PSA
Quelle MAP - PSA baut Kleinwagen in Kenitra. König Mohammed VI. betrachtet Peugeot 208

Erstes zu 100% in Marokko entwickeltes und gebautes Automobil wird bereits auf seine Zulassungsfähigkeit getestet.

Rabat – Dass das nordafrikanische Königreich Marokko ein attraktiver und erfolgreicher Standort für die Automobilindustrie geworden ist, ist inzwischen international bekannt. Auf dem afrikanischen Kontinent hat man als Produktionsstandort bereits die Führungsrolle eingenommen und Südafrika verdrängt. Vor allem Renault mit ihrer Marke Dacia hat sich nahe Tanger engagiert. Die Stellantis Gruppe ist in Marokko mit ihren Marke Peugeot und Citroen (Opel) vertreten und baut nahe Kenitra ihre Fahrzeuge. Die Stellantis Gruppe hat erst vor Kurzem angekündigt, mit einer Investition von 300 Mio. Euro, die Produktionskapazitäten auszubauen und nahezu zu verdoppeln.

Rund um diese großen europäischen Automobilkonzernen hat sich ein umfangreiches Ökosystem aus Dienstleistern und Zulieferern etabliert, hier vor allem aus Japan, China und auch Frankreich.

Opel
Quelle Opel Automobil GmbH – Neues Mirco – Elektrofahrzeug wird in Marokko (Kenitra) gebaut.

Doch das Königreich hat schon seit längerem seinen Ehrgeiz bekundet, ein eigenes Auto und eine eigene Fahrzeugplattform zu entwickeln und nicht mehr nur ein Fremdmarkenproduzent zu sein, sondern einen eigenen Hersteller in den Wettbewerb zu schicken. Bereits jetzt hat man eigene Entwicklungskapazitäten im Sinne von externen Ingenieurbüros im Land, die z.B. für Citroen und Opel den Elektrokleinwagen Ami bzw. Rock-e entwickelt haben. Das baugleiche Fahrzeug wird auch in Marokko produziert.

Marokkanischer Minister für Industrie und Handel kündigt 100% marokkanisches Auto an.

Schon länger mehrten sich die Hinweise auf bzw. Nachfragen zu einer vollständig marokkanischen Automarke. Nun bestätigte der marokkanische Minister für Industrie und Handel, dass das Land an einer eigenen Automobilmarke arbeitet.

Der Minister für Industrie und Handel, Ryad Mezzour, kündigte an, dass die nationale Automobilindustrie die allererste 100%ige marokkanische Automarke vorstellen wird. Die Tageszeitung L’Economiste berichtete in ihrer Ausgabe vom Mittwoch, dem 23. November 2022, über die Nachricht. Auch der Name des ersten Kindes der rein marokkanischen Automobilproduktion ist bereits bekannt: „NEO“. „Dieses zu 100% marokkanische Fahrzeug wird in einigen Monaten enthüllt werden“, so der Minister.

Was den Fortschritt dieses neuartigen Projekts betrifft, so hat das Auto bereits alle statischen und dynamischen Tests erfolgreich bestanden. Es wurde sogar in Marokko, aber auch im Ausland zertifiziert und seine Zulassung ist in Vorbereitung.

Erstes marokkanisches Auto soll 170.000 MAD kosten.

Das Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, das weniger Platz beansprucht und höhergelegt ist, wird für ca. 170.000 marokkanische Dirham MAD bzw. ca. 15.350€* auf den Markt kommen. Wartung und Ersatzteile sollten kein Problem darstellen, da alles vollständig in marokkanischen Fabriken und bei marokkanischen Ausrüstern hergestellt wird. Das Fahrzeug wird „leicht von städtischen Kunden, jungen Erstkäufern, Kommunen, Unternehmensflotten, der Polizei usw. gekauft werden können, was bedeutet, dass der kommerzielle Erfolg garantiert ist“, so die Wirtschaftszeitung weiter.

Marokko könnte auch auf Wasserstofffahrzeuge setzen.

Der Minister bestätigte auch, dass Marokko die Entwicklung des Fahrzeugs NamX, das zu 100% mit grünem Wasserstoff fährt und von dem Franco-Marokkaner Faouzi Annajah entworfen wurde, sehr genau verfolgt. „Dieses Fahrzeug gehört zu den marokkanischen Marken, die wir begleiten möchten, um die Produktion, das Design und die Technologie zu entwickeln“, kündigt Minister Ryad Mezzour an.

Damit wäre Japan ein idealer Kooperationspartner. Das Land setzt ebenfalls auf Wasserstoff als Energiequelle und tut sich weiterhin schwer, Fahrzeuge mit reiner Batterietechnik in Europa anzubieten.

Die geplante Produktion von grünem Wasserstoff, für die sich Marokko einsetzt, wird die Entwicklung eines solchen Projekts nur begünstigen. Sie wird das Wirtschaftswachstum des Königreichs und die Dekarbonisierung seiner Industrie ankurbeln. Außerdem wird es die Sicherheit seiner Versorgung mit energetischen und nicht-energetischen Ressourcen erhöhen, so die Analyse weiter.

Noch keine Angaben zu ausländischen Zielmärkten.

Mit diesen Ambitionen wird Marokko, das in der Automobilbranche bereits eine führende Rolle spielt (700.000 produzierte Fahrzeuge pro Jahr und das Ziel, ab 2026 eine Million Fahrzeuge pro Jahr zu produzieren), seine Führungsrolle und seine Fähigkeit weiter ausbauen. Zugleich stützt es die Strategie „Made in Morocco“ zu einer internationalen Referenz weiterzuentwickeln.

Allerdings tritt man mit einem eigenen Fahrzeug und ohne Renommee nicht nur gegen etablierte, sondern auch gegen aufkommende Hersteller, aus China oder auch aus der Türkei, an. Um nicht nur auf den heimischen Markt angewiesen zu sein, muss auch eine vollelektrische Fahrzeugvariante (Batterietechnik) entwickelt worden sein oder entwickelt werden, ansonsten könnte sich ein Markteintritt in Europa als schwierig erweisen, setzt doch die EU auf die Batteriefahrzeuge. Hier haben vor allem, französische, deutsche und chinesische Hersteller einen Vorsprung, denkt man an die Renault ZOE, an den inzwischen eingestellten BMW i3 oder den sehr erfolgreichen BMW i4, die neuen Flaggschiffe von Mercedes (EQS und EQE) oder das neue hochgelobte Model Smart#1, welches in Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Geely und Mercedes kürzlich vorgestellt wurde.

Zugleich scheint der kommunizierte Zielpreis auch für den marokkanischen Markt nicht unbedingt ohne weiteres wettbewerbsfähig. Die Marke Dacia, die zum Renault-Konzern gehört, bietet die in Marokko produzierten Fahrzeuge im Königreich bereits ab einem Preis von um 120.000 MAD bzw. unter 11.000, -€ an.

Marokko – Mitglieder des deutschen Automobilverbandes VDA informieren sich über Produktionsinfrastruktur.

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