Marokko – 2021 soll die Wirtschaft um 4,6 % wachsen

Staatsverschuldung steigt weiter an.

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HCP
Chef der Hohen Kommission für Planung HCP Lahlimi

HCP stellt für 2020 eine Rezession von 7% für die marokkanische Volkswirtschaft fest. Mit erheblichen Folgen für den Arbeitsmarkt und die Staatsverschuldung.

Rabat – Nach dem die marokkanische Zentralbank und die Weltbank ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr abgegeben haben, folgte nun die Analyse der „Hohen Kommission für Planung“ HCP. In Ihrem Bericht erläutert die HCP die Situation im Pandemiejahr 2020 und gibt einen ersten Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2021. Nach den neuesten Zahlen, die das Büro der HCP am 13. Januar 2021 in seiner Wirtschaftsprognose für 2021 veröffentlicht hat, hat die Covid-19 Pandemie zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt, der mit den Eindämmungsmaßnahmen zusammenhängt. Auch die Staatsverschuldung steigt an.

Diese durch die Coronavirus – Pandemie weltweit verursachte Krise führte im Jahr 2020 zu einem schweren und beispiellosen Schock für die marokkanische Volkswirtschaft, der die Auswirkungen von zwei aufeinanderfolgenden Dürrejahren verstärkte und eine wirtschaftliche Rezession verursachte, die schlimmste seit mehr als 20 Jahren.

Bruttoinlandsprodukt BIP schrumpft um 7 %.

Die wichtigsten von der Krise betroffenen Sektoren sind:
Tourismus und verwandte Branchen, Maschinenbau-, Metall- und Elektroindustrie (IMME), Textil- und Bekleidungsindustrie sowie Handel und Transport. Dem Bericht zufolge „wäre ihre Wertschöpfung im Jahr 2020 um 7 % stark geschrumpft, verglichen mit einem Anstieg von 2,8 % im Jahr 2019. Diese unterdurchschnittliche Leistung wäre vor allem auf den Rückgang der Wertschöpfung bei Klein und Mittelständigen Unternehmen KMUs um 22,4 % im Jahr 2020 zurückzuführen, verglichen mit einem Anstieg von 4,7 % ein Jahr zuvor“.

Touristen
Hotel für Touristen

Einige Sektoren blieben widerstandsfähig, darunter der Bergbau, die Agrar- und Ernährungswirtschaft, die chemische und halb-chemische Industrie, das Gesundheits- und Bildungswesen sowie die Verwaltungsdienste. So wird für die chemische und halb-chemische Industrie im Jahr 2020 ein Anstieg der Wertschöpfung von fast 7,6 % geschätzt. Aber der Trend war allgemein abwärtsgerichtet, mit einer Rezession von -7 % im Jahr 2020 gegenüber einem Plus von 2,5 % im Jahr 2019.

Arbeitslosigkeit und sinkender Lebensstandard durch schrumpfenden Konsum.

Vor dem Hintergrund der Rezession hat nach Einschätzung der HCP der Arbeitsmarkt im Jahr 2020 insgesamt einen Verlust von 531.000 Stellen zu verkraften. „Diese Verluste haben die offizielle nationale Arbeitslosenquote auf fast 12,8 % steigen lassen, ein Anstieg um 3,6 Prozentpunkte im Vergleich zu ihrem Niveau im Jahr 2019.“

Arbeitslosigkeit
Arbeitslosigkeit weiterhin größtes Armutsrisiko.

Der inländische Konsum ist um 5,4 % gesunken, statt um durchschnittlich 3,9 % wie in den Jahren von 2008 – 2019 zu wachsen. Sein Beitrag zum BIP-Wachstum ist mit -4,1 Punkten negativ. Die Bruttoinvestitionen sind um etwa 9,8 % gesunken, was einen negativen Beitrag zum Wirtschaftswachstum von -3,2 Punkten bedeutet, so die HCP weiter.

Insgesamt ist der Inlandskonsum im Jahr 2020 volumenmäßig um 6,7 % gesunken, statt 2019 um 1,7 % zu steigen. „Unter diesen Umständen hat sich das Haushaltsdefizit der Regierung im Jahr 2020 auf fast 7,4 % des BIP ausgeweitet“, heißt es in dem Bericht.

