Marokko – Neue Hafenanlage in Tanger eröffnet.

Wachstumsziele im Kreuzfahrt- und Yachttourismus sehr ambitioniert.

Tanger
König Mohammed VI. eröffnet neuen Hafen Tanger Marina Bay 2018.

Fischerei-, Kreuzfahrt- und Yachthafen nach acht Jahren Bauzeit von König Mohammed VI. eröffnet.

Tanger – Nach rund acht Jahren Bauzeit wurde die neue Hafenanlage von Tanger eröffnet. Unterhalb der Altstadt wurde die frühere Hafenanlage umgebaut, erweitert und modernisiert. Damit bekommt die Metropole an der Grenze zu Europa und am Treffpunkt von Atlantik und Mittelmeer eine neue Attraktion sowie ein weiteres wirtschaftliches Zentrum. Neben einem Terminal für Fähren und Kreuzfahrtschiffen sowie einem Yachthafen wurde auch in einen Fischereihafen investiert. Auf mehreren Hektar ist so eine moderne Infrastruktur entstanden. Damit bekommt der alte Hafen von Tanger eine neue wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt. Am vergangenen Donnerstag (7. Juni 2018) übergab König Mohammed VI. die neue Hafenanlage an Tanger. Die Gesamtinvestitionen sollen sich nach offiziellen Angaben auf fast zwei Mrd. marokkanische Dirhams (MAD) belaufen.

 

Mohammed VI.
König Mohammed VI. von Zuschauern begrüßt

Neuer Fischereihafen für rund 1,2 Mrd. MAD.

Der neue Fischereihafen von Tanger, dessen Bau offiziell ca. 1,189 Mrd. marokkanische Dirhams (MAD) gekostet hat, soll zu einem modernen und konkurrenzfähigen Arbeitsumfeld für Fischereibetriebe und Fischer werden und somit zu einer positiven Entwicklung des Fischereisektors führen. Der neue Fischereikomplex erstreckt sich auf eine Länge von 1,12km und bietet über 2,5km Anlegestrecke. Er bietet darüber hinaus eine Wasserfläche von ca. 11 Hektar bzw. eine Freifläche von ca. 12 Hektar. Neben Kühl- und Lagerflächen wird auch die neue Großmarkthalle für den Fischhandel auf dem Gelände angesiedelt sein. Ergänzt wird die neue Infrastruktur um Eisfabriken, eine Standard-Container-Management-Einheit, Geschäfte für Reeder und Großhändler, Küsten- und Hochsee-Fischereibedarf, eine Halle für handwerkliche Fischerei, eine Werft, Schiffsreparaturwerkstätten und Verwaltungsgebäude. Auch das Veterinäramt wird im neuen Hafen angesiedelt sein.

Tanger Marina Bay soll Anlaufpunkt für Kreuzfahrttouristen und Yachturlauber werden.

„Das im März 2010 von König Mohammed VI. initiierte Projekt, zur Umgestaltung des Hafengebiets von Tanger City, hat zum Ziel, die Stadt in die Lage zu versetzen, sich als Flaggschiff für den Kreuzfahrt- und Freizeittourismus auf internationaler Ebene zu positionieren“, so eine Erklärung der marokkanisch-staatlichen Nachrichtenagentur MAP. In den zweiten Teil des neuen Hafens wurden ca. 635 MAD investiert. Mit seinen aktuellen und noch geplanten Anlegekapazitäten wird er zum größten Kreuzfahrt- und Yachthafen des Königreiches. Aktuelle können bis zu 800 Boote, mit einer Länge von 7m bis zu 90m anlegen. Weitere ca. 600 Anlegestellen sind geplant. Der Yachthafen ist auch mit Restaurants, überdachten Parkplätzen, einem Nautikclub, einer Tankstelle sowie Geschäften für den Bedarf der Gäste ausgestattet.

Wachstumsziele im Kreuzfahrt- und Yachttourismus sehr ambitioniert.

Mohamed Ouanaya, Geschäftsführer der Société d’aménagement pour la reconversion de la zone portuaire de Tanger (SAPT), wurde in der vergangen Woche im Magazin Vie éco mit der Aussage zitiert, „dass es das Ziel ist, 300.000 Kreuzfahrtpassagiere im Jahr 2020 und 750.000 im Jahr 2025 begrüßen zu können“.

