Marokko – Außenhandelsdefizit im 1. Halbjahr 2019 gestiegen.

Importe steigen schneller als die Exporte.

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Außenhandelsdefizit
Marokkos Importe steigen schneller als die Exporte.

Amt für Außenhandel und Devisenwirtschaft legt Zahlen für Juli und 1. Halbjahr 2019 vor.

Rabat – Am 4. September veröffentlichte das Amt für Außenhandel und Devisenwirtschaft die aktuellen Zahlen für den Monat Juli 2019 und das erste Halbjahr vor. In dem Bericht wird auf ein stetiges Wachstum des Außenhandelsdefizits hingewiesen, den das Amt auf einen stärkeren Anstieg der Importe gegenüber den Exporten zurückführt.

Dem Bericht zur Folge weist die Außenhandelsbilanz ein Defizit auf, das sich gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, um 5 Milliarden marokkanische Dirhams (MAD) bzw. 469,5 Millionen Euro* vergrößert hat. Dies entspricht einem Anstieg von 4,3%. Die Exporte decken die Importe nur zu 57,8%.

Außenhandelsbilanz
Quelle Office des Changes – Außenhandelsbilanz 1. Halbjahr 2019

Weiterhin Anstieg bei den Importen

Die marokkanischen Importe stiegen im Zeitraum Januar-Juli 2019 um 3,7% von 280,7 Milliarden MAD im Vorjahr auf nun mehr als 291 Milliarden MAD. Das entspricht einem Anstieg von ca. 10,3 Milliarden MAD oder 967 Millionen Euro*. Beeinflusst ist der Anstieg der Importe im Wesentlichen durch den Erwerb von Investitionsgütern mit hoher Wertschöpfung, wie Flugzeuge, Nutzfahrzeuge und sonstige Maschinen. Das Importwachstum bei solchen Investitionsgütern, beträgt fast 9% und erreichte mehr als 75 Milliarden MAD bzw. 657,34 Millionen Euro*. Da sich der Anstieg bei den Importen von Investitionsgütern seit Jahren fortführt, kann von einem stetigen Trend gesprochen werden, der mit dem ebenfalls stetigen Wirtschaftswachstum korrespondiert, das durchschnittlich bei 3% liegt.

Paralleles Wachstum bei den Exporten

Auch die Exporte sind gestiegen. Der Wertzuwachs bleibt jedoch halb so hoch wie bei den Importen. Im Zeitraum Januar-Juli 2019 stiegen die Ausfuhren um 5,3 Milliarden MAD bzw. 457,7 Millionen Euro*. Ihnen gegenüber stehen die gestiegenen Importe, um ca. 10,3 Milliarden MAD. Damit vergrößert sich insgesamt die Außenhandelsbilanz Marokkos, auf nun mehr als 459 Milliarden MAD, aber auch das Außenhandelsdefizit, das nun bei mehr als 122 Milliarden MAD liegt.

Marokko exportiert mehr Produkte und Dienstleistungen im Luftfahrtsektor. Der Sektor verzeichnete ein Exportwachstum von 11,5% bzw. einen Anstieg von fast 1 Milliarde MAD im Berichtszeitraum 2019 und gegenüber dem Vorjahr. Auch der Dienstleistungssektor verzeichnete einen Überschuss von mehr als 5,3 Milliarden MAD, ein Plus von 12,5% gegenüber Januar-Juli 2018.

Rückgang bei den Transferzahlungen der MREs

Marokkos Importmöglichkeiten sind wesentlich von Transferzahlungen aus dem Ausland abhängig. Im Berichtszeitraum gingen die sehr wichtigen Transferzahlungen von im Ausland lebenden Marokkanerinnen und Marokkaner (MREs) zurück. Das Amt für Außenhandel und Devisenwirtschaft verzeichnete zuletzt „einen Rückgang, um 380 Millionen MAD bzw. 35,7 Millionen Euro* oder -1%. Sie erreichten bis Ende Juli 2019 etwas mehr als 37.4 Milliarden MAD gegenüber 37.8 Milliarden MAD im Vorjahreszeitraum“, so der Bericht weiter. Dazu ist zu beachten, dass in diesem Jahr der wichtigste islamische Feiertag (Opferfest) in die Hauptreisezeit gefallen ist. Viele MREs haben daher die Gelegenheit genutzt und haben die Festtage in Marokko verbracht und die damit verbundenen Ausgaben vor Ort getätigt, woraus sich der Rückgang bei den Überweisungen teilweise erklären könnte.

MRE
Quelle Office des Changes – Entwicklung Transferzahlungen MRE – Stand 1. HJ 2019

Rückgang bei den Direktinvestitionen

Die wirtschaftliche Entwicklung des Königreiches ist von ausländischen Direktinvestitionen abhängig. Daher versucht das Königreich sich als attraktiver Investitionsstandort zu präsentieren. Doch die Abschwächung der Konjunkturen in Europa sowie der Handelsstreit zwischen den USA und China wirken sich auch auf Marokko aus. Im dritten Jahr in Folge sanken die ausländischen Direktinvestitionen (DI). Die ausländischen Direktinvestitionen hatten ihren Höhepunkt 2017 und erreichten damals 21,7 Milliarden MAD, um dann 2018 auf 20,3 Milliarden MAD und nun im ersten Halbjahr 2019 und tendenziell auf rund 19,4 Milliarden MAD oder 1,8 Milliarden Euro zu sinken.

*Wechselkurs Stand 6. August 2019

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