Marokko – Handelsbilanzdefizit steigt bis Ende Juni um über 48%

Gestiegene Preise für Energie, Vorprodukten für die Düngemittelindustrie, Weizen sowie wie Halbfabrikate belasten Handelsbilanz.

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Außenwirtschaft
Bericht zeigt Entwicklung des Außenhandels auf.

Die Importe übertreffen die Exporte um über 150 Mrd. marokkanischen Dirham MAD.

Rabat – Es sind aktuelle Zahlen zum Handelsbilanzdefizit, die bei marokkanischen Wirtschaftsexperten zunehmend für Sorgenfalten sorgen. Das Außenhandelsdefizit steigt weiter und hat Höhen erreicht, die man so seit 2018 nicht mehr gesehen hat.

Das Handelsbilanzdefizit Marokkos stieg bis Ende Juni 2022 im Vergleich zum selben Zeitraum 2021 um 48,7% auf 150,49 Mrd. MAD oder 14,27 Mrd. EURO*, wie das marokkanische Devisenamt mitteilte.

Die Importe beliefen sich in der ersten Hälfte des Jahres 2022 auf 365,56 Mrd. MAD oder ca. 34,66 Mrd. EURO* gegenüber 253,57 Mrd. MAD Ende Juni 2021, was einem Anstieg von 44,2% entspricht, während die Exporte um 41,2% auf 215,07 Mrd. MAD oder 20,39 Mrd. EURO* Ende Juni 2022 gegenüber 152,35 Mrd. MAD im Vorjahr stiegen, so das Amt, das seine monatlichen Indikatoren für den Außenhandel im Juni veröffentlichte.

Der Deckungsgrad sank um 1,3 Prozentpunkte (58,8% gegenüber 60,1%), so die Quelle weiter.

Handelsbilanz
Quelle marokkanisches Devisenamt – Handelsbilanz stand Juni 2022

Gestiegene Preise für Energie, Vorprodukten für die Düngemittelindustrie, Weizen sowie wie Halbfabrikate belasten Handelsbilanz.

Der wertmäßige Anstieg der Warenimporte betraf fast alle Produktgruppen, so das Amt. Die Importwerte von Halbfabrikaten stiegen um 55,2 %, was auf den starken Anstieg der Ammoniakeinkäufe zurückzuführen ist (10,47 Mrd. MAD bis Ende Juni 2022 gegenüber nur 2,85 Mrd. MAD bis Ende Juni 2021).

Die Energierechnung hat sich mehr als verdoppelt und belief sich Ende Juni 2022 auf 71,48 Mrd. MAD. Diese Entwicklung ist auf den Anstieg der Lieferungen der wichtigsten Energieprodukte, vor allem Gas- und Heizöl (+19,130 Mrd. MAD), zurückzuführen, der auf den Anstieg der Preise zurückzuführen ist, die sich mehr als verdoppelt haben (9.614 MAD/T gegenüber 4719 MAD/T). Gleichzeitig stiegen die importierten Mengen um 10,3 %.

Das Königreich Marokko kann seit November 2021 kein vergünstigtes Gas aus dem Nachbarland Algerien beziehen und muss sich dem straken Wettbewerbsdruck auf dem internationalen Energiemarkt stellen.

Die Nahrungsmittelimporte stiegen um 43,4%, was vor allem im Zusammenhang mit dem Anstieg der Weizeneinkäufe um 55,1% steht, da die Preise um 52,5% stiegen. Gleichzeitig stiegen die Importmengen leicht um 1,7 %.

Die Gerstenimporte stiegen ebenfalls deutlich um 2,829 Mrd. MAD (3,17 Mrd. MAD bis Ende Juni 2022 gegenüber 341 Mio. MAD im Vorjahr).

Die Importe von Rohstoffen stiegen um 82,7%, was hauptsächlich auf den Anstieg der Käufe von rohem und unraffiniertem Schwefel zurückzuführen ist, die sich mehr als verdoppelten (+6,9 Mrd. MAD).

Hohe Belastung für den Devisenbestand.

Ein so hohes Handelsbilanzdefizit stellt eine hohe Belastung für den Devisenbestand und letztendlich für die Stabilität der Währung und den Schuldenstand da. Das nordafrikanische Königreich Marokko muss seine Importe wertmäßig in EURO und vor allem US-Dollar begleichen. Dies gilt insbesondere für Energieträger wie Gas und Öl, die nahezu ausschließlich in US-Dollar gehandelt werden. Ein Handelsdefizit bedeutet daher einen netto Abfluss von Devisen, der durch die Exporte nicht ausreichend gedeckt wird. Entsprechend müssen Devisen über andere Quellen ins Land kommen. Vorranging bestehen diese Quellen aus den Tourismuseinnahmen, dem Export von Rohstoffen und vor allem aus den Rücküberweisungen bzw. Zuwendungen der im Ausland lebenden Marokkanerinnen und Marokkaner MRE. Wenn all dies nicht reicht, gibt es nur noch die Möglichkeit Schulden in Fremdwährung aufzunehmen. Idealerweise hat ein Land eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz oder einen Überschuss.

*Wechselkurs Stand 5. August 2022

Den ganzen Bericht finden Sie hier

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