Marokkanische Taxivereinigung stellt sich Wettbewerb.

Neue App „Fiddek“ in Casablanca vorgestellt.

Marokkanische Taxivereinigung
Winken am Straßenrand nicht mehr nötig.

Marokkanische Taxivereinigung stellt eigene Smartphone – App vor und stellt sich dem Wettbewerb gegen Uber und Careem.

Casablanca – Der Wettbewerb für die marokkanischen Taxifahrer hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich verschärft und verändert. Gerade in der Wirtschaftsmetropole Casablanca hatten die Fahrer der sog. „Petit Taxi“ plötzlich einen neuen Gegenspieler, auf den sie sich zunächst nicht einstellen konnten. Der amerikanische Dienstleister für Fahrtvermittlungen Uber trat 2015 in den marokkanischen Markt ein und fokussierte sich auf Casablanca. In diesem Jahr trat Careem ebenfalls an, ein Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Über die Apps beider Unternehmen können Privatpersonen Fahrten anbieten und gebucht werden. Meist sind die Fahrzeuge von besserer Qualität und technisch sicherer. Auch die Fahrer gehen häufig mehr auf die Fahrgäste ein und sind meist freundlicher. Dazu sind die Fahrten meist etwas billiger als der offizielle Tarif der „regulären“ Taxis. Anfang des Jahres expandierte Uber und ist jetzt auch in der Hauptstadt Rabat tätig – maghreb-post berichtete. Der Konkurrent Careem zog im November dieses Jahres nach. Die Fahrer der „Petit Taxis“ wehrten sich zunächst gegen die vermeintlich illegal tätige Konkurrenz durch Protestaktionen und nicht selten durch physische Angriffe auf die Fahrer und Fahrzeuge der Gegenseite. Nicht wenige Schäden an Fahrzeugen und Personen sind bekannt geworden. Die marokkanische Taxivereinigung versuchte die Regierung, deren Schutz sie seit Jahrzehnten genoss, unter Druck zu setzen, aber ohne Erfolg. Nun ändert die marokkanische Taxivereinigung ihre Strategie und stellt sich dem Wettbewerb durch eine Serviceinitiative und durch eine eigene App.

Neue App „Fiddek“ in Casablanca vorgestellt.

Die marokkanische Taxivereinigung stellte vor wenigen Tagen eine eigene Vermittlungs – App mit dem Namen „Fiddek“ vor. „Fiddek“ ist der Spitzname für die „Petit Taxis“, der vor allem in Casablanca gebräuchlich ist. In Zusammenarbeit mit dem französischen App – Anbieter Heetch hat die marokkanische Taxivereinigung die erste vermeintlich legale App entwickelt.

Winken am Straßenrand nicht mehr nötig.

Die in südlichen Ländern und eben auch in Marokko gebräuchlichste Methode ein Taxi zu nutzen, ist sich an den Straßenrand zu stellen und zu winken, damit ein vorbeifahrendes Taxi anhält und einen eventuell mitnimmt. Dies könnte bald der Vergangenheit angehören. Fahrgäste müssen nicht mehr winken oder sich auf die Straße stellen und warten. Durch die neue App „Fiddek“ ist das bequeme bestellen möglich. Die App der Taxivereinigung, die am 17. November vorgestellt wurde, wird zunächst nur in Casablanca nutzbar sein. Sie soll aber Schrittweise auch in anderen Städten Marokkos zum Einsatz kommen.

Die Idee hinter „Fiddek“ und anderen „Ridesharing“-Anwendungen (Fahrdienst- bzw. Mitfahrvermittlern) ist einfach. Wenn ein Taxi benötigt wird, öffnet man die App auf seinem Smartphone. Diese zeigt alle freien Fahrzeuge in der Nähe an und meist auch wie schnell ein Fahrzeug an dem gewünschten Abholstandort sein kann. Man wählt ein Fahrzeug bzw. Fahrer und wartet, bis der Fahrer am eigenen Standort erscheint.