Spürbares Wirtschaftswachstum von 4,6 % des BIP im Jahr 2021 erwartet.

Im Zusammenhang mit dem Start zahlreicher Impfkampagnen in den wichtigsten Wirtschaftsländern, die die Öffnung der internationalen Grenzen begünstigen sollten, sollte das Jahr 2021 unter günstigeren Aussichten beginnen.

„Die nationale Wirtschaft sollte von den Auswirkungen der erwarteten Erholung des Wachstums bei den wichtigsten Handelspartnern, insbesondere den europäischen Ländern, profitieren. Es wird erwartet, dass sich die Nachfrage nach Gütern aus Marokko nach einem Rückgang von 13 % im Jahr 2020 im Jahr 2021 um 9,6 % erholen wird, was das Vertrauen der Haushalte und Investoren stärken wird“, so die HCP.

So erwartet man bei der HCP für den Primärsektor (Landwirtschaft) ein Anstieg der Wertschöpfung um ca. 11 % im Jahr 2021 anstelle eines Rückgangs von 7,1 % im Jahr 2020, wobei in dem Erntejahr 2020/2021 eine durchschnittliche Getreideproduktion von 75 Mio. Doppelzentnern erreicht werden sollte.

Landwirtschaft
Landwirtschaft wichtiger wirtschaftlicher Sektor.

Unter diesen wirtschaftlichen Bedingungen, die von Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Coronavirus – Pandemie geprägt sind, wird für das Jahr 2021 ein BIP-Wachstum von etwa 4,6 % erwartet. Das kompensiert die Rezession des Vorjahres nicht vollständig. Diese Entwicklung deutet auf einen leichten Anstieg der Inflation auf 1,1% hin, entgegen der geringen Deflation von -0,1 % im Jahr 2020.

Für den Arbeitsmarkt wird ein leichter Rückgang der Arbeitslosenquote von 12,8 % im Jahr 2020 auf 11,1 % erwartet, so der Bericht.

Wiederbelebung von Konsum und Investitionen

Für den Konsum der privaten Haushalte wird ein volumenmäßiges Wachstum von 3,9 % erwartet, während die Investitionen weiterhin von einer fiskalischen Stimulierungspolitik (staatliche Investitionen, Subventionen oder günstige Kredite) und einer Wiederbelebung des Vertrauens sowie der Klarheit über die Zukunftsaussichten abhängen.

In diesem Zusammenhang wurde der König Mohammed VI. Fonds für Investitionen gegründet, der mit 45 Milliarden Dirham ausgestattet werden soll, davon 15 Milliarden Dirham aus dem allgemeinen Staatshaushalt. „Dieser Fonds wird vorrangigen Sektoren zugewiesen werden, wie z.B. den industriellen Wachstumsbereichen, aussichtsreichen Branchen, Kleinen und Mittleren Unternehmen KMU, der Infrastruktur und dem Tourismus. Das Gesamtvolumen der öffentlichen Investitionen soll daher von 182 Milliarden marokkanischen Dirhams MAD im Jahr 2020 auf 230 Milliarden MAD im Jahr 2021 ansteigen, was einer Steigerung von 26 % entspricht“, so der Bericht weiter.

König
Quelle MAP – König Mohammed VI. leitet Arbeitssitzung.

Insgesamt wird erwartet, dass die Inlandsnachfrage nach ihrem Rückgang um 6,7 % im Jahr 2020 um 5 % wachsen wird, was einen positiven Beitrag von 5,4 Prozentpunkten zum Wirtschaftswachstum leisten würde.

Staatsverschuldung steigt weiter an.

Unter diesen Bedingungen wird der Anteil der Staatsverschuldung am BIP voraussichtlich um fast 0,6 Prozentpunkte auf 78,3 % des BIP steigen. Unter Berücksichtigung der abgesicherten Auslandsverbindlichkeiten dürfte die öffentliche Gesamtschuldenquote bei 95,6 % des BIP liegen. Das marokkanische BIP liegt bei ca. 1.100 Mrd. MAD oder 105 Mrd. EURO.

Bericht der HCP hier

Marokko – COVID-19 Impfkampagne soll bis Mai beendet sein.

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