Marokko – Handelsvolumen mit Israel rückläufig.

Offiziell keine Beziehungen zwischen Marokko und Israel

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Jerusalem
Al Quds - Felsendom in Jerusalem

Handelsvolumen zwischen Israel und Marokko sinkt auf 37 Mio. US-Dollar.

Tel Aviv – Ende Juni 2018 informierte das israelische Außenministerium über die Handelsbeziehungen Israels mit arabischen bzw. muslimischen Staaten. Dabei beruft sich das Außenministerium auf Angaben des israelischen Amts für Statistik. Unter den genannten Staaten befinden sich Aserbeidschan, Ägypten, Türkei, Usbekistan, Jordanien, Malaysia, und Marokko.

Handelsvolumen
Quelle Facebook israelisches Außenministerium: Handelsvolumen zwischen islamischen Ländern und Israel

Offiziell keine Beziehungen zwischen Marokko und Israel

Obwohl Rabat und Tel Aviv offiziell keine diplomatischen Beziehungen pflegen, zeigen die jüngsten Zahlen des israelischen Außenministeriums, dass es seit Jahren einen Handelsstrom zwischen den beiden Ländern gibt. Dieser ist allerdings rückläufig. So betrug das Handelsvolumen im Jahr 2016 noch 58 Mio. US-Dollar. Im letzten Jahr reduzierte sich das Handelsvolumen um 21 Mio. US-Dollar auf noch 37 Mio. US-Dollar. Dabei importiert Marokko Waren und Dienstleistungen im Wert von 22,2 Mio. US-Dollar und exportiert nach Israel Waren und Dienstleistungen im Wert von 15,4 Mio. US-Dollar. Es besteht daher ein Handelsdefizit zulasten Marokkos. Israel soll an Marokko hauptsächliche „nicht-organische“ Chemikalien wie verflüssigte Druckluft, Sauerstoffperoxid sowie Pestizide geliefert haben. Im Gegenzug lieferte Marokko hauptsächlich Kraftfahrzeuge und entsprechende Ersatzteile, Fischprodukte sowie Textilien.

Rückgang in geringeren Importen Marokkos begründet.

Das Handelsvolumen zwischen Israel und Marokko hat sich durch rückläufige Importe des Königreiches verringert, so das Nachrichtenmagazin telquel. Die nach Marokko importierten israelischen Waren und Dienstleistungen erreichten im Jahr 2016 ein Volumen von 41 Mio. US-Dollar. Damit haben sich die Importe binnen eines Jahres nahezu halbiert. Gleichzeitig blieben die marokkanischen Exporte nach Israel relativ stabil. Sie betrugen im Jahr 2016 ca. 17 Mio. US-Dollar. Das Volumen im Jahr 2016 entspricht nahezu dem Wert des Fischereiabkommens zwischen der EU und Marokko. Hinsichtlich des Handelsvolumens spielen die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Marokko und Israel keine wesentliche Rolle. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 importierte Marokko, nach Angaben der Weltbank, genauso viel aus Israel wie aus Estland. Marokkanische Exporte nach Israel erreichten den gleichen Wert wie die Exporte nach Äquatorialguinea. Dennoch liegt in der Wirtschaftstätigkeit eine gewisse innenpolitische Brisanz.

Weitere islamische Staaten betreiben Handel mit Israel

Marokko ist nicht das einzige Land der islamischen Welt, das mit Israel Handel betreibt. Nach Angaben des israelischen Statistikamts ist der wichtigster islamischer Handelspartner die Türkei, mit einem Handelsvolumen von ca. 4,3 Mrd. US-Dollar, gefolgt von Jordanien (279 Mio. US-Dollar und Ägypten 148 Mio. US-Dollar). Marokko belegt Platz vier. Wichtigste Handelspartner sind die Europäische Union und die USA.

Handelsvolumen
Quelle israelisches Amt für Statistik: Exportpartner nach Volumen
Handel
Quelle israelisches Amt für Statistik: Importpartner nach Volumen

Beziehungen zu Israel ein heikles Thema in Rabat.

Offiziell bestehen keine diplomatischen Beziehungen zwischen Marokko und Israel. Der marokkanische König Mohammed VI. ist Vorsitzende des Al Quods – Komitees, das sich für die Einsetzung Jerusalems als Hauptstadt Palästinas einsetzt. In dieser Funktion hatte sich König Mohammed VI. mit einer Protestnote an Tel Aviv und Washington gewandt, als man in Israel, und mit Unterstützung der USA, ganz Jerusalem zur alleinigen Hauptstadt des Staates Israels ausrief.

Jerusalem
König Mohammed VI. drückt seine Besorgnis gegenüber Donald Trump aus.

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Marokko ist offiziell an einer „Normalisierung“ von Beziehungen nicht interessiert und unterstützt die Palästinenser in ihren Bemühungen, um einen eigenen Staat. Letztes Jahr sagte König Mohammed VI. die Teilnahme an einem für Marokko wichtigen Treffen der ECOWAS ab, weil der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu kurzfristig als Gast eingeladen wurde.

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Wirtschaftliche Beziehungen sind nicht überraschend.

Dass es wirtschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Ländern gibt, wird von Seiten der Regierung in Rabat nicht kommentiert. Dass es sie gibt, sollte aber nicht überraschen. In Israel befindet sich die zweitgrößte Gruppe der im Ausland lebender Marokkaner (MREs). Die nach marokkanischen Angaben ca. 800.000 marokkanische Staatsangehörige sind größtenteils Marokkaner jüdischen Glaubens. Das Königreich hatte Anfang der 20. Jahrhunderts eine große jüdische Gemeinde und auch heute noch findet man jüdische Stadtteile in vielen Altstädten (Melah) des Landes. Viele wanderten nach der Gründung des Staates Israels aus, pflegen aber bis heute private wie wirtschaftliche Kontakte in ihr Geburtsland Marokko. Daraus ergeben sich immer wieder auch Handelsbeziehungen. Ein Verbot von Handelsbeziehungen zu Israel gibt es in Marokko nicht.

MREs
MREs vor allem in Europa und Israel.

Marokkanische Juden Teil des politischen und wirtschaftlichen Lebens in Marokko.

Marokkanische Juden spielen bis heute auch eine große Rolle in Politik und Wirtschaft des Königreichs. Einer der einflussreichsten königlichen Berater, zuerst unter König Hassan II. und nun auch unter König Mohammed VI., ist Andre Azoulay, der als kluger Organisator gilt und dem gute Beziehungen nach Washington, Paris und Berlin nachgesagt werden.

Andre Azoulay
Andre Azoulay königlicher Berater.

Menschen jüdischen Glaubens stehen traditionell unter dem Schutz des Königshauses, die den König uneingeschränkt auch als ihr Staatsoberhaupt verehren. Marokkanerinnen und Marokkaner respektieren den jüdischen Glauben, lehnen aber die Politik des israelischen Staates entschlossen ab. Insbesondere die Besetzung von Palästina, dem Westjordanland, den Golanhöhen und des Gazastreifens durch Israel sowie das Verhalten der aktuellen rechts-konservativen Regierung unter Premierminister Netanjahu lässt offizielle diplomatische Beziehungen, auf absehbare Zeit, unwahrscheinlich erscheinen. Das schließt inoffizielle Gesprächskanäle nicht aus.

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