Algerien – Privatisierung von Staatsbetrieben soll Wirtschaft stärken.

Algerien setzt auf Privatisierung und Investitionen bei 1.200 Unternehmen.

Staatsbetrieben
Algerien lockt private Investoren durch Privatisierung von Staatsbetrieben

Regierung öffnet Staatsbetriebe für private Investitionen.

Algier – Algerien schreitet beim Umbau der heimischen Wirtschaft weiter voran. Dabei versucht das maghrebinische Land die Abhängigkeit vom Rohstoffhandel etwas zu mindern. Algerien macht seit einigen Jahren bittere Erfahrungen. Die große Abhängigkeit der Staatsfinanzen vom Verkauf des eigenen Rohöls und von Gas hat Algerien in eine schwierige Lage gebracht. Nach dem der Rohölpreis an den Weltmärkten teilweise unter 50 US$ pro Barrel gefallen war, fielen im gleichen Masse die Staatseinnahmen. Gleichzeitig herrscht in Algerien eine hohe Staatsquote bei der Produktion von Gütern und Dienstleistungen. Doch den Staatsbetrieben fehlt das Kapital für die nun nötige Modernisierung.

Algerien importiert einen wesentlichen Teil seiner Güter.

Algerien ist gezwungen einen wesentlichen Teil seiner Verbrauchsgüter zu importieren. Die wenigen Produkte, die im Land selbst produziert werden, werden häufig von staatlichen oder staatlich kontrollierten Unternehmen produziert. In solchen Unternehmen steht die Effektivität und Effizienz nicht immer an oberster Stelle. Damit verbunden ist auch eine niedrige Investitionsbereitschaft. Genau diese Wirtschaftsstruktur erschwerte es Algerien auf die Einnahmerückgänge aus dem Öl- und Gasgeschäft zu reagieren.

Algerien setzt auf Privatisierung und Investitionen bei 1.200 Unternehmen.

Die algerische Regierung musste in den letzten drei Jahren mit einem zunehmend bedrohlicher werdenden Haushaltsdefizit, das sich aus einem wachsenden Außenhandelsdefizit ergab, umgehen. Sie reagierte zunächst mit restriktiven Importrichtlinien und Einsparungsprogrammen und erhöhte auch Steuern, z. B. die Grunderwerbssteuer – maghreb-post berichtete. Diese bereits in 2016 bzw. 2017 ergriffenen Maßnahmen, sollten eine Entlastung bringen, bis der Rohölpreis wieder ansteigt. Aber bereits in 2016 hatte der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika die Algerierinnen und Algerien auf Entwicklungen hingewiesen, die die Wirtschaftsstrukturen im Land betreffen. Der Präsident und die Regierung hatten erkannt, dass man es sich lange sehr bequem gemacht hatte. Nun wird klar, dass die wenig diversifizierte Wirtschaft sehr anfällig ist. Er sprach sogar von einer „Nach – Öl – Ära“, auf die sich das Land vorbereiten muss – maghreb-post berichtete. Aufgrund der angespannten Finanzlage kann der Staat, bei dieser hohen Staatsquote, die Modernisierung nicht alleine finanzieren. Daher geht Algerien noch einen Schritt weiter und plant die Staatsquote durch Privatisierungen von Staatsbetrieben zu reduzieren. Laut „Algerie FOCUS“ hat das Wirtschaftsministerium eine Liste von 1.200 Unternehmen aufgestellt, die entweder vollständig privatisiert oder für private Investitionen geöffnet werden sollen.

Nicht alle Unternehmen sind wettbewerbsfähig.

Die algerische Regierung hat mit dem Gewerkschaftsbund und den Arbeitgeberverbänden ein Abkommen geschlossen. Danach stellt die Regierung eine Liste von 1.200 Unternehmen auf, die für privates Kapital zugänglich gemacht werden sollen. Beginnen möchte man wohl im Tourismusbereich bei den staatlichen Hotels. Bei relativ profitablen Unternehmen wird ein Beteiligungsmodell ermöglicht. Bei Unternehmen die kaum oder nicht rentabel sind, ist auch eine vollständige Veräußerung an private Investoren geplant, in der Hoffnung, dass diese dann die Unternehmen modernisieren. Doch allen Beteiligten ist klar, dass nicht alle Unternehmen den Umbau überleben werden. Gerade private Investoren werden auf die Rentabilität achten und nur dort investieren, wo es sich lohnt. Unternehmen mit hohen Überkapazitäten an Mitarbeitern, veralteter Infrastruktur, unterlegenen Produkten und ineffizienten Produktionsmethoden könnten gnadenlos aussortiert werden. Entweder bleiben diese als Ladenhüter bei der Regierung oder Unternehmen nutzen die Gelegenheit, durch einen Aufkauf und anschließender Schließung, sich einem unliebsamen Konkurrenten zu entledigen. Viele im Land befürchten, dass die Regierung unter dem amtierenden Premierminister Ahmed Ouyahia, diese Entwicklungen nicht unterbinden wird, weil sie es nicht kann.

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