Marokko – Bis 2026 stärkste Volkswirtschaft im Maghreb.

Investitionen in Infrastruktur und politische Stabilität fördern Wachstum.

2450
Handelsbilanz
Weltweiter Handel

Laut IWF wird Marokko den Nachbarn Algerien überholen.

Washington – Der internationale Währungsfonds IWF hat seine aktuelle Prognose zum Wachstum der weltweiten Volkswirtschaften (Bruttoinlandsprodukt BIP) für den Zeitraum 2021 – 2026 veröffentlicht. Das BIP der 10 reichsten afrikanischen Länder wird bis zum Jahr 2026 ca. 2.877 Mrd. US-Dollar erreichen. Im vergangen Corona-Jahr 2020 lag das BIP bei 1.739 Mrd. US-Dollar. Dies wäre bis zum Jahr 2026 und zum Vergleichsjahr 2020 ein Anstieg von ca. 65,44%.

Nigeria, das bevölkerungsreichste Land mit großen Erdöl- und Erdgasvorkommen, ist die führende Wirtschaftsmacht Afrikas und wird seine Spitzenposition als reichstes Land des Kontinents, gemessen am BIP, beibehalten. Sein BIP wird sich in den nächsten sechs Jahren verdoppeln. Nach der Prognose des IWF wird das Bruttoinlandsprodukt von 429 Mrd. US-Dollar im Jahr 2020 auf 964 Mrd. US-Dollar im Jahr 2026 steigen. In dieser Top 10 der afrikanischen Wirtschaftsmächte liegt Ägypten auf Platz 2, gefolgt von Südafrika, Algerien, Marokko, Kenia, Äthiopien und der Elfenbeinküste. Ghana und Tansania schließen das TOP 10 Ranking ab.

Marokko auf stetigem Wachstumspfad seiner Volkswirtschaft.

Trotz der hohen Schäden für die marokkanische Volkswirtschaft durch die Coronavirus – Pandemie im Jahr 2020, den Kosten für die nationale Impfkampagne und der steigenden Staatsverschuldung sieht der IWF das nordafrikanische Königreich wirtschaftlich auf einem guten Weg. Der aktuelle Prognosebericht, „World Economic Outlook“, des IWF geht davon aus, dass Marokko bis zum Jahr 2026 nicht nur ein deutliches Wachstum seines Bruttoinlandsprodukts erleben wird, sondern auch, dass das Land zur stärksten Volkswirtschaft des Maghreb wird. Eine Position die das an Erdgas und Rohöl reiche Nachbarland Algerien noch innehat.

Nach den IWF-Projektionen würde das marokkanische BIP im Jahr 2021 noch ca. 124 Mrd. US-Dollar betragen, im Jahr 2022 bereits auf 131 Mrd. US-Dollar steigen, im Jahr 2023 138 Mrd. US-Dollar erreichen und im Jahr 2024 auf ca. 146 Mrd. US-Dollar anwachsen. Algeriens BIP würde sich 2021 auf 151 Mrd. US-Dollar belaufen und in den Jahren 2022, 2023 und 2024 stagnieren (ca. 150 Mrd. US-Dollar pro Jahr). In den Jahren 2025 und 2026 würde das marokkanische BIP 154 bzw. 162 Milliarden Dollar erreichen und damit das von Algerien überholt haben.

Bruttoinlandsprodukt
Basis IFW Prognose stand April 2021 – Wirtschaftswachstum im Maghreb bis 2026

Von den Wachstumseffekten des Landes Nigeria bleibt man aus Sicht des IWF aber auch in Marokko noch ein ganzes Stück weg, trotz der engen Zusammenarbeit bei der Gaspipeline, die derzeit zwischen Nigeria und Marokko gebaut wird.

Investitionen in Infrastruktur und politische Stabilität fördern Wirtschaftswachstum.

Das nordafrikanische Königreich scheint einiges für die Zukunft richtig zu machen. Seit der Thronbesteigung von König Mohammed VI. wurden nicht nur Infrastrukturprojekte, die teils schon unter dem verstorbenen König Hassan II. eingeleitet wurden, umgesetzt, sondern zahlreiche neue aufgesetzt. Insbesondere in Häfen und Straßen wurde massiv investiert. Aktuell will man das Schienennetz modernisieren und dann erweitern. Zugleich wurden zahlreiche Freihandelsabkommen geschlossen, wenn nicht immer nur zum Vorteil Marokkos. Das nordafrikanische Land gilt international nicht unbedingt als Vorbild für Demokratie, Pressefreiheit oder Menschenrechte, ist aber im direkten Vergleich zu zahlreichen anderen afrikanischen Staaten ein Anker der Stabilität und hat daher den Status eines sicheren Zugangs zum afrikanischen Markt.

Tanger
Großhafen Tanger Med als Drehkreuz zwischen Afrika, Amerika und Europa.

Marokkos Regierung und Monarchie verfolgen einen Plan.

Die Rückkehr in die Afrikanische Union 2017 und die damit verbundene Rückbesinnung auf den afrikanischen Kontinent, der politische Rückhalt durch die USA und Frankreich, die gleichzeitige Annäherung zu China und die Entwicklung einer pragmatischen Zusammenarbeit mir Russland schwächen den Nachbarn Algerien und machen Marokko zu einem attraktiven Land für Auslandsinvestitionen. Neue wichtige Partnerschaften entwickelt sich, vor allem nach dem Brexit, zu Großbritannien und Irland. Hier arbeitet man an exklusiven Handelsrouten, an der EU vorbei, und an Energiekooperationen. Zukünftig will sich z.B. Großbritannien, von Marokko aus, mit großen Mengen an „grüner Energie“ beliefern lassen, sei es direkt mit Strom oder durch in Marokko produzierten Wasserstoff. Irland investiert seit einigen Jahren in den Finanzsektor und ist ein wichtiger Partner beim Aufbau des neuen Finanzzentrums Casablanca Finance City.

China und Marokko intensivieren Wirtschaftliche Beziehungen
König Mohammed VI. und Chinas Präsident Xi Jinping

Soziale unterschieden müssen ausgeglichen werden.

Marokkos aktueller Wohlstand ist bereits ungleich verteilt. Insgesamt ist das Land nicht mehr arm, aber auch nicht wohlhabend, es hat aber ein großes Wohlstandgefälle, insbesondre zwischen der Stadtbevölkerung und dem Land. Für die zukünftige Stabilität wird es daher wichtig sein, dass der Wohlstand bei allen ankommt. Dessen ist sich die Regierung und König Mohammed VI. offensichtlich bewusst. Spätestens nach den sozialen und wirtschaftlichen Erfahrungen während der Coronavirus Pandemie ist der Druck gewachsen, die bisher nahezu neoliberale Wirtschaftspolitik stückweit zurückzunehmen und den sozialen Ausgleich zu stärken. Daher weitet das Land die beitragsbasierende Kranken- und Sozialversicherung aus, stärkt die Arbeitslosenversicherung und setzt die Digitalisierung der Verwaltungsprozesse im Kampf gegen Steuerhinterziehung und Korruption zunehmend um.

Marokko – König initiiert Projekte zur Ausweitung der Sozialversicherungen.

Empfohlener Artikel