Marokko – Deutsch – marokkanische „grüne Wasserstoff“ – Kooperation gefährdet.

Marokko soll unter Druck gesetzt werden.

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Wasserstoff
Durch erneuerbare Energie produzierte Wasserstoff von großer Bedeutung für Industriestaaten

Im Zusammenhang mit der diplomatischen Krise mit Marokko stellt Deutschland die Kooperation zur Produktion von „grünem Wasserstoff“ in Frage.

Berlin – Deutschland hat seine Klimaschutzziele, insbesondere nach dem letzten einschlägigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu diesem Thema, nochmals verschärft und strebt noch vor 2045 eine klimaneutrale Volkswirtschaft an. Ein wesentlicher Baustein zur Zielerreichung ist die Reduzierung des Verbrauchs von fossilen Energieträgern durch den Einsatz von erneuerbaren Energieformen. Neben Wind- und Wasserkraft aus heimischer Produktion setzt vor allem die Industrie auf Wasserstoff.
Nach aktuellen Schätzungen kann Deutschland den Bedarf an Wasserstoff nicht durch heimische Produktion decken und baut daher Kooperationen auf. Aufgrund der politischen Stabilität schloss Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im Juni 2020 mit dem Königreich Marokko eine strategische Kooperationsvereinbarung. Bisher investierte man in eine Pilotanlage, einem Hybridkraftwerk, mit einem 100-Megawatt Elektrolyseur (Spalter von Wasser in Sauer- und Wasserstoff) sowie einer angeschlossen Meerwasserentsalzungsanlage.

Diplomatische Krise mit Marokko lässt Deutschland die Kooperation auf den Prüfstand stellen.

Die Bundesrepublik Deutschland plant Investitionen von ca. zwei Milliarden EURO in mehreren Ländern. Die erste Referenzanlage in Marokko soll ein Investitionsvolumen von über 300 Mio. Euro haben. Die FDP-Bundestagsfraktion richtet vor wenigen Wochen eine Anfrage an die Bundesregierung zum Stand der Kooperation und des Referenzprojektes. Der Maghreb-Post liegen die Anfrage und die Rückmeldung der Bundesregierung vor.

Vor dem Kontext der aktuellen diplomatischen Eiszeit zwischen Berlin und Rabat antwortete die Bundesregierung. „Die deutsch-marokkanische Wasserstoffallianz gründet auf einer langjährigen, erfolgreichen Entwicklungszusammenarbeit und der deutsch-marokkanischen Energiepartnerschaft. Diese Kooperation bleibt aus Sicht der Bundesregierung in beiderseitigem Interesse, steht aber aufgrund der aktuellen Entwicklung auf dem Prüfstand.“ (…) „Sollte sich die derzeitige Situation verstetigen, können nach Einschätzung der Bundesregierung negative Folgen für die Geschäftsanbahnung und die Attraktivität des Marktes nicht ausgeschlossen werden.“ (…) „Mittel werden nur ausgezahlt, wenn der Partner seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommt“, macht die Bundesregierung deutlich.

Deutschland sucht nach alternativen Partnern.

Aus den anhaltenden diplomatischen Spannungen zieht Deutschland den Schluss, dass man sich auf Marokko als Lieferanten von Energieträgern nicht mehr verlassen möchte. Folglich sucht man nach alternativen Partnern. Trotz der innenpolitischen Unsicherheiten scheint man sich Algerien wieder näher anzusehen. Ende März verkündete der algerische Energieminister die Kooperation mit Deutschland, zur Produktion von „grünem Wasserstoff“. Auch in weiteren afrikanischen Ländern investieren deutsche Unternehmen in alternative Energieformen.

Algerien – Kooperation bei Wasserstoff mit Deutschland

Marokko soll unter Druck gesetzt werden.

Der Versuch der deutschen Regierung, über die in Fragestellung von gemeinsamen strategischen Projekten, Druck auf das nordafrikanische Land auszuüben, könnte nur geringe Erfolgschancen haben. Im Kern der diplomatischen Krise steht, aus Sicht Marokkos, die territoriale Integrität und damit die Kontrolle über ein rohstoffreiches Gebiet, die sog. Westsahara, wo es neben politischen Fragestellungen um Werte von mehreren hundert Milliarden US-Dollar geht. Da fällt der Verlust von mehreren hundert Millionen oder gar zwei Milliarden EURO aus Deutschland nicht ins Gewicht. Darüber hinaus könnte der Rückzug Deutschlands aus der Wasserstoffkooperation die Tür für andere Partner offenen, bei denen sich Deutschland überlegen sollte, ob dies so gewollt ist. An erster Stelle könnte Großbritannien die Lücke füllen wollen. Aber auch Frankreich, Italien, Japan, Österreich und die Schweiz könnten, aufgrund ihrer Industrie, Interesse an in Marokko produzierten „grünen Wasserstoff“ haben und sich eventuell für den eigenen oder europäischen Markt exklusive Mengen oder Rechte sichern. Marokko setzt derzeit einen Investitionsfonds von 120 Mrd. marokkanischen Dirham MAD bzw. etwas mehr als 11 Mrd. Euro auf, um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie auszugleichen. Zahlreiche US-Investitionen sind ebenfalls angekündigt. Da sind die 300 Mio. Euro an Krediten aus Deutschland bzw. von der KfW keine echte Drohkulisse.

Gemeinsame Projekte können eine Brücke zur Annäherung sein.

Bei allen Differenzen auf politischem Parkett ist es vielleicht sinnvoll zu prüfen, ob solche zukunftsorientierten Projekte eine Brücke für eine Annäherung sein können, insbesondere wenn die EU und Deutschland nicht weiter an Bedeutung in Nordafrika verlieren wollen. Dort tritt man inzwischen immer Stärker gegen Russland, USA und sogar Japan an. Die Position und Bedeutung Chinas auf dem gesamten afrikanischen Kontinent, wird Europa ohnehin nicht mehr relativieren können. Da wäre es ein Rückschlag, wenn man das eigentlich europafreundliche Land Marokko jetzt auch noch verliert.

Marokko – 1,4 Mrd. Euro Finanzhilfe aus Deutschland.

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