Marokko – Landeswährung verliert gegenüber EURO und US-Dollar.

Ausfallende Einnahmen aus Tourismus und Automobilindustrie.

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Wechselkurs
Wert der Landeswährung Dirham steht in enger Abhängigkeit zum Devisenbestand in US-Dollar und EURO

Wirtschaftliche Auswirkungen der Coronakrise werden immer deutlicher.

Casablanca – Weltweit hat das Coronavirus die Wirtschaft stark beeinträchtigt. Noch immer sind die Folgen der Pandemie nicht abzusehen. In vielen Ländern leiden Unternehmen unter Umsatzeinbussen und die Menschen stehen ohne Einkommen da. Auch der marokkanischen Regierung und der heimischen Wirtschaft ist bewusst, dass die Folgen der eingeleiteten Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche, wie Ausgangssperren, Grenzschließungen und Reisebeschränkungen, zu Schäden in der heimischen Wirtschaft führen werden. Auch der Staatshaushalt wird belastet werden, da die Regierung große zusätzliche Ausgaben für das Gesundheitswesen tätigt und Transferzahlungen für besonders betroffene soziale Gruppen leistet. Zwar hat Marokko, offiziell auf Initiative von König Mohammed VI., einen Hilfs- und Solidaritätsfonds aufgelegt, der inzwischen über 32 Milliarden marokkanische Dirham MAD umfasst, doch die bereits eingetretenen oder drohenden Einnahmeverlusten in Devisen einbringenden Wirtschaftszweigen, drücken auf den Wert der Landeswährung.

Wert des marokkanischen Dirhams MAD fällt seit der Coronakrise merklich.

Der Dirham ist in den letzten Wochen gegenüber dem US-Dollar und dem EURO stark gefallen. Marokkanische Banken und Importunternehmen müssen immer mehr Dirhams für einen EURO an die Zentralbank bezahlen. Seit Beginn des laufenden Jahres ist der EURO/MAD-Kurs von 10,7287 MAD (zum 31. Dezember 2019) um 4,15% auf 11,1741 MAD für einen EURO am vergangenen Mittwoch, dem 1. April, gestiegen. Die Aufwertung des EURO gegenüber dem MAD hat in den letzten zwei Wochen an Dynamik gewonnen.

Wechselkurs
Wechselkurs MAD zu Euro von der Coronavirus – Krise beeinflusst.

Der gleiche Aufwärtstrend wurde für die US-Dollar/MAD-Parität beobachtet. Letztere stieg von 9,5682 am 31. Dezember 2019 auf 10,2247 MAD für einen US-Dollar am 1. April 2020.

Wechselkurs
Wechselkurs MAD zu US – Dollar von der Coronavirus – Krise beeinflusst.

Ausfallende Einnahmen aus Tourismus und Automobilindustrie.

Der Wert der Landeswährung hängt entscheidend von dem Devisenbestand in der Zentralbank ab und derzeit nur in einem geringen Teil von der Markteinschätzung an den Finanzmärkten. Seit Januar 2020 gilt in Marokko ein verändertes Wechselkursregime, womit die Nachfrage nach MADs und das Vertrauen in Politik sowie Wirtschaft mehr Einfluss auf den Wert der Landeswährung haben.

Marokko – Schwankungsbreite des Wechselkurses erweitert.

Wichtigste Devisenquellen, sind die im Ausland lebenden Marokkanerinnen und Marokkaner MREs, der Tourismus und der Export von Automobilen sowie von landwirtschaftlichen Produkten. Derzeit muss Marokko zahlreiche medizinische Produkte aus dem Ausland beschaffen und diese in Devisen (EURO und US-Dollar) bezahlen. Das senkt den Devisenbestand merklich. Zugleich kann Marokko derzeit kaum Automobile exportieren, da Renault und PSA die Produktion im Königreich gedrosselt haben. Viel wichtige ist der Einreisestopp. Der Tourismus ist praktisch völlig zum Erliegen gekommen und besteht lediglich aus in Marokko gestrandeten ausländischen Gästen oder MREs.

Geringere Deviseneinnahmen mittelfristig zu erwarten.

Das sich die wirtschaftliche Situation für Marokko zeitnah ändert, ist wohl nicht zu erwarten. Niemand kann abschätzen, wann die Beschränkungen im Land aufgehoben werden und sich die Situation normalisiert. Mindestens bis Ende April wird die Ausgangssperre bestehen bleiben. In Deutschland erwartet man gar den Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie im Mai 2020. Mit einer Rückkehr der Touristen und Einreise der MREs in gewohntem Umfang ist in 2020 nicht zurechnen. Dazu sind die wirtschaftlichen Folgen vor allem in Europa zu einschneidend. Bestenfalls werden die MREs ihre Verwandten mit Transferzahlungen, sicherlich in geringerem Umfang, unterstützen. Es drohen schrumpfende Deviseneinnahmen, womit das Land gezwungen sein wird, benötigte Importe durch Kredite zu finanzieren. Das wird den Druck auf die Landeswährung sicherlich nicht verringern. Was Marokko zur Hilfe kommt, sind fallende Energiepreise am Weltmarkt sowie geringe Importe durch Lieferschwierigkeiten im Ausland.

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