Fahrer und Fahrzeuge unterliegen höheren Qualitätsansprüchen.

Aber nur eine App anzubieten wird die Taxis nicht vor der Konkurrenz schützen. Der Wettbewerb besteht auch aus einer qualitativen Komponente. Es geht um die Qualität der Fahrzeuge und den Service, den die Fahrer ihren Fahrgästen anbieten. Dies beginnt bei der Fahrsicherheit, geht über Sauberkeit und endet sicherlich nicht bei der Freundlichkeit. Dies ist auch der marokkanischen Taxivereinigung bewusst. Jeder Taxifahrer bzw. jedes Taxiunternehmen, dass die „Fiddek“- App nutzen möchte, muss eine Schulung absolvieren. Neben der Schulung hinsichtlich der App – Nutzung geht es auch darum, dass die Fahrer daran gemessen werden, ob sie sich um Sauberkeit (im Fahrzeug und auch persönlich), Höflichkeit sowie Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften bemühen. Fahrer, die mit „Fiddek“ zusammenarbeiten, müssen ebenfalls eine Qualitätscharta unterzeichnen, in der sie sich verpflichten, ein geeignetes Fahrzeug zu fahren.

Taxivereinigung verbindet „Fiddek“ mit Sozialleistungen.

Die „Fiddek“ – App wird gemeinsam von der marokkanischen Taxivereinigung und dem französischen Unternehmen Heetch betrieben. Die Fahrer müssen dafür auch ein Entgelt entrichten. Im Gegenzug möchten die beiden Partner die Arbeitsbedingungen für die Fahrer verbessern. Neben der Eigenschaft, dass durch die App unnötiges Herumfahren vermieden werden soll, was der Umwelt nutzt und den Stress der Fahrer reduziert, will die Kooperation einen Teil der Lizenzeinnahmen in Sozialkassen einzahlen. Dazu gehört vor allem der Aufbau einer Krankenversicherung. Nun müssen es die Fahrer und Kunden annehmen.

Marokkanische Taxivereinigung legt sich mit finanzstarken internationalen Konzernen an.

Die marokkanischen Taxifahrer waren es über Jahrzehnte gewohnt, dass ihr Wirtschaftszweig durch Interessen auf politischer Ebene geschützt wurde. Viele Taxikonzessionen waren in der Hand mächtiger Clans im Land. Doch die marokkanische Regierung glaubt zunehmend an Entwicklung durch Wettbewerb. Natürlich gab es immer schon „illegale Taxifahrer“, wie überall auf der Welt, und in Marokko wurden sie toleriert, weil sie im Verborgenen arbeiten mussten und weil die Transportkapazitäten im Land knapp waren. Die aktuelle Entwicklung scheint der Philosophie, der wettbewerbsorientierten Wirtschaft und dem Wegfall von Protektionismus, Recht zu geben. Doch gegen wen treten die Taxifahrer nun an?

Die amerikanische Firma Uber ist ein weltweit agierendes Technologieunternehmen, das finanzstarke Anteilseigner besitzt. Wie das Managermagazin auflistet, gehören dazu Milliardäre und Investmentbanken. Darunter Amazon, Google, Adriana Huffington, der Saudi-Arabische Staatsfond PIF oder der chinesische Suchmaschinenkonzern Baidu. All diese Investoren haben Uber mehrere Milliarden US-Dollar für die Kriegskasse zur Verfügung gestellt. Auch hinter dem Anbieter Careem stehen vermögende Investoren. Auf der eigenen Homepage werden die Vereinigten Arabischen Emirate und sogar Daimler genannt. Zu begrüßen ist, dass durch die Konkurrenzsituation die Chance entstanden ist, dass sich an der Qualität der Taxis in Marokko etwas verbessert. Dies kommt sicherlich der Sicherheit der Fahrgäste und der Umwelt zugute. Alles andere haben die Taxifahrer nun selbst in er Hand, denn sie haben vielleicht nicht die Finanzkraft der Konkurrenz, aber sie sind bereits etabliert, bekannt und flächendeckend präsent.

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