Marokko – HCP prognostiziert 5,8% Rezession und 14,8% Arbeitslosenquote im Jahr 2020.

Ein Haushaltsdefizit von 7,4% und eine Schuldenquote der Staatskasse von 74,4%.

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Wirtschaftswachstum
Wirtschaftsentwicklung unter unsicheren politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Hohe Kommission erwartet die erste Rezession seit 20 Jahren im Königreich Marokko.

Rabat – Im Jahr 2021 wird eine Erholung der Wirtschaft um 4,4 % erwartet, so die vom Vertreter der Hohen Kommission für Planung (HCP) veröffentlichte Mitteilung über die Lage der Volkswirtschaft im Jahr 2020 und deren Aussichten für 2021.

Weltweite Rahmenbedingungen werden sich negativ entwickeln.

Dieser Einschätzung zufolge wird aufgrund der Covid-19 Pandemie erwartet, dass die weltweite Wirtschaft infolge der drastischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie im Jahr 2020 eine schwere Rezession von 4,9% verzeichnen wird. Für 2021 wird erwartet, dass sich das globale Wirtschaftswachstum um etwa 5,4% erholen wird, gestützt durch einen bedeutenden fiskalischen Impuls und eine fortgesetzte Lockerung der Geldpolitik.

Der Welthandel, der sich bereits 2019 abschwächte, dürfte seinerseits ebenfalls betroffen sein und um 11,9% schrumpfen, bevor er 2021 um 8% ansteigt, so die Einschätzung der HCP. Ebenso wird erwartet, dass der Ölpreis auf 36,18 USD/Barrel in diesem Jahr und 37,45 USD/Barrel im Jahr 2021 anstelle von 61,4 USD/Barrel im Jahr 2019 fallen wird.

Rohöl
Weltwirtschaft durch den Preis für Rohöl beeinflusst

Dieses ungünstige internationale Wirtschaftsumfeld dürfte sich negativ auf die nationale marokkanische Wirtschaft auswirken. Die Auswirkungen der Krise auf die wichtigsten europäischen Partner Marokkos dürften zu einem Rückgang der an das Königreich gerichteten Nachfrage führen, die voraussichtlich um 16,2% sinken wird, bevor sie sich 2021 um 12,2% erholt.

Die Binnennachfrage wird im Jahr 2020 voraussichtlich um 4% sinken.

Unter diesen Rahmenbedingungen wird erwartet, dass die nationale Volkswirtschaft im Jahr 2020 unter der gleichzeitigen Wirkung von Dürre und Coronavirus – Pandemie zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Rezession erleben wird. Es wird erwartet, dass der primäre Sektor (Landwirtschaft) im Jahr 2020 einen Rückgang der Wertschöpfung um 5,7% verzeichnen wird, nach einem Rückgang bereits verzeichneten Verlust um 4,6% im Jahr 2019.

Die nicht-landwirtschaftlichen Wirtschaftszweige ihrerseits werden im Jahr 2020 voraussichtlich einen starken Rückgang von 5,3% verzeichnen, nach einem Anstieg von 3,7% im Vorjahr. Was den Sekundärsektor betrifft, so dürfte dieser im Jahr 2020 einen Rückgang von fast 6,9% verzeichnen, nach einem Anstieg von 3,6% im Jahr 2019. Mit Ausnahme der Aktivitäten der chemischen und para-chemischen Industrie und des Bergbausektors dürften die anderen sekundären Wirtschaftszweige einen bemerkenswerten Rückgang ihrer Wertschöpfung verzeichnen. In ähnlicher Weise dürften die Aktivitäten im tertiären Sektor nach einem Anstieg von 3,8% im Jahr 2019 um 4,5% zurückgehen. Der Tourismus- und Verkehrssektor, die von der Schließung der Grenzen und den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie am stärksten betroffen sind, wären auch am stärksten von der Schrumpfung betroffen.

Bruttoinlandprodukt BIP soll um 5,8% sinken. Die Arbeitslosenquote steigt auf 14,8%

So dürfte das Bruttoinlandsprodukt, bei einem geschätzten Rückgang der Staatseinnahmen auf Produkte und ohne Subventionen von 9%, im Jahr 2020 einen Rückgang um 5,8% verzeichnen, statt des im Jahr 2019 verzeichneten Anstiegs um 2,5%. Was die Entwicklung der Inlandspreise anbelangt, so dürfte der Rückgang der Rohstoffpreise in Verbindung mit einem Nachfragerückgang zu einem Absinken des allgemeinen Preisniveaus führen, das bei etwa -0,4 % anstatt eines Anstiegs von 1,3 % im Vorjahr liegen dürfte.