Wie das Nachrichtenmagazin telquel feststellt, sind das sehr ambitionierte Wachstumsziele. Nach Angaben der Nationalen Hafenbehörde (National Ports Agency (ANP)) gingen die Besucherzahlen für Tanger zuletzt deutlich zurück. Im Jahr 2016 reisten 96.310 Touristen per Schiff nach Tanger. Im Folgejahr 2017 fiel die Zahl dramatisch auf 23.590 Besucher ab. Dieser Verlust von 75% wird in Zusammenhang mit der Sicherheitseinstufung des Nordens Marokkos in den betroffenen Jahren gebracht. Diese Sicherheitseinstufung der Kreuzfahrtindustrie hat sich für das Jahr 2018 wieder verbessert. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2018 kamen 6.248 Passagiere, ein Anstieg von ca. 111% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Tanger Marina Bay
Hafen Tanger City Marina Bay

Marokko glaubt an Kreuzfahrttourismus.

Die Zahlen der Hafenstadt Tanger passen zum allgemeinen Trend in Marokko. Die meisten übrigen Kreuzfahrtziele haben in den letzten beiden Jahren verloren. Auf nationaler Ebene gingen die Besucherzahlen um 34,4% zurück. Neben Tanger sind vor allem Casablanca (-37,8%) und Safi (-100%,) betroffen gewesen. Einzig die Tourismushochburg Agadir konnte gegen den Trend gewinnen. Hier stiegen die Werte im Jahr 2017 auf 93.042 und damit um 30,3%. Für das laufende Jahr liegt Marokko insgesamt wieder mit 51,9% im Plus. Weltweit steigen die Zahlen im Kreuzfahrtgeschäft kontinuierlich an. Laut Statista nutzten 2007 weltweit ca. 15,62 Mio. Passagiere das Angebot der Kreuzfahrtindutrie, in Europa alleine 3,73 Mio. Menschen. Im letzten Jahr 2017 waren es 23,96 Mio. und für Europa 6,11 Mio. Passagiere. Für das laufende und das kommende Jahr sollen die Zahlen weiter steigen auf 24,63 Mio. (Europa 6,23 Mio.) in 2018 bzw. 25,32 Mio. (Europa 6,35 Mio.) in 2019.

Tourismusministerium plant Nationale Komitees.

Die Wachstumsziele von Tanger Marina Bay sind überraschend hoch angesetzt. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins telquel plante man bisher für Marokko insgesamt mit Besucherzahlen von 300.000 bis 550.000 Passagieren. Alleine Tanger Marina Bay soll bis 2025 750.000 Kreuzfahrt- und Yachturlauber anziehen. Aus diesem Grund hat das marokkanische Tourismusministerium angekündigt landesweite Komitees einzurichten, um Maßnahmen zu ergreifen die Attraktivität des Landes für die Kreuzfahrtindustrie zu erhöhen. Hier kann man nur hoffen, dass man auch die Erfahrungen der Kanarischen Inseln berücksichtigt. Die Kleinunternehmer haben dort von den Kreuzfahrturlaubern praktisch keinen Vorteil. Die Tourismusunternehmen sorgen durch eigene Strukturen dafür, dass die Ausgaben der Touristen kaum in der regionalen Wirtschaft ankommen.

Protestrufe gegen Minister Aziz Akhannouch

Akhannouch
Marokkanischer Landwirtschaftsminister Aziz Akhannouch

Am Rande des Eröffnungsbesuchs von König Mohammed VI. kam es auch zu Protestrufen der Zuschauer. In unmittelbarer Nähe von König Mohammed VI. richteten sie sich gegen den amtierenden Minister für Landwirtschaft und Fischerei, Aziz Akkannouch. Während die Zuschauer den König wohlwollend begrüßten und ehrten, forderten sie den Minister auf „zu verschwinden“. Der reichste Geschäftsmann Marokkos sieht sich aktuell besonderer Kritik ausgesetzt. Seine Tankstellenkette Afriquia ist eines der drei Unternehmen, die vom seit Wochen anhaltenden Boykott von einzelnen Produkten betroffen sind.

Lesen Sie auch: Marokko – Protestrufe gegen Aziz Akhannouch beim Auftritt des Königs

Empfohlener Artikel