Marokko – Finanzspritze für Royal Air Maroc von 6 Mrd. MAD

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Royal Air Maroc
Quelle RAM: Royal Air Maroc Dreamliner

Staat kompensiert Teile der Verluste in Folge der COVID-19 Pandemie.

Rabat – Nach der teilweise erfolgten Verabschiedung des Nachtragshaushalts, bereitet das marokkanische Finanz- und Wirtschaftsministerium nun die Beihilfen für Unternehmen vor. Private wie auch öffentlich-rechtliche Unternehmen sollen Unterstützung erhalten. Dazu sollen Finanzmittel in Milliardenhöhe bereitgestellt werden. Eines der am stärksten von den Eindämmungsmaßnahmen im Kampf gegen die COVID-19 Pandemie betroffenen Unternehmen ist die nationale Fluggesellschaft Royal Air Maroc (RAM), die sich im Besitz der öffentlichen Hand befindet.

Regierung bewilligt 6 Milliarden MAD für Royal Air Maroc.

Die marokkanische Regierung hat eine außerordentliche Bereitstellung von Beihilfen und Finanzmitteln in Höhe von 6 Milliarden marokkanische Dirham MAD (550,8 Millionen EURO*) zur Unterstützung der nationalen marokkanischen Fluggesellschaft Royal Air Maroc (RAM) bewilligt, kündigte Finanz- und Wirtschaftsminister Mohamed Benchaaboun an.

Minister Benchaaboun gab dies während einer Parlamentssitzung im Repräsentantenhaus am Montag, den 13. Juli 2020, bekannt. Die Fluggesellschaft gilt als das marokkanische Staatsunternehmen, das die höchsten finanziellen Verluste aufgrund der COVID-19 Pandemie und der damit verbundenen Krise in der internationalen Luftfahrt erlitten hat. Am 23. Juni gab die marokkanische Direktion für öffentliche Unternehmen und Privatisierung (DEPP) bekannt, dass RAM seit Beginn der Pandemie jeden Monat 1,05 Milliarden MAD (96,39 Millionen EURO*) verloren hat.

Mohamed Benchaaboun
Marokkanischer Minister für Finanzen und Wirtschaft – Mohamed Benchaaboun

Nachtragshaushalt sieht Beihilfen für Unternehmen in Milliardenhöhe vor.

Die Finanzhilfen sind Teil eines Etats, der speziell zur Unterstützung der marokkanischen öffentlichen Unternehmen bereitgestellt wird, die von der COVID-19-Krise am stärksten betroffen sind. Neben der Beihilfen für die RAM kündigte Minister Benchaaboun an, dass das Nationale Amt für Elektrizität und Trinkwasser (ONEE) von einem Nothilfepaket in Höhe von 1 Milliarde MAD (91,8 Millionen EURO) profitieren wird. Weitere Unternehmen sind im Gespräche, darunter auch die nationale Eisenbahngesellschaft ONCF. Sie erlitt Verluste durch die Einstellung des Inlandsreiseverkehrs. Zugleich verwaltet die ONCF große Teile des staatlichen Tourismusbereiches und ist von den Grenzschließungen betroffen.

Fluggesellschaft wird Schrumpfkur einleiten.

Um einen Teil ihrer Verluste abzumildern, verhandelt die Fluggesellschaft bereits über den Abbau von ca. 30% ihrer weltweiten Belegschaft und will einen Sozialplan für ihre über 57 Jahre alten Mitarbeiter einrichten. Im Gespräch ist auch der Verkauf von Flugzeugen. Darüber hinaus scheint die marokkanische Regierung der Fluggesellschaft Marktvorteile einräumen zu wollen. Ab morgen werden die marokkanischen Außengrenzen für eingeschränkte Personengruppen durchlässiger. Ein Großteil der Aus- und Einreisen sollen über den Luftweg abgewickelt werden. Als Fluggesellschaften sind derzeit nur die Royal Air Maroc und die marokkanische Tochtergesellschaft von Air Arabia zugelassen. Andere Fluggesellschaften, selbst aus der Oneworld Allianz, zu der die Royal Air Maroc seit April gehört, können Marokko nicht regulär anfliegen.

Marokko – Bisher bekannte Regeln für die Aus- oder Einreise ab 15. Juli 2020

Regierung rettet erneut Royal Air Maroc

Das ist nicht das erste Mal, dass der Staat der nationalen Fluggesellschaft rettend unter die Arme greifen muss. Bereits 2008 im Rahmen der weltweiten Finanzkrise, wurden Beihilfen nötig. Im Vergleich zu Billigairlines wie Ryanair oder easyjet kämpft die RAM mit im Vergleich höheren Kosten für Personal aber auch Flug- und Landerechten. So verbindet die Royal Air Maroc das Land und Teile Afrikas mit den großen Drehkreuzen der Welt. In Deutschland fliegt man vor allem Frankfurt am Main an, während der Billigkonkurrent Ryanair beispielsweise vom weit günstigeren Kleinflughafen Frankfurt Hahn (über 100 km von Frankfurt am Main entfernt) abfliegt und damit deutlich weniger Gebühren zahlen muss. Zudem hat man in Casablanca bei der RAM erkannt, dass man sich stärker auf den Geschäftskunden ausrichten muss, weil man den preissensiblen Kunden nur bedingt ein Angebot machen kann.

*Wechselkurs Stand 14. Juli 2020

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