menschen arbeiten in der Milchwirtschaft.

Fast 112.000 Bäuerinnen und Bauern arbeiten in der Milchwirtschaft. Das seien mehr als 30% aller Arbeitsplätze in der Landwirtschaft. Dabei bleiben die Arbeitsplätze in der übrigen Wertschöpfungskette unberücksichtigt.

Lange war die Milchwirtschaft eine Erfolgsgeschichte. Selbst Exporte und Expansionen ins Ausland, darunter Marokko, fanden statt. Doch mit einem Produktionsrückgang von bis zu 30 Prozent stecke die Branche in der Klemme. Neben Kaffee, Zucker und Pflanzenöl gehöre Milch nun zu den Produkten, bei denen es in den letzten Monaten vereinzelt zu Engpässen kam.

Der Sektor befand sich in den letzten Jahren schon in einer schwierigen Situation, obwohl Expertinnen und Experten immer wieder eine Liberalisierung des Milchpreises gefordert haben. Sie befürworteten diese Lösung, um die Rentabilitätsprobleme zu lösen, die aufgrund des starken Anstiegs der Produktionskosten entstanden waren, so das tunesische Nachrichtenportal African Manager.

Milchproduzenten sind gezwungen unter Selbstkosten zu verkaufen und weichen auf andere Produkte aus.

In Tunesien werden täglich etwa 1,3 Mio. Liter Milch produziert, manchmal sogar 1.800.000 Liter. Ein Liter Milch kostet in der Produktion mutmaßlich ca. 1,750 tunesische Dinar TND, aber die Milchbauern verkaufen diesen für 1,340 TND. Sie machen Verluste und weichen auf andere Produktionsmittel oder Waren aus. Es gebe einen Mangel an Milch, weil die Kühe nicht so viel Futter bekämen, wie sie bräuchten, behaupten die Bauern.

Zudem sei der Staat seit Jahren nicht in der Lage oder nicht willens, die notwendigen Reformen durchzuführen und ggf. diese Situation zu ändern. Expertinnen und Experten verweisen immer wieder auf die Nachhaltigkeit des Sektors, deren Erhalt gesichert werden müsse. Aber im Mittelpunkt jeder Reform sollte der Landwirt bzw. die Landwirtin stehen. Zu den geforderten Reformen gehöre auch eine Liberalisierung des Milchpreises. Außerdem seien die Futtermittelpreise exorbitant gestiegen, und zwar um 30 bis 40 % innerhalb eines Jahres. Grund dafür sei die internationale geopolitische Lage. Der Krieg in der Ukraine habe die Getreidepreise stark in die Höhe getrieben.

Aufgrund von Dürre und fehlendem Regen seien die tunesischen Stauseen nur zu 30% gefüllt.

Züchterinnen und Züchter, Landwirtinnen und Landwirte und andere Vertreter der Industrie fordern zur Rettung des Milchsektors unter anderem durch die Subventionierung von Futtermitteln vor.

Tunesien – Molkereikonzern Landor expandiert in Marokko.

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