Marokko – Drohender Pilotenstreik bei RAM

Eingeschränkte Einreisekapazitäten bedrohen mögliche Lockerungen im Reiseverkehr.

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Royal Air Maroc
Royal Air Maroc Dreamliner Boeing 787-8

Urabstimmung ergibt 80% Zustimmung für Streik.

Casablanca – Die marokkanische nationale Fluggesellschaft Royal Air Maroc (RAM) steht vor einem Pilotenstreik. Als Folge der Coronavirus – Pandemie und den mehrmonatigen Grenzschließungen durch die marokkanische Regierung ist die staatliche Fluggesellschaft in wirtschaftlich schwere Turbolenzen geraten. Man sah sich in der Unternehmenszentrale gezwungen, Flugzeuge stillzulegen und gar zu verkaufen und auch Teile der Belegschaft zu entlassen. Nach Verhandlungen mit den Sozialpartnern und nach entsprechender Abstimmung mit der Regierung in Rabat sollen in einem ersten Schritt ca. 140 Mitarbeiter, überwiegen Piloten und anderes Flugpersonal, ihren Arbeitsplatz verlieren.

Piloten kämpfen um ihre Arbeitsplätze.

Nach einer Urabstimmung, die zwischen dem 31. August und dem 2. September 2020 von der marokkanischen Fluglinienpilotenvereinigung AMPL durchgeführt wurde, stimmten 308 Mitglieder den vier zur Abstimmung stehenden Punkten zu, während 79 sie ablehnten. Neben der mehrheitlichen Zustimmung zu den drei Fragestellungen „Tragen einer Trauerarmbinde während der Gesundheitskrise, kollektive Maßnahmen gegenüber den Medien und schriftliche Anprangerung des Rückgangs der Flugsicherheitsniveaus“ bestätigten die Mitglieder auch die Möglichkeit eines Streiks der Flugbesatzungen, falls die Unternehmensleitung nicht von ihrem Entlassungsplan, insbesondere der Freisetzung der 65 Kapitäne und Piloten der Fluggesellschaft, abweicht.

Mit anderen Worten, 80% der Stimmabgaben untermauern die Bereitschaft, innerhalb einer von der AMPL festgelegten Frist, einen Streik auszurufen.

Eingeschränkte Einreisekapazitäten bedrohen mögliche Lockerungen im Reiseverkehr.

Derzeit gilt in Marokko eine sog. partielle Grenzöffnung als „Ausnahmeregelung“ innerhalb des weiterhin geltenden Gesundheitsnotstands. D.h., wer nach Marokko einreisen möchte, kann dies nur tun, wenn er bestimmte Kriterien erfüllt (mehr dazu hier). Darüber hinaus kann man mehrheitlich nur mit den beiden in Marokko ansässigen Fluggesellschaften einreisen, Royal Air Maroc und Air Arabia. Die Planungsunsicherheiten sind groß, weil die Regierung als Reaktion auf den Pandemieverlauf die Regeln jederzeit ändern könnte und die Kapazitäten sind begrenzt, weil mit wenigen Ausnahmen nur diese beiden Fluggesellschaften die Ausnahmegenehmigungen haben.

Möglicher Streik könnte zur Unzeit kommen.

In diesen Tagen wird sich Marokko erneut entscheiden müssen, ob der Gesundheitsnotstand weiter verlängert wird und welche Einschränkungen bestehen bleiben. Die RAM hat in einer kurzen Meldung mitgeteilt, dass die Ausnahmeregelungen für die Einreise in das nordafrikanische Königreich gelockert werden könnten. So sollen zukünftige (nach dem 10. September 2020, dem erwartetet Ende des Gesundheitsnotstands) auch Personen einreisen dürfen, die nur eine feste Hotelreservierung vorweisen können (Regelungen zur PCR-Test sind nicht tangiert). Damit würde sich der Personenkreis erweitern. Niemand weiß, ob dies tatsächlich umgesetzt werden kann, falls der Gesundheitsnotstand erneut verlängert wird, was bei den aktuellen Infektionszahlen nicht überraschend wäre. Falls doch mehr einreisen können, dann würde man die Kapazitäten benötigen oder den Markt für Flüge andere Gesellschaften öffnen müssen. Der Vorsitzende des Unternehmerverbandes kündigte ebenfalls an, dass bald auch „ausländische“ Geschäftsreisende einreisen können. Auch das hängt dann von den Voraussetzungen und vorhandenen Kapazitäten ab.

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