Marokko – Außergewöhnlicher Ernteertrag bei Getreide 2017-2018

Mehr Ertrag bei geringerer Anbaufläche.

Getreide
Ernteergebnis bei Getreide

Landwirtschaftsministerium gibt Zahlen zur Getreideernte bekannt.

Rabat – Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums kann sich Marokko in dieser Erntesaison 2017-2018 über einen „außergewöhnlich“ guten Ernteertrag bei Getreide freuen. Aus Sicht des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft, unter der Führung von Minister Aziz Akhenouch, haben ausgiebige Niederschläge und ein günstiges Klima während des Großteiles der Pflanzung zu diesem Ernteergebnis beigetragen. Ebenso zeigen sich erste Erfolge des „Grünen Plans Marokko“.

Ertrag bei Getreide steigt um 7,3%

Das Landwirtschaftsministerium hat am vergangen Dienstag die aktuellen Ergebnisse veröffentlicht. Demnach hat Marokko in diesem Jahr ca. 103 Millionen Doppelzentnern (bzw. ca. 103 Mio. Qantar)* Getreide geerntet und damit die Ernte der vergangenen Saison um 7,3% übertroffen. Dabei wurden drei Hauptsorten angebaut. Bei Weichweizen wurden 49,1 Mio. Qantar, bei Hartweizen ca. 24,2 Mio. Qantar und bei Gerste 29,2 Mio. Qantar geerntet.

2017-2018
Quelle: Marokkanisches Ministerium für Fischerei und Landwirtschaft – Ernteergebnis bei Getreide Saison 2017-2018

Mehr Ertrag bei geringerer Anbaufläche.

Nach Ansicht des Ministeriums ist das Ernteergebnis umso erfreulicher, wenn man berücksichtigt, dass die Anbaufläche sich deutlich verringert hat. In der Saison 2016-2017 wurde Getreide auf einer Fläche von ca. 5,4 Mio. Hektar angebaut. In der Saison 2017-2018 war es nur möglich Getreide auf einer Fläche von 4,5 Mio. Hektar anzubauen. Der Verlust von ca. 17% der Anbaufläche ist „auf die geringen Niederschläge in der Herbstsaison zurückzuführen“, heißt es weiter. Tatsächlich konnten viele Bauern erst ab Ende Oktober bzw. Anfang November ihre Felder „bestellen“, weil zunächst die erhofften Niederschläge ausblieben. In einigen Regionen konnte daher überhaupt nichts gesät werden.

Regen- und schneereicher Winter 2017-2018

Die Herbst- und Wintersaison 2017-2018 war zu Beginn durch Trockenheit und dann ausgiebigen Regen sowie heftige Schneefälle geprägt. Im gesamten Maghreb kam es zu ungewöhnlichen Ereignissen. Erstmalig seit Jahrzehnten lag Schnee in der Wüste. Zahlreiche Dörfer im Hohen Atlas waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten und musste durch Hubschrauber versorgt werden. Auf diese Klimabedingungen und auf die Umstrukturierungen in der Landwirtschaft, im Rahmen des sog. „Grünen Plans Marokko“, führt das Ministerium das „außergewöhnliche“ Ergebnis zurück. In der Erklärung heißt es dazu: „Die außergewöhnliche Ernte ist auch auf den Verlauf der Jahreszeit sowie auf ausgezeichnete klimatische Bedingungen zurückzuführen, die sich durch Fülle, Regelmäßigkeit und gute Verteilung der Niederschläge sowie gemäßigte Temperaturen in den Regionen über Monate, insbesondere während der gesamten Pflanzsaison, auszeichneten“. Die Saison 2017-2018 verzeichnete eine kumulierte Niederschlagsmenge von 402,3 mm pro m2, verglichen mit 362,6 mm pro m2 während einer durchschnittlichen Saison.

Schneechaos
Schnee in Marokko selbst in der Wüste – Ouarzazate

Landwirtschaft ist der Primärsektor

Marokko arbeitet daran in seiner wirtschaftlichen Entwicklung weniger abhängig von der Landwirtschaft zu sein. Vor dem Hintergrund der Landflucht und den sich abzeichnenden Klimaveränderungen, will Marokko durch den Ausbau des Tourismus, der Industrie und des Dienstleistungssektors weitere tragende Säulen der Volkswirtschaft aufbauen. Die Landwirtschaft ist aber weiterhin mit Abstand der Primärsektor der marokkanischen Volkswirtschaft. Mit dem Ernteergebnis steht und fällt die Wachstumsrate Marokkos. Der Agrarsektor ist auch der größte Arbeitgeber im Land. Die Prognose der „Hohen Kommission für Planung HCP“ ging von einem eher unterdurchschnittlichen Erntejahr aus, was zu einer Wachstumsprognose für das BIP 2018 von 2,9% führte. Diese wird nun, sofern keine negativen externen Effekte eintreten, übertroffen werden.

Prognosen
Prognosen zum Wirtschaftswachstum in Marokko für 2018

Die HCP sieht in der Abhängigkeit Marokkos von der durch den Klimawandel bedrohten Landwirtschaft eine Gefahr für die Entwicklung des Königreiches.

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*Erläuterung Qantar

*Der Kantar oder Qantar war und ist ein Gewichtsmaß im Mittelmeerraum. Der Begriff stammt aus dem Arabischen. Das Handelsgewicht Qantar war unterschiedlich groß, je nach Region. So hatte es in Italien, den Balkanstaaten und in der Türkei etwa 100 kg (Doppelzentner). Quelle Wikipedia

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