Marokko – Außenhandelsdefizit erreichte 2018 über 10%.

Energiekosten treiben Außenhandelsdefizit.

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Außenhandelsdefizit
Marokkos Importe steigen schneller als die Exporte.

Die Importe übersteigen den Wert der Exporte um 11,5 Mrd. marokkanische Dirham MAD.

Rabat – Eines der schwierigsten wirtschaftlichen Probleme Marokkos ist das jährliche Außenhandelsdefizit. Auch im vergangen Wirtschaftsjahr 2018 hat das nordafrikanische Königreich nach Werten mehr Produkte eingeführt als exportiert. Gleichzeitig stieg der Importwert schneller an, als der Exportwert. Dies führte zu einem Anstieg des Außenhandelsdefizits. Marokko kauft hauptsächlich Energieträger wie Brenn- und Treibstoffe und verkauft hauptsächlich Phosphat, landwirtschaftliche Produkte und im Land montierte Automobile.

Außenhandelsdefizit steigt um 10,9%

Das Außen- bzw. Handelsbilanzdefizit erhöhte sich 2018 um 10,9%. Laut dem Jahresbericht des Amtes für Außenwirtschaft stiegen die Einfuhren (über 40 Mrd. MAD) im letzten Geschäftsjahr stärker als die Ausfuhren (+29 Mrd. MAD). Das Außenhandelsdefizit ist um 11,5 Mrd. MAD gestiegen. Im Vorjahr 2017 betrug der Anstieg ca. 10,5 Mrd. MAD. Der Deckungsgrad lag bei 77,7% nach 78,2% im Vorjahr 2017.

Energiekosten treiben Außenhandelsdefizit.

Der wertmäßige Anstieg der Einfuhren ist hauptsächlich durch Energieerzeugnisse getrieben. So erreichten die Energieausgaben im Jahr 2018 rund 82 Mrd. MAD, verglichen mit 70 Mrd. MAD im Vergleichszeitraum 2017. Während die Menge der Einkäufe von Energieprodukten insgesamt zurückging, erhöhte der Anstieg der Preise für Diesel und Heizöl am Weltmarkt (+28,3%) die Kosten für importierte Energieträger.

Energiekosten
Brenn- und Treibstoffe sind wichtigstes Importgut in Marokko

Phosphate und Automobile wichtigste Exportgüter

Hinsichtlich der gestiegenen Exporte profitierte Marokko von der Nachfrage nach Phosphat und entsprechenden Derivate sowie von Automobilen. Hier konnte insgesamt ein Anstieg um 22 Mrd. MAD oder plus 7,6% festgestellt werden. Der Exportwert bei Phosphat und den dazugehörigen Derivaten erreichte im Jahr 2018 rund 52 Mrd. MAD gegenüber 44 Mrd. MAD im Vorjahr 2017. Der Exportwert bei Automobilen erreichte rund 65 Mrd. MAD. Im Vergleichszeitraum 2017 waren es noch 59 Mrd. MAD.

Außenhandelsdefizit belastet Devisenreserven.

Der Automobilsektor gehört zu den wenigen Wirtschaftsbereichen, aus denen Marokko Fertigprodukte exportieren kann. Das nordafrikanische Königreich exportiert neben Automobilen im wesentlichen Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte. Da Marokko alle Importe nicht in Landeswährung, sondern in Fremdwährungen, wie US-Dollar und Euro, bezahlen muss, sind Devisenquellen von besonderer Bedeutung.

Für die Devisenbeschaffung hat Marokko im wesentlichen drei Möglichkeiten; den Tourismus, die Transferzahlungen der im Ausland lebenden Marokkanerinnen und Marokkaner (MRE) und Kredite. Entsprechend hat ein Anstieg des Außenhandelsdefizits ernste Folgen für die Devisenreserven des Landes und für die Verschuldung. Ein Abbau des Defizits gehört zu den wichtigsten Aufgaben, neben dem Abbau des Staatsdefizits, bevor die Schwankungsbreite des Dirham-Wechselkurses erhöht werden kann. So wie es der IWF fordert.

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