Marokko – Bau einer Akku-Fabrik „Gigafactory“ für E-Fahrzeuge angestrebt.

Industrieminister sieht Wachstum im Automobilsektor, insbesondere bei Elektrofahrzeugen.

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PSA
Quelle MAP - PSA baut Kleinwagen in Kenitra. König Mohammed VI. betrachtet Peugeot 208

Industrieminister bestätigt am Rande des US-Africa Wirtschaftsgipfel in Marrakech Verhandlungen mit Herstellern über den Bau einer „Gigafactory“.

Marrakech – Nach dem sich Marokko vor den Toren Europas als profitabler Standort für die Herstellung von PKW etabliert hat und auch erste Flugzeughersteller Komponenten in dem nordafrikanischen Königreich produzieren und vormontieren lassen, will man in Rabat wohl nun den nächsten Schritt gehen und sich der Elektromobilität widmen.

Marokko verhandelt offensichtlich mit Automobilherstellern oder Herstellern von Hochvolt – Batterien für Elektrofahrzeuge, über den Bau einer sog. „Gigafactory“, wie Industrieminister Ryad Mezzour der Nachrichtenagentur Reuters, am Rande des US-Africa Summit, der derzeit in Marrakech stattfindet, bestätigte.

Marokko hofft auf Unterzeichnung einer Vereinbarung noch in diesem Jahr.

Am Donnerstag, den 21. Juli 2022, sagte Industrieminister Ryad Mezzour in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass Marokko die Errichtung einer Fabrik für Batterien für Elektrofahrzeuge plane, um diese in seinen bestehenden Automobilsektor und seine Kobaltproduktion zu integrieren. „Wir hoffen, noch vor Ende dieses Jahres eine Vereinbarung für die Fabrik zu unterzeichnen“, sagte der Minister.

Die geplante Fabrik für Elektroauto-Batterien werde „einen enormen Impuls für den lokalen Automobilsektor bewirken“ und von der Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien und Rohstoffen wie Kobalt und Phosphaten im Land profitieren, erklärte er.

Industrieminister sieht Wachstum im Automobilsektor, insbesondere bei Elektrofahrzeugen.

Die Nachfrage nach solchen Fahrzeugakkus, die meist im Wagenboden verbaut werden, wächst sowohl außerhalb als auch innerhalb Marokkos, wo der französische Hersteller Citroen plant, seine Produktionskapazität innerhalb von zwei Jahren auf 50.000 Elektroautos im Kleinwagensegment zu verdoppeln, so Minister Mezzour gegenüber Reuters weiter.

In Norden Marokkos befinden sich Produktionsstätten von Renault (Tanger) und Stellantis (Kenitra) mit einer Gesamtproduktionskapazität von derzeit 700.000 Fahrzeugen pro Jahr. „Wir streben in den nächsten drei bis vier Jahren 1 Million Fahrzeuge an“, sagte er weiter.

Die Exporte von etwa 250 marokkanischen und in Marokko tätigen ausländischen Unternehmen im Automobilsektor waren in den letzten sieben Jahren die wichtigsten ausfuhren des Landes und haben die Phosphatexporte inzwischen deutlich überflügelt.

Die Fahrzeuge Dacia Sandero und der Peugeot 208, die zu den meistverkauften PKWs in Europa gehören, werden beide in Marokko hergestellt, betonte der Minister. Dabei wird in Marokko nicht mehr nur montiert. Der Anteil der im Land selbst hergestellten und montierten Komponenten liegen bei 65% und sollen in den kommenden Jahren 80% erreichen.

Dacia
Dacia Duster

Keine Angaben zum Partner und zur Investitionssumme.

Weitere Einzelheiten wollte der marokkanische Minister nicht nennen. Ob die Tatsache, dass die Ankündigung am Rande des US-Africa Summit gemacht wurde, darauf schließen lässt, dass ein US-Amerikanischer Herstelle die „Gigafactory“ in Marokko errichten wird, ist unsicher. Tatsächlich hat der Automobilhersteller FORD erst vor kurzem angekündigt, zahlreiche Elektrofahrzeuge in den kommenden Jahren auf den Markt zu bringen. Der deutsche Hersteller BMW hat bereits einen Vertrag mit dem marokkanischen Bergbauunternehmen Managem Group über die Lieferung von Kobalt für die Batterieherstellung. Auch ist unklar, ob ein weitere Automobilhersteller in Marokko eine Produktionsstätte errichten wird. Das Königreich wäre am deutschen Hersteller Volkswagen sehr interessiert, da die Fahrzeuge im Land sehr beliebt sind. Für VW könnte Marokko ebenfalls sehr interessant sein, da man den bisherigen Standort in Algerien nicht mehr langfristig betreiben möchte.

Gleich wer der Partner wird, durch den Aufbau einer solchen Fabrik wird das nordafrikanische Königreich zum Standort- und Produktionswettbewerber für China und Indien.

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