Marokko – Erstes LNG kommt aus den USA und ist ein Testfall

Die ONEE schweigt weiter über die Rahmenbedingungen und Konditionen.

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Algerisches Gas wird im ersten Schritt durch LNG aus den USA ersetzt.

Rabat – Mit einer knappen Pressemitteilung gaben das Office national des hydrocarbures et des mines (ONHYM) und das Office national de l’électricité et de l’eau potable (ONEE) am 5. Juli 2022 bekannt, dass die beiden Kombikraftwerke Tahaddart und Aïn Béni Mathar dank des über die Maghreb-Europa-Pipeline (GME) importierten verflüssigten Erdgases (LNG) wieder in Betrieb genommen wurden. Politische Beobachter bewerten die kurze Mitteilung dem Anlass als nicht angemessen. Diese wenige Zeilen umfassende Erklärung stellt offiziell das Ende der Abhängigkeit Marokkos von algerischem Gas dar. Dies geschieht, nachdem Algerien im Oktober 2021 beschlossen hat, Marokko nicht mehr mit Erdgas zu beliefern. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Telquel konnte Marokko LNG – US-Schiefergas auf dem europäischen Markt erwerben und damit erstmals erfolgreich auf dem LNG-Markt agieren.

Marokko habe über einen in Deutschland ansässigen Händler eine feste Option auf 683 GWh LNG (entspricht 70 Millionen m3 Gas) made in USA mit einem Lieferzeitraum vom 28. Juni bis zum 31. Dezember abgeschlossen. Der geschätzte Wert des Geschäfts soll zwischen 70 und 90 Millionen Euro liegen.

Die ONEE schweigt weiter über die Rahmenbedingungen und Konditionen.

Obwohl es unumstritten ist, dass Marokko erfolgreich LNG einkaufen konnte und selbst kein LNG-Terminal besitzt, gibt es offiziell keine Bestätigung der ONEE, weder sind die Konditionen bestätigt worden noch konnte nachgewiesen werden, dass der spanische LNG-Terminal in Bilbao genutzt wurde, wie spanische Medien in diesem Monat berichteten.

Auf Nachfrage des Nachrichtenmagazins bei der ONEE wollte die Behörde keine Angaben machen und verwies auf das am 5. Juli 2022 zusammen mit ONHYM veröffentlichte Kommuniqué: „Wir haben jedes einzelne Wort (des Textes) sehr sorgfältig gewählt. Wir ziehen es vor, zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter zu kommunizieren“, zitiert Telquel die ONEE.

Marokko – Erste Gaslieferungen über Spanien – RWE soll LNG-Lieferungen an Marokko vorbereiten.

Was den Preis betrifft, so blieb die Quelle ebenso vage. „Wir haben ein sehr leistungsfähiges Beschaffungsoptimierungssystem und eine flexible Produktions- und Reservekapazität, die bereits vor fünf Jahren eingeführt wurde. So können wir beispielsweise beschließen, lokal erzeugte Energie unabhängig von ihrer Herkunft (Heizöl, Kohle, Gas, erneuerbare Energieträger) zu nutzen oder Strom nach internationalen Preisen direkt zu importieren, mit dem Ziel, die Versorgungssicherheit zu den besten Kosten für ONEE zu gewährleisten“. Auch die spanische Seite zeigt sich verschlossen oder über die Hintergründe der Beschaffung unwissend. „Wir haben bislang keine Informationen über die Herkunft des Gases, seine Kosten oder den Hafen, in dem es angelandet wurde. Das marokkanische Ministerium [für den Energiewandel] hat verhandelt, und wir haben noch keine Details zu berichten, außer dass das Gas nicht aus Algerien kommt“, habe eine spanische Quelle, die nicht genannt werden wollte, mitgeteilt.

„Wir haben keinen Handelsvertrag mit Marokko. Wir stellen Marokko unsere Infrastruktur für Wiederverdampfung, Lagerung und Transport sowie unser Know-how zur Verfügung, um das LNG, das es auf dem internationalen Markt kauft, zu transportieren. Wir sind nicht an dem zwischen der marokkanischen Regierung und ihren Lieferanten geschlossenen Vertrag beteiligt. Das gekaufte Gas wird zu den in der Europäischen Union geltenden Tarifen transportiert und vom Lieferanten direkt an das spanische Gassystem bezahlt“.

Weiterhin keine Bestätigung zum Geschäftsabschluss mit RWE

Glaubt man den Ausführungen von spanischer Seite, dann kauft Marokko zu einem Pauschalpreis Gas am Weltmarkt ein und der LNG-Händler kümmert sich um die Einspeisung ins Gesamtnetz sowie für die Vergütung für den Transport.
Vor diesem Hintergrund muss Spanien nicht wissen, woher das Gas bzw. das Gas-Volumen stammt, außer das Spanien selbst kein algerisches Gas in direkter Linie an Marokko weitergeleitet hat, denn dieses Gas erreicht Spanien über eine Pipeline, womit es die Kontrolle hat. Anfang Juli gab es Berichte, über einen Kauf Marokkos über den deutschen Versorger RWE. Das Essener Unternehmen hatte auf Nachfrage der Maghreb-Post erklärt, den mutmaßlichen Sachverhalt nicht kommentieren zu wollen, da man auch Vertraulichkeitsregeln mit Kunden vereinbart.

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Erster Kauf auch ein politisches Signal.

Diese erste Lieferung könnte auch nur ein erster Test aber auch ein politisches Signal sein in Richtung Weltmarkt und Algerien. Marokko agiert erstmalig auf dem internationalen LNG-Markt und hat daher noch keinen eigenen Ruf als Kunden. Zugleich signalisiert man in Richtung Algier, dass es dem Nachbarland nicht gelungen ist, anders als angekündigt, die Lichter im nordafrikanischen Königreich ausgehen zu lassen.
Dafür spricht die eigentlich geringe Menge an Flüssiggas, die Marokko erworben hat. Das Nachrichtenmagazin Telquel berichtet unter Berufung auf spanische Quellen, dass die „Mengen, die heute durchgeschleust werden, recht bescheiden“ sind. Am ersten Tag der Operation, dem 28. Juni, wurden nur 1,1 Millionen m3 durch die Pipeline geleitet. Am 30. Juni stieg der Durchfluss auf fast 2,7 Millionen m3 an, bevor er am Mittag des 7. Juli auf weniger als 400.000 m3 fiel. Diese Mengen entsprechen nicht einmal 5% der Kapazität der GME. Dafür spricht auch der Anteil am Gesamtbedarf, den die gerade gelieferte Menge darstellt. So soll diese lediglich 10% des Jahresbedarfs decken.

Eine Position, die nach Angaben von telquel von Seiten der ONEE geteilt wird: „Unser Ziel ist es vor allem, die Versorgungssicherheit Marokkos in jeder Situation zu gewährleisten und zu zeigen, dass wir alle notwendigen Ressourcen haben, um dies zu tun.“

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