Marokko – IWF fordert Reformen und flexiblen Wechselkurs.

IWF fordert Reformen und einen verstärkten Kampf gegen Korruption.

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IWF
Internationaler Währungsfond IWF

Haushaltskonsolidierung, Reformen am Arbeitsmarkt und in den Sozialsystemen sowie ein flexibler Wechselkurs werden vom IWF angemahnt.

New York – Der internationale Währungsfond hat seinen Länderbericht zum nordafrikanischen Königreich veröffentlicht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) bekräftigte am vergangenen Dienstag (16. Juli 2019) seine Aufforderung an Marokko, die Wirtschaft sowie weitere Schlüsselsektoren zu reformieren. Um die marokkanische Wirtschaft besser vor externen Schocks zu schützen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, soll Marokko sowie die Zentralbank flexible Wechselkurse verstärkt zulassen.

Laut IWF ist die erste Phase hin zu einem flexiblen Wechselkurs erfolgreich verlaufen.

Im Januar 2018 erweiterte Marokko die Bandbreite, in der der marokkanische Dirham (MAD) gegenüber Devisen (US – Dollar und Euro) gehandelt werden kann. Vor 2018 konnte und wollte Marokko seine Währung nur sehr eng an die Währungen im eigenen Devisenkorb anbinden. Die flexible Bandbreite lag bei nur 0,3 Prozent, um einen zentral festgelegten Referenzwert. Seit 2018 liegt die Flexibilität bei 2,5 Prozent auf beiden Seiten eines Referenzpreises. „Die erste Phase des Übergangs zu einer weiteren Flexibilisierung des Wechselkurses war erfolgreich, und die derzeitigen Bedingungen für eine Fortsetzung dieser Reform zu Präventionszwecken sind weiterhin günstig, da sie der Wirtschaft helfen wird, potenzielle externe Schocks abzufedern und ihre externe Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten“, sagte der IWF in seinem Länderbericht über die Wirtschafts- und Finanzentwicklung im Königreich.

Rabat sieht Rahmenbedingungen für eine weitere Flexibilisierung des Wechselkurs noch nicht gegeben.

Die marokkanische Regierung hat bereits im Vorfeld auf die Forderungen des IWFs reagiert. Rabat teilte mit, dass die nächste Phase für einen flexiblen Wechselkurs eingeleitet wird, wenn die wirtschaftlichen Bedingungen es erlauben. Marokko fürchtet negative Spekulationen gegen die eigene Landeswährung, wenn die enge Anbindung an den US – Dollar und den Euro gelockert wird. Der Wert der eigenen Landeswährung wäre, neben der Wertentwicklung des Devisenbestands, zunehmend von der Stärke der eigenen Wirtschaft und dem Vertrauen in das System beeinflusst. Im marokkanischen Finanz- und Wirtschaftsministerium sowie bei der Zentralbank, Banq Al Maghrib, fürchtet man eine Wiederholung der Spekulationen gegen und Flucht aus dem MAD.

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IWF beobachtet Expansion marokkanischer Banken in Afrika aufmerksam.

Seit der Verkündung der marokkanischen sog. Süd-Süd-Strategie durch König Mohammed VI. und die Rückkehr Marokkos in die Afrikanische Union expandieren zahlreiche marokkanische Konzerne in Richtung Afrika. Neben beispielsweise dem Telekommunikationsanbieter Maroc Telecom und dem Düngemittelkonzern OCP sind es vor allem die Banken, die sich auf dem afrikanischen Kontinent verstärkt engagieren. Dies wird vom König ausdrücklich befürwortet. „Das System des Bankensektors ist solide und widerstandsfähig“, sagte der IWF und betonte gleichzeitig, dass „angesichts der zunehmenden Komplexität und grenzüberschreitenden Expansion der marokkanischen Banken, diese neue Risiken einschleppen könnten, und man daher wachsam bleiben müsse.“ Eine erweiterte Flexibilität des Wechselkurses könnte aus Sicht des IWF eine Schutzmaßnahme darstellen.

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IWF fordert Reformen und einen verstärkten Kampf gegen Korruption.

Der IWF fordert in seinem Bericht die Behörden in Rabat auch auf, „die Haushaltskonsolidierung fortzusetzen, um die Nachhaltigkeit der Schulden zu wahren und gleichzeitig mittelfristig vorrangige Investitionen und Sozialausgaben zu sichern“.

Besonderes Augenmerk wurde auf politische und soziale Reformen gelegt. Rabat soll den Kampf gegen die Korruption verstärken.

Aber auch Ungleichheiten zwischen den sozialen Schichten sollen abgebaut werden. Die Arbeitsmarktpolitik gilt es, aus Sicht des IWFs, zu überarbeiten und Bildungsreformen sind durchzuführen. Ziel sollte die Schaffung von Arbeitsplätzen, insbesondere für junge Frauen und Männer, sein. In Marokko liegt die Arbeitslosigkeit offiziell bei 10%, wobei jeder vierte Jugendliche arbeitslos ist. Bei jungen Akademikerinnen und Akademikern ist die Quote deutlich höher. Der Druck zur Auswanderung ist in dieser Gruppe besonders hoch, womit Marokko genau die Menschen verliert, die zum Aufbau des Landes benötigt werden.

IWF sieht weiteres positives Wirtschaftswachstum für Marokko

Der IWF prognostiziert für das Königreich ein Wirtschaftswachstum von 2,7% für das laufende Wirtschaftsjahr. Im Vorjahr lag das Wachstum des BIP bei 3%. Für das kommende Jahr 2020 geht der IWF von einem Anstieg auf 3,4% aus. Dabei betont der IWF, dass die marokkanische Volkswirtschaft von der landwirtschaftlichen Produktion und von der Inlandsnachfrage abhängig ist.

IWF prognostiziert mittelfristig höheres Wirtschaftswachstum.

Marokko hat bis 2024 eine „günstige“ mittelfristige Wachstumsprognose von 4,5%. In New York sieht man aber Risiken. Das Wachstum wird in Abhängigkeit von politischen, sozialen und wirtschaftlichen Reformen gesehen. Auch die Entwicklungen am Energiemarkt (Gas- und Ölpreisentwicklung) sowie das Wirtschaftswachstum in Partnerländern stellen wichtige geopolitischen Risiken da. Ein „niedriger internationaler Ölpreise könnten dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft weiter zu stärken. Auch eine stärkere regionale Integration innerhalb der Maghreb-Region könnte eine zusätzliche Quelle für mittelfristiges Wachstum für Marokko werden“, berichtet der IWF.

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