Marokko – Preisanstieg bei Lebensmitteln

Verquickung von Wirtschaft und Politik in der Kritik.

Preisanstieg
Einkaufen wird in Marokko immer teurer.

Preisanstieg löst Boykottaufruf gegen bekannte Marken in den Sozialen Medien aus.

Rabat – Ein Anstieg des Verbraucherpreisindexes (VPI) um 2,5% wurde für den Monat März in Marokko festgestellt. Nach Angaben der „Hohen Kommission für Planung (HCP)“ stieg der Verbraucherpreisindex um satte 2,5% im Vergleich zum Vorjahresmonat 2017. Der Verbraucherpreisindex ist ein Detailindex für die allgemeine Inflation im Land und berücksichtigt vornehmlich die Preisentwicklung bei Gütern des täglichen Bedarfs. Dieser Preisanstieg ist laut HCP auf einen Anstieg der Lebensmittelpreise um 3,3% bzw. der Non-Food-Preise um 1,4% zurückzuführen. Ebenfalls sind die Preise für sonstige Waren und Dienstleistungen um 6,6% angestiegen. Die allgemeine Inflation liegt aber weiterhin bei ca. 1% im Vergleich zum März 2017. Aber die allgemeine Inflation berücksichtigt auch Güter wie Versicherungen, Finanzkosten oder Kosten für das Wohnen, die aktuell einem deutlich geringeren Anstieg unterliegen.

Preisanstieg bei Produkten von großen Herstellern besonders in der Kritik.

Den Anstieg des VPI spüren die Menschen täglich im Geschäft. Gerade in der aktuellen Zeit der Vorbereitung auf den für Muslime heiligen Fastenmonat Ramadan, in dem traditionell der Konsum von Lebensmitteln wie Milch, Eier sowie zur Herstellung typischer Spezialitäten benötigtem Speiseöl steigt, belastet der gestiegene VPI das Budget der Menschen. Aus Sicht zahlreicher Menschen, die sich in den Sozialen Medien dazu äußern, ist der Preisanstieg bei Produkten namhafter oder großer Hersteller höher ausgefallen, als bei alternativen Angeboten oder Anbietern. Es wird ihnen vorgeworfen ihre Marktmacht und die aktuelle Sondernachfrage deutlicher für Preissteigerungen genutzt zu haben. Aus diesem Grund wurde ein Boykottaufruf gestartet, der zurzeit in den Sozialen Medien an Reichweite und Anhänger gewinnt. Besonders am Pranger stehen die Hersteller Danone, Sidi Ali und der Treibstoffanbieter Afriquia.

Boykott
Marokkaner rufen in Sozialen Medