Algerien – Gaslieferung an Spanien über Medgaz – Pipeline

Absage an Maghreb-Europa-Pipeline durch Marokko. Krise zwischen beiden Ländern verschärft sich weiter.

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Gas
Algerien - Marokko - Gaspipeline

Kein Transit von algerischem Erdgas durch Marokko nach Spanien und ganz Europa.

Algier – Algerien hat die Voraussetzungen geschaffen, den im Oktober 2021 auslaufenden Vertrag, über den Transport von Erdgas über die Maghreb-Europa-Pipeline, nicht zu verlängern. Das algerische Ministerium für Energie und Bergbau gab am Donnerstagabend (26. August 2021) in einer Pressemitteilung bekannt, dass Algerien alle Erdgaslieferungen nach Spanien über die direkte Medgaz-Pipeline abdecken wird.

„Alle Lieferungen von algerischem Erdgas nach Spanien werden über die Medgaz-Pipeline sichergestellt, sagte der Minister für Energie und Bergbau in Algier, Mohamed Arkab, am Donnerstag und hob das jüngste Projekt zur Erweiterung der Kapazität dieser Pipeline hervor, die die beiden Länder direkt verbindet. Arkab, der am Sitz seines Ministeriums den spanischen Botschafter in Algerien, Fernando Moran, empfing, bekräftigte laut einer Erklärung des Ministeriums „das uneingeschränkte Engagement Algeriens, alle Erdgaslieferungen an Spanien über den Medgaz zu decken“. Medgaz ist eine Gaspipeline, die Algerien über 210 km direkt mit dem Hafen von Almeria in Spanien verbindet, ohne Marokko zu durchqueren.

Krise zwischen beiden Ländern verschärft sich weiter.

Diese Ankündigung erfolgt zwei Tage nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Marokko. Die algerische Regierung setzt damit ihre Politik der Abgrenzung fort. Möglicherweise bleibt es nicht dabei, denn algerische Medien deuten an, dass weitere Entscheidungen erwartet werden können. Spekuliert wird über eine baldige Aufkündigung des bilateralen Flugverkehrsabkommens. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen wird von der algerischen Regierung besonders hervorgehoben, während Rabat die Situation versucht herunterzuspielen. Doch die Sicherheitspolitische Situation verschlechtert sich weiter, was zu einer Destabilisierung in der gesamten Region und zum Rückzug wichtiger Investoren führen könnte.

Amina Benkhadra, die Direktorin des Nationalen Amtes für Kohlenwasserstoffe und Bergbau (ONHYM), hatte zuvor erklärt, dass Marokko für die Aufrechterhaltung des Vertrags sei.

Sie hatte damit versucht Meldungen über eine angebliche Absicht Marokkos, den Vertrag nicht zu verlängern, entgegenzuwirken.

Die algerische Presse hatte Marokko außerdem vorgeworfen, das stark von seinen Erdgasexporten nach Europa abhängige Algerien unter Druck setzen zu wollen, indem es die Vertragsverlängerung in Frage stellte.

Keine Aussagen zu Erdgaslieferungen an Marokko.

Über die sog. Maghreb-Europa-Pipeline versorgt Algerien nicht nur Spanien bzw. die europäischen Märkte mit Erdgas. Auch das Nachbarland Marokko wird über diesen Weg versorgt. Wie es mit den Erdgaslieferungen an das Königreich nun weitergeht, ist noch unklar. Marokkos Energiemix setzt auf 40-50% erneuerbarer Energien sowie Kohle- und Erdgasverbrennung. Die weit überwiegende Mehrheit der Unternehmen und vor allem die privaten Haushalte nutzen Erdgas für die Produktion und das Heizen bzw. Kochen, meist mit Gasflaschen, da dieser Energieträge von staatlichen Subventionen profitiert. Ein Einstellen von algerischen Gaslieferungen würde Algier wichtige Einnahmen kosten, in Marokko aber ggf. jeden Einzelnen treffen können. Zwar hat Marokko das Ziel einer energiepolitischen Unabhängigkeit ausgegeben, aber bis zur Zielerreichung kann es noch viele Jahre dauern. Unter Umständen wird Marokko gezwungen sein, seine Energieprojekte, wie den Ausbau der erneuerbaren Energien oder die Erschließung eigener Erdgasvorkommen, schneller voranzutreiben und nicht mehr nur auf komplexe teils privatwirtschaftliche Kooperationen zu setzen, sondern vollständig öffentlich-rechtliche Strukturen aufzubauen und diese auch vollständig selbst zu finanzieren.

Marokko – Mega – Pipeline zwischen Marokko und Nigeria konkretisiert.

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