Marokko – Neue Zahlen zur Arbeitslosigkeit

Deutliche Disparitäten zwischen den Regionen bei der Arbeitslosigkeit.

Arbeitslosigkeit
Leichter Rückgang der Arbeitslosenquote auf 10,5%

Die Situation hat sich für junge Menschen im Alter 15 – 24 Jahren weiter verschlechtert. Frauen weiterhin stärker betroffen.

Rabat – Zur Arbeitslosigkeit in Marokko sind die aktuellen Zahlen, mit Stand März 2018, veröffentlicht worden. Die Situation am Arbeitsmarkt gibt Anlass zu ernster Besorgnis. Die Arbeitslosenquote ist leicht rückgängig, was auf das weiter anhaltende Wirtschaftswachstum zurückzuführen ist. Trotz anhaltendem Wirtschaftswachstum nimmt die Jugendarbeitslosigkeit weiter zu. Insbesondere Menschen mit hohem bis sehr hohem Bildungsgrad sind von ihr betroffen. Eine ganze Generation teils hochgebildeter Menschen hat keine Perspektiven im Land. Die Investitionen in die Ausbildung einer erhofften Elite können nicht wiedergewonnen werden. Die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Folgen zeichnen sind bereits ab, sind aber nicht vollständig absehbar, sie sind aber in zahlreicher Hinsicht bedrohlich.

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Leichter Anstieg bei der Entstehung von Arbeitsplätzen.

Die aktuellen Zahlen wurden von der „Hohen Kommission für Planung HCP“ herausgegeben. Zwischen dem ersten Quartal 2017 und dem ersten Quartal 2018 sind in Marokko ca. 116.000 Arbeitsplätze entstanden. Dabei sind ca. 77.000 Stellen in städtischen und 39.000 in ländlichen Gebieten entstanden. Im Jahr davor sind im ähnlichen Zeitraum 109.000 Stellen geschaffen worden. Es zeigt sich dabei erneut, dass der Dienstleistungssektor und die Landwirtschaft dominieren. Im Sektor der Dienstleistungen wurden ca. 50.000 Stellen geschaffen. In den Sektoren „Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft“ wurden ca. 43.000, im Bereich Bau und öffentlicher Dienst ca. 32.000 neue Stellen registriert. Im Bereich „Industrie einschließlich Handwerk“ gingen dagegen ca. 9.000 Stellen verloren. Die Gesamtzahl der registrierten Beschäftigten erreichte damit 10.882.000.

Leichter Rückgang der Arbeitslosenquote auf 10,5%

Die Zahl der registrierten Arbeitslosen sank um ca. 24.000 Personen auf 1.272.000. Dieser Rückgang setzt sich zusammen aus einem Anstieg von 6.000 Menschen in städtischen Gebieten und einem Rückgang von 30.000 in ländlichen Regionen. Die Arbeitslosenquote sank auf nationaler Ebene von 10,7% auf 10,5%. Dies bedeutet in städtischen Gebieten einen geringen Rückgang von 15,7% auf 15,6% und in ländlichen Gebieten von 4,1% auf 3,5%.

Zusammensetzung der Arbeitslosen

Die Arbeitslosen sind überwiegend (85,6%) Stadtbewohner (bei Männern 81,7% und 92,6% bei Frauen) und Jugendliche (63,7% im Alter von 15 bis 29 Jahren, 62,6% bei Männern und 65,6% bei Frauen). Fast vier von zehn (38,1%) der Arbeitslosen haben einen höheren Abschluss (29,2% bei Männern und 53,6% bei Frauen).

Darüber hinaus suchen etwas mehr als die Hälfte (56,4%) der Arbeitslosen ihren ersten Arbeitsplatz (49,3% der Männer und 68,8% der Frauen), fast zwei Drittel (66,4%) sind seit einem Jahr oder länger arbeitslos (61,6% der Männer und 74,8% der Frauen) und 25,2% der Arbeitslosen sind aufgrund von Entlassungen (20,1%) oder Arbeitsniederlegungen (Insolvenz) im Betrieb des Arbeitgebers (5,1%) arbeitslos.

Jugendarbeitslosenquote steigt um 2%-Punkte.

Im ersten Quartal 2018 betrug die Jugendarbeitslosigkeit 43,5%. Damit stieg der Wert gegenüber dem vierten Quartal 2017 von 41,5% um 2%-Punkte. Die Situation hat sich in den Städten und Ballungszentren für die jungen Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren weiter verschlechtert. Obwohl im gleichen Zeitraum 116.000 neue Arbeitsstellen geschaffen werden konnten, stieg die Quote weiter an. Sie können von den neuen Stellen und dem Wirtschaftswachstum nicht profitieren. Erschwerend kommt hinzu, dass fast vier von zehn (38,1%) der Arbeitslosen einen höheren Bildungsgrad haben. Beträgt die Arbeitslosenquote bei denjenigen ohne Abschluss 4%, so steigt sie bei denjenigen mit Schulabschluss auf 14,5%, bei denjenigen mit einem beruflichen Spezialisierungsgrad auf 22,7% und bei denjenigen mit einem höheren Bildungsabschluss auf 25,4%, insbesondere bei den Hochschulabsolventen auf 27,8%.

Deutliche Disparitäten zwischen den Regionen bei der Arbeitslosigkeit.

Die Arbeitslosigkeit in Marokko ist ungleich verteilt. Die Disparitäten zwischen den Regionen sind teils sehr deutlich und sind von der wirtschaftlichen Struktur und von der Anzahl der Ballungszentren abhängig. Die höchsten Arbeitslosenquoten werden in Guelmim-Oued Noun (19,8%) und Oriental (17,6%) beobachtet. Mit einer geringeren Quote liegen vier weitere Regionen über dem nationalen Durchschnitt, Rabat-Salé-Kenitra (13%), Laayoune-Sakia El Hamra (11,9%), Casablanca-Settat (11,2%) und Souss-Massa (10,7%). Die Regionen Drâa-Tafilalet und Béni Mellal-Khénifra verzeichneten dagegen mit 5,3% bzw. 7,3% die niedrigsten Werte. Alleine auf sechs Regionen des Königreiches konzentrieren sich ca. 82% alle Arbeitslosen, gemessen in absoluten Zahlen. Auf das Wirtschafts- und Finanzzentrum Casablanca-Settat konzentrieren sich ca. 24,5% aller Arbeitslosen. Damit steht diese Region an der Spitze der Rangliste. Gefolgt wird Casablanca-Settat von den Regionen Rabat-Salé-Kénitra (17%), Oriental und Fes-Meknès (11,2%), Marrakech-Safi (9,7%) und Tanger-Tetouan-Al Hoceima (8,3%).

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