Vor diesem Hintergrund eines sich verschlechternden Wirtschaftswachstums und unter der Annahme einer Fortsetzung des Abwärtstrends bei der nationalen Erwerbsquote dürfte die Arbeitslosenquote fast 14,8% erreichen, was einem Anstieg von 5,6 Punkten gegenüber dem 2019 verzeichneten Niveau entspricht.

Binnennachfrage sinkt um 4%.

Unter diesen Bedingungen dürfte die Binnennachfrage im Jahr 2020 einen Rückgang von 4% verzeichnen, ihr Wachstumsbeitrag wäre also um 4,4 Punkte negativ statt eines positiven Beitrags von 1,9 Punkten im Jahr 2019. Auch der Beitrag der Auslandsnachfrage zum Wachstum wäre mit 1,4 Punkten negativ, nachdem er im Vorjahr einen positiven Beitrag von 0,6 Punkten geleistet hatte.

Ein Haushaltsdefizit von 7,4% und eine Schuldenquote der Staatskasse von 74,4%.

Was die Finanzierung der Wirtschaft betrifft, so wird erwartet, dass die inländischen Ersparnisse, die 2019 rund 23,3% des BIP betrugen, bis 2020 auf 19,1% des BIP sinken werden. Gleichzeitig wird erwartet, dass das Reinvermögen aus dem Rest der Welt (Transferzahlungen und Investitionen) weiter zurückgehen wird, und zwar um 4,6% nach -1,5% im Jahr 2019 und -16,9% im Jahr 2018.

Diese Entwicklungen dürften zu einem Rückgang der nationalen Sparguthaben auf 23,7% des BIP statt 27,8% im Jahr 2019 führen. Angesichts eines für 2020 erwarteten Investitionsniveaus von etwa 30,6% des BIP gegenüber 32,2% im Jahr 2019 wäre der Finanzierungsbedarf der Volkswirtschaft auf 6,9% des BIP anstatt 4,4% ein Jahr zuvor gestiegen.

Weniger Staatseinnahmen durch Gesundheitsnotstand

Auf der Ebene der öffentlichen Finanzen dürften die Pandemie und das Einfrieren der nationalen Wirtschaftstätigkeit während der Eindämmungsphase negative Auswirkungen auf den Staatshaushalt in Form von sinkenden Steuereinnahmen haben. Es wird erwartet, dass die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus zu zusätzlichen Ausgaben führen werden, die über die normalen Ausgaben hinausgehen. Infolgedessen wird erwartet, dass das Haushaltsdefizit im Jahr 2020 auf fast 7,4% des BIP ansteigt und damit deutlich über dem Niveau liegt, das im Jahresdurchschnitt zwischen 2011 und 2013 erreicht wurde, d.h. 6,1% des BIP.

Um diesen Finanzbedarf des Staates zu decken, würde Marokko auf Auslandskredite zurückgreifen müssen, die die im Finanzgesetz für 2020 auf 31 Milliarden MAD festgelegte Obergrenze für externe Finanzierungen überschreiten würden. Diese Bedingungen sollten die ausstehende Gesamtverschuldung des Finanzministeriums bis 2020 auf 74,4% des BIP ansteigen lassen. Zusätzlich zum Anteil der garantierten Auslandsschulden würde die Gesamtverschuldung der öffentlichen Hand die Schwelle von 90% des BIP überschreiten, was im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um fast zehn Punkte bedeutet. Der aktuell in der finalen Abstimmung befindliche Nachtragshaushalt, sieht eine Aufhebung der Obergrenze für die Aufnahme von Auslandsschulden vor.

Devisenbestände sollen sinken.

Es wird erwartet, dass der Geldmarkt seinerseits vom Rückgang der Nettofinanzströme betroffen sein wird. Dies dürfte zu einem Rückgang der Fremdwährungsbestände im Jahr 2020 auf fast 212 Milliarden marokkanische Dirham MAD führen (ohne Berücksichtigung der Nutzung der 3 Milliarden USD-Liquiditäts-Vorsorgelinie des IWF). Unter Berücksichtigung einer Verbesserung der Forderungen an die Wirtschaft um fast 4,9% infolge der durchgeführten geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen dürfte die Geldschöpfung im Jahr 2020 um 1,6% statt um 3,8% im Jahr 2019 steigen.

Devisenreserven
Devisenreserven Marokko

Das Jahr 2021 soll wieder Wachstum bringen, wenn die Pandemie noch in diesem Jahr beendet werden kann.

Nicht-landwirtschaftliche Aktivitäten sollten 2021 moderat wachsen Im Jahr 2021 geht die erarbeitete Wirtschaftsprognose vom Ende der Covid-19 Pandemie im Dezember 2020 aus und basiert auf einem mittleren Szenario für die landwirtschaftliche Produktion in der Saison 2020/2021. Diese Prognosen berücksichtigen auch die neuen Trends des internationalen Umfelds, insbesondere die Entwicklung der Rohstoffpreise und der weltweiten Nachfrage nach marokkanischen Produkten.

Auf der Grundlage dieser Hypothesen sollte der primäre Sektor 2021 einen Anstieg von etwa 9,1% statt eines erwarteten Rückgangs von 5,7% im Jahr 2020 erfahren. Die nicht-landwirtschaftlichen Aktivitäten dürften 2021 ein moderates Wachstum von etwa 3,6% statt eines Rückgangs von 5,3% im Jahr 2020 verzeichnen, was insbesondere auf die erwartete zaghafte Erholung des Dienstleistungs- und Bausektors sowie der verarbeitenden Industrie zurückzuführen wäre.

Unter Berücksichtigung eines Anstiegs der Einnahmen der Steuern und Abgaben auf Produkte (ohne Subventionen) um 4,9% statt eines für 2020 erwarteten Rückgangs um 9% dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2021 ein Wachstum von 4,4% verzeichnen, nach einem für 2020 erwarteten Rückgang um 5,8%. Nominal wird für 2021 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 5,6% erwartet. Dieser Trend deutet auf einen leichten Anstieg der Inflation, gemessen am Deflationskoeffizienten 2020 des BIP, von 1,2% im Jahr 2021 hin.

Das Wirtschaftswachstum dürfte im Jahr 2021 durch die Erholung der Inlandsnachfrage, die einen Beitrag von 4,8% zum Wirtschaftswachstum leisten dürfte, aufrechterhalten werden, während der Beitrag der Auslandsnachfrage mit -0,4 Punkten negativ bleiben dürfte, was einer Verbesserung im Vergleich zu -1,4 Punkten im Jahr 2020 entspricht.

Staatsfinanzen und Finanzbedarf bleiben 2021 unter Druck.

Die Entwicklung der öffentlichen Finanzen im Jahr 2021 geht von einem Anstieg der öffentlichen Ausgaben in Verbindung mit den zur Ankurbelung und Wiederbelebung der Wirtschaftstätigkeit erforderlichen Maßnahmen aus, was wiederum zu einer Verbesserung der Steuereinnahmen führen dürfte. Unter diesen Bedingungen würde das Haushaltsdefizit 2021 ca. 5% des BIP betragen, statt der für 2020 erwarteten 7,4%.

Um diesen Finanzierungsbedarf zu decken, müsste Marokko einen neuen Zugang zum internationalen Finanzmarkt finden. Somit dürfte die Schuldenquote des Finanzministeriums mit fast 72,3% des BIP hoch bleiben. Unter Berücksichtigung der garantierten Verschuldung würde die öffentliche Gesamtverschuldung auf 89,9% des BIP anstatt der für 2020 erwarteten 92% abnehmen.

Die im Juni 2020 eingeleiteten geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen sollten über ihre Wirkung auf die Zinssätze und die Erwartungen der Wirtschaftsakteure auf die Volkswirtschaft übertragen werden. Diese Entwicklungen, zusammen mit den Aussichten für die erwartete Verbesserung der wirtschaftlichen Aktivitäten im Jahr 2021, sollten die Bankkredite stimulieren und die Geldmenge um 4,9% statt der für das laufende Jahr prognostizierten 1,6% wachsen lassen.

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