Algerien – Hochqualifiziert und arbeitslos – schwierige Lage auf dem algerischen Arbeitsmarkt.

In Arbeitslosigkeit und Unsicherheit aufwachsen.

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Über eine Million arbeitslose Hochschulabsolventen und mehr als 900.000 arbeitslose Fachkräfte – die schwierige Lage der hochqualifizierten Arbeitskräfte in Algerien.

Algier – Fachkräfte sind Leute, die intellektuelle oder technische Arbeiten ausführen können und dafür tiefgreifende Kenntnisse in einem bestimmten Bereich benötigen. Diese Personen sind diejenigen, die in Algerien von Arbeitslosigkeit besonders betroffen sind, weil es keine Arbeitsplätze gibt, die ihren Fähigkeiten nutzen. Die jüngsten Daten des Nationalen Arbeitsamtes (ANEM) bestätigen diese tragische Situation. Die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen und Führungskräften war in Algerien noch nie so hoch.

Eine Million Arbeitslose mit Hochschulabschluss.

Das ANEM zählte im März 2022 mehr als 1 Mio. (1.069.397) arbeitslose Hochschulabsolventen. Diese Hochschulabsolventen stellen nicht weniger als 26% aller Arbeitslosen im Lande. Ein erschütternder und alarmierender Prozentsatz, wenn man bedenkt, dass das Land dringend der Entwicklung bedarf und alle seine Akademiker:innen nutzen sollte ja müsste, um die zukünftige wirtschaftliche und politische Entwicklung auf ein breites Fundament setzen zu können. Es sind aber nicht nur die Uni-Absolventen betroffen.

Ebenfalls im März 2022 lag die Zahl der arbeitslosen Fach- und Führungskräfte bei 927.080, was in wirtschaftlicher Hinsicht eine echte „Hekatombe“ darstellt, urteilt beispielweise das Nachrichtenportal Algérie Parts. Diese Führungskräfte verfügen über die notwendigen Fähigkeiten, um Unternehmen zu leiten und zu entwickeln und verschiedene Projekte zu führen, die Wohlstand schaffen können, was für die Stabilität Algeriens unerlässlich wäre.

Seit März dieses Jahres machen Fach- und Führungskräfte bis zu 23% der bei den ANEM-Dienststellen und den örtlichen Büros gemeldeten Arbeitslosen aus.

In Arbeitslosigkeit und Unsicherheit aufwachsen.

Dieser Anstieg wurde von der algerischen Führung angesichts des drastischen Anstiegs der Öl- und Gaspreise auf den internationalen Märkten positiv bewertet. In Ermangelung eines ernsthaften und rigorosen Plans zur Wiederbelebung der nationalen Wirtschaft lässt Algerien seine talentiertesten und einfallsreichsten jungen Menschen in Arbeitslosigkeit und Unsicherheit aufwachsen. Diese Zahlen werden auch nicht dadurch relativiert, dass der IWF erst vor wenigen Tagen seine Prognosen für das algerischen Wirtschaftswachstum nach oben korrigiert hat. Afrikas größtes Flächenland lebt weiterhin von seinem Reichtum an fossilen Energieträgern. Ähnliche Situationen gibt es allerdings in zahlreichen Ländern der MENA-Region. Die Länder lassen ihre Jugend in die eigene Bildung investieren, um dann das Potential ungenutzt zu lassen. Die Ursache liegt sicherlich auch darin, dass die Ausbildung, in Ermangelung eines Dualen-Bildungssystems in Kooperation mit Unternehmen, häufig an der Praxis vorbei stattfindet. Zugleich werden die jungen Menschen weniger zu Selbstständigkeit und kritischen Betrachtungsweisen angehalten. Eine Voraussetzung, wenn man nicht nur im Staatsdienst tätig sein will, sondern Märkte oder Produkte hinterfragen soll, um neue Unternehmen zu gründen.

Algerien – IWF hebt algerische BIP Wachstumsprognose für 2022 an.

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