Kreditkartennutzung in Marokko steigt um 85% im 1. Halbjahr 2017.

Bargeldloses Zahlen nicht für alle Bevölkerungsschichten möglich.

Kreditkartennutzung
Regierung setzt auf bargeldlosen Zahlungsverkehr als Instrument gegen Schwarzgeld und Korruption.

Kreditkartennutzung im Trend in Marokko.

Rabat – Bargeldloses Bezahlen wird in Marokko immer beliebter, glaubt man den Zahlen des „Centre Monétique Interbancaire (CMI)“ (Institut für das digitale Interbankenwesen). Das Institut veröffentlichte die neuesten Zahlen zur Kreditkartennutzung in Marokko. Alleine im ersten Halbjahr 2017 soll die Anzahl der Kreditkartenzahlungen auf drei Millionen gestiegen sein. Das bedeutet einen Anstieg um 1,6 Millionen Transaktionen oder von 84,9%.
Laut Angaben der CMI wächst die Kreditkartennutzung in Marokko gegen den weltweiten Trend. Demnach sank der Einsatz von Kreditkarten weltweit um sieben Prozent.

Nutzung von Geldautomaten steigt ebenfalls.

Obwohl die Kreditkartennutzung steigt, dominiert das Bezahlen mit Bargeld nach wie vor im Königreich. Aber auch hier steigt die Nutzung der Bargeldbeschaffung mit Hilfe von Bankkarten. Die Bankkarten (Girokarten) werden an immer mehr Geldautomaten eingesetzt. In Großstädten ist die Anzahl und Dichte von Geldautomaten schon sehr hoch. Alleine im ersten Halbjahr zählte das Institut 134,5 Millionen Nutzungen von Geldautomaten. Über 98% der Nutzungen fanden unter Einsatz von inländischen Bankkarten statt.

Regierung setzt auf bargeldlosen Zahlungsverkehr als Instrument gegen Schwarzgeld und Korruption.

Die Regierung wird die neuesten Zahlen sicherlich mit erster Zufriedenheit und Hoffnung auf weiteres Wachstum zur Kenntnis genommen haben. Bereits im letzten Jahr hatte König Mohammed VI. in seiner Rede vor dem Parlament den Kampf gegen Korruption hervorgehoben – maghreb-post berichtete. Als eines der Instrumente galt die zunehmende Digitalisierung der Bürokratie (eGoverment) z.B. durch die Zahlung von Gebühren unter Einsatz von digitalen Zahlungssystemen. Ähnliches gilt im Kampf gegen Steuerhinterziehung und Schwarzgeld. Gerade im Bereich der Schattenwirtschaft ist Bargeld nahezu unerlässlich. Wenn die Bargeldnutzung zunehmend durch Kartenzahlungen ersetzt wird, sind Geldflüsse einfacher zurückzuverfolgen und Verschleierungen schwieriger. Auch mit Blick auf den Kampf gegen die Terrorgefahr wäre es für die Sicherheitskräfte einfacher Geldflüsse zu überwachen. Aber auch die Kosten für das Bereitstellen und Weiterentwickeln von Bargeld durch die Zentralbank würden sinken.

Sicherheitsstandards in Marokko noch nicht auf ausreichend hohem Niveau.

Je mehr Karten im Umlauf sind und je mehr kriminelle Organisationen davon ausgehen durch Missbrauch Gewinne erzielen zu können, desto mehr stellt sich die Frage nach der grundsätzlichen Sicherheit der digitalen Zahlungsmittel. Auch dieser Frage muss sich Marokko stellen. Gerade die Kartenterminals in Geschäften sind nicht selten über nicht ausreichend verschlüsselte Internetverbindungen mit den Kreditkartendiensten verbunden. Die Zahlungs- und Kundendaten sind während des Zahlungsvorgangs nicht ausreichend geschützt. Darauf weist Nitin Bhatnagar, hochrangiger Mitarbeiter der SISA Information Security gegenüber moroccoworldnews hin. Das Unternehmen baut Infrastrukturen für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Marokko auf. Gerade kleine und mittlere Händler sowie Unternehmen haben noch großen Nachholbedarf. Das Vertrauen der Menschen in einen sicheren Zahlungsverkehr ist ein entscheidender Faktor für dessen Akzeptanz. Damit verbunden sind auch Fragen rund um den Datenschutz.

Bargeldloses Zahlen nicht für alle Bevölkerungsschichten möglich.

So fortschrittlich die Nachricht im ersten Moment klingt, umso mehr muss man dabei beachten, dass nicht jeder Marokkanerin und nicht jedem Marokkaner der Zugang zu den neuen Technologien möglich ist. Zum einen fehlt gerade in weniger entwickelten Regionen des Königreiches die technische Infrastruktur. Das beginnt schon bei einer sicheren Strom und Wasserversorgung, geht über in die bürokratischen sowie wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Beschaffung von Zahlungskarten und endet nicht zuletzt bei einem nicht ausreichenden Bildungsniveau in nicht unerheblichen Teilen der Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund könnten die Kreditkartenunternehmen durch andere digitale Zahlungsmöglichkeiten überholt werden noch bevor sich diese durchgesetzt haben. In vielen Ländern Afrikas wird mit Hilfe von Handys bezahlt. Auch in Marokko wurden erste Systeme vorgestellt. Die Firma Fpay stellte erst Anfang des Jahres ein Smartphone basiertes Zahlungssystem vor. Das Mobilfunknetz in Marokko gilt als eines der modernsten in Afrika und auch die Ausstattung mit geeigneten Handys ist gut.

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