Marokko – Deutschland und Marokko unterzeichnen „Reformpartnerschaft“.

Marokko als Energieexporteur der Zukunft.

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Finanz- und Wirtschaftsminister
Mohamed Benchaâboun Finanz- und Wirtschaftsminister Marokko 2019

Nordafrikanisches Königreich soll saubere Energie liefern.

Berlin – Die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Marokko entwickeln sich langsam aber stetig. Deutschland hat Marokko vor allem als Produktionsstätte für saubere Energie entdeckt und engagiert sich seit einigen Jahren in dem nordafrikanischen Land. So finanziert man beispielsweise über die Deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) den Bau von Solarkraftwerken. Marokko baut schrittweise ein Netzwerk von Solarkomplexen, unter der Bezeichnung „Noor“ (Licht), auf. Im Jahr 2017 eröffnete das damals weltweit größte Solarkraftwerk „Noor Ouarzazate I – IV“. Die KfW stellte ein Darlehn von 1,3 Mrd. € für die Gesamtkosten von 3,5 Mrd. € bereit. Derzeit unterstützt man von deutscher Seite den weltweit ersten „Hybriden Solarkomplex – Noor Midelt I“. Das Königreich ist damit ein Vorreiter für umweltfreundlicher Energie geworden, auch dank deutscher Unterstützung. Nun will Deutschland die Kapazitäten mittelfristig für sich nutzen und hofft auf die Belieferung mit Wasserstoff aus marokkanischer Produktion.

Bundesregierung geht „Reformpartnerschaft“ mit Marokko ein.

Wie das Bundesentwicklungsministerium bekannt gab, habe man am vergangenen Freitag, 29. November 2019, ein sog. „Reformabkommen“ mit Marokko unterzeichnet. Zuvor hatte man solche Abkommen bereits mit Äthiopien und dem Senegal geschlossen. Zur Unterzeichnung kam eigens der marokkanische Wirtschafts- und Finanzminister Mohamed Benchaâboun nach Berlin. „Mit der heute vereinbarten „Reformpartnerschaft“ bauen wir die Energie-Zusammenarbeit aus und planen eine Forschungsplattform für die Produktion klimaneutraler Kraftstoffe wie Wasserstoff und Methanol“, sagte der Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) gegenüber der Funke-Mediengruppe. Mittelfristig erhofft man sich, durch die Zusammenarbeit mit dem Königreich, einen Produktionsstandort für klimaneutral hergestellte Energieträger, die man in der Industrie einsetzen will.

Marokko als Energieexporteur der Zukunft.

Diese Kooperation passt in die langfristige Strategie des Königreiches, das vor den Grenzen Europas liegt und sich als Tor zu Afrika positioniert. Marokko selbst verfügt über keine nennenswerten und exportfähigen fossilen Energieträger wie Öl und Gas, sondern ist auf teure Importe angewiesen, um den eigenen Bedarf zu decken. Ziel ist es daher, die eigenen Bedürfnisse durch regenerative Energiequellen, wie Wasser- und Windkraft sowie vor allem Solarenergie zu decken.

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Wo immer möglich möchte man durch Exporte auch Einkünfte erzielen. Direkte Stromexporte bedürfen Investitionen in Leitungsinfrastruktur. Die Umwandlung von Solarenergie in durch Tankschiffe transportierbaren Wasserstoffe könnte daher zu einem Exporterfolg für Marokko werden. Das hat man in dem Land und auch in Deutschland erkannt. Deutschland ist ein willkommener Partner, der neben Wissen auch Geld mitbringt und zugleich ein wichtiger Kunde der Zukunft sein könnte. Nun müsste nur noch die deutsche Wirtschaft den Standort für sich entdecken.

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