Marokko – Größter Kunde für chinesischen Tee weltweit.

Das „Teeverhältnis“ zwischen China und Marokko nicht immer ungetrübt.

222
Tee
Marokkanischer Tee

Größtes Teeunternehmen in Afrika hat seinen Sitz in Marokko.

Casablanca – Wenn es um den bekannten chinesischen Tee geht, ist Marokko der wichtigste Handelspartner des sog. Reichs der Mitte. Im vergangenen Jahr hat alleine Marokko ca. 77.562 Tonnen Tee aus China importiert. Das macht alleine rund ein Viertel der gesamten Exportmenge Chinas aus. Damit ist das nordafrikanische Königreich, das für seinen überall gereichten und oft sehr süßen Minztee bekannt ist, der größte Kunde der chinesischen Exporteure. Das beliebte Getränk basiert vor allem auf dem „grünen Tee“ und wird in Marokko gerne auch als marokkanischer Whisky bezeichnet. Nun will China von Marokko aus, weitere Länder in Nord- und Westafrika beliefern. Marokko liegt beim Marktanteil noch deutlich vor den USA und Japan. Insgesamt exportiert China über 352.000 Tonnen Tee jedes Jahr.

Chinesisches Teeunternehmen baut Standort in Marokko aus.

Aufgrund der Bedeutung des marokkanischen Marktes, hat sich eines der größten chinesischen Handelsunternehmen für Tee, bereits vor einiger Zeit in Marokko niedergelassen und will nun seine Aktivitäten ausweiten. Dabei wird es von der chinesischen Regierung unterstützt und scheint in Marokko mit offenen Armen aufgenommen worden zu sein. Das chinesische Teeunternehmen Jinli betreibt eine Niederlassung in Mohammedia, eine Stadt zwischen Casablanca und Rabat. Es gehört zu den ersten chinesischen Unternehmen, die sich in Marokko niedergelassen haben. Jinli beschäftigte bisher 80 Mitarbeiter. Das soll sich deutlich ändern.

Tee in Marokko stammt zu 97% aus China.

Die chinesischen Teeimporte Marokkos sind seit 2001 stetig gestiegen und haben in den letzten Jahren noch schneller zugenommen. Tee ist ein wichtiges Exportgut für China, mit einem Wert von 1,79 Milliarden US – Dollar im Jahr 2018. Auf das Königreich entfallen dabei ca. 440 Millionen US – Dollar bzw. 4,2 Milliarden marokkanische Dirham.

Jinli betreibt nun fünf Abpacklinien mit einer Jahreskapazität von 3.000 Tonnen Tee in Marokko, nachdem das Unternehmen seit Ende 2015 und nach eigenen Angaben ca. 8,2 Millionen US – Dollar in den Standort investiert hat. Die marokkanische Niederlassung trug im vergangenen Jahr rund 60 Millionen Yuan (9 Millionen US – Dollar) zum Umsatz bei, sagte Jinlis Chief Executive Wang Qimao.

China
Chinesische Teeimporteure mit Niederlassung in Marokko

„Unsere Hauptprodukte sind immer noch für den Export bestimmt, also gingen wir nach Marokko und glauben, wir können den westafrikanischen Markt über das Land erschließen“, so Jinli-Chef Wang Qimao in der South China Morning Post Ende letzter Woche.

Chinesische Regierung an Jinli beteiligt.

Die chinesische Regierung engagiert sich auf dem gesamten afrikanischen Kontinent und will für sich neue Handelsrouten entwickeln. Dazu treibt China das Projekt „Neue Seidenstraße“ (Belt and Road ) mit enormen Finanzmitteln voran. Dabei spielen vor allem strategische Ziele eine Rolle und man finanziert auch Unternehmen bei ihren Vorhaben. An dem Teehändler Jilin ist der chinesische Staat sogar beteiligt. Laut Angaben von Jinli ist der „Private Equity Fund China-Africa Development (CAD Fund) bis zum vergangenen Jahr mit offiziell ca. 49% der Anteile an der marokkanischen Niederlassung beteiligt gewesen. Der Fonds ist der Investitionszweig der China Development Bank, einer chinesischen staatlichen Bank, die Chinas Entwicklungsprojekte innerhalb und außerhalb des Landes vorantreibt.

Das „Teeverhältnis“ zwischen China und Marokko nicht immer ungetrübt.

Obwohl sich die Beziehungen zwischen China und Marokko grundsätzlich positiv entwickeln, so gab es gerade bei Tee in den letzten beiden Jahren einige Missstimmung. Bei Laboruntersuchungen hat Marokko feststellen müssen, dass es in dem vertriebenen Tee teils hohe Pestizidrückstände gab. Daraufhin verpflichtete die marokkanische Lebensmittelkontrolle die chinesischen Importeure dazu, Maßnahmen zu ergreifen. Dabei nutzte das Königreich seine Stellung als größte Einzelkunde. Neben China könnte Marokko auch Tee aus Indien und Pakistan importieren. Im eigenen Land ist die Teeproduktion nicht möglich. Marokko fehlen dazu die klimatischen Voraussetzungen. Neben Tee konsumieren die Marokkanerinnen und Marokkaner gerne auch Kaffee, doch deutlich weniger als ihren geliebten Minztee.

Marokko – Erneut Pestizide im grünen Tee gefunden

Empfohlener Artikel