Algerien – Gespräche mit Melilla über Fährverbindung.

Politisch schwierige Abwägung bzgl. Verhältnis zu Marokko.

1995
Melilla
Hafen in der spanischen Enklave Melilla an der marokkanischen Mittelmeerküste

Spanische Enklave Melilla und die algerische Hafenstadt Ghazaoute streben direkte Verbindung an.

Algier – Wie in diesen Tagen den lokalen Medien der spanischen Enklave Melilla zu entnehmen ist, strebt man eine direkte Fährverbindung mit Algerien an. Die spanische Enklave an der marokkanischen Mittelmeerküste soll dann zunächst mit der nahegelegenen algerischen Hafenstadt Ghazaoute verbunden werden. Der Präsident der Stadt, Eduardo de Castro, informierte zuletzt das Regionalparlament darüber, dass das Außenministerium in Madrid das Projekt, Melilla auf dem Seeweg mit Algerien zu verbinden, „mit Wohlwollen sieht“. Es war der Abgeordnete der PP, Javier Lence, der ihn darauf ansprach. Er sagte, dass die Volkspartei diesen Weg unterstütze, aber besorgt sei, dass die Zentralregierung dieses Thema untersuchen würde und sagte, dass die „Sozialisten lange brauchen, um ihre Entscheidungen zu treffen“, wie es bei der Arbeitsgruppe zur Schließung des Handelszollamtes mit Nador der Fall war. Er bat den Stadtpräsidenten, „Druck“ auf die Zentralregierung in Madrid auszuüben, um die Verfahren zu beschleunigen.

Melilla
Quelle Google – Fährverbindung zwischen Melilla und Ghazaoute im Gespräch

Umsetzungsfragen müssen geklärt werden.

De Castro antwortete, dass das Außenministerium ihn offiziell darüber informiert habe, dass es „den Vorschlag für die neue Seeverbindung sorgfältig prüft“. Der Stadtpräsident betonte, dass es nicht einfach ist, diesen Vorschlag zu prüfen, da er zusätzlich von den Ministerien für Inneres und Finanzen geprüft werden muss. Das liegt daran, dass es Fragen des Zolls und der Einreiseerlaubnis durch Visa sowie der Infrastruktur für die Personenkontrolle gibt. Er wies außerdem darauf hin, dass auch Marokko und Algerien zu diesem Thema konsultiert werden sollten. „Es handelt sich um einen Vorschlag, den die Landesregierung aufgrund der bedeutenden Auswirkungen, die er auf die Wirtschaft der Stadt haben würde, mit Wohlwollen sieht, so hat es mir die Ministerin mitgeteilt, mit der Zusage, dass sie mich über die Arbeit, die in dieser Richtung geleistet wird, auf dem Laufenden halten wird“, fügte er hinzu.

Wirtschaftliche Interessen treiben Diskussion

De Castro wies auch darauf hin, dass dieses Thema von der Vereinigung der Geschäftsleute von Melilla und dem Hafen von Melilla an ihn herangetragen wurde, um als Vermittler zu fungieren. Er glaubt, dass es für die Stadt ein „Aufschwung“ sein wird, wenn diese kommerzielle und touristische Route realisiert würde. Obwohl er betonte, dass man sich ja in einer Zeit der Pandemie befindet und es nicht einfach ist, alle notwendigen Strukturen aufzubauen, um die Verbindung zu starten.

Beide spanischen Enklaven, Ceuta und Melilla, kämpfen mit erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Neben den Folgen der Coronavirus-Pandemie wirken sich die Grenzschließungen Marokkos aus, die bereits seit 2018 bestehen. Marokko begründet diese mit dem Schmuggel zu lasten des Königreiches an den Grenzen zu diesen Städten und hat alternativ Freihandelszonen eingerichtet und die Unternehmer aus Ceuta und Melilla dazu eingeladen, dort tätig zu werden.

Politisch schwierige Abwägung bzgl. Verhältnis zu Marokko.

Madrid wird sich die Öffnung in Richtung Algerien genau ansehen müssen, denn Marokko wird dies sicherlich nicht gerne sehen, da die Grenzen zu Algerien seit 1992 geschlossen sind und eine große Rivalität zum östlichen Nachbarn besteht. Zugleich erhebt Marokko latent Ansprüche auf die beiden Enklaven an der eigenen Mittelmeerküste. Ansprüche die von Madrid zurückgewiesen werden. Es ist unklar, wie Marokko auf eine solche Verbindung politisch und wirtschaftlich reagiert.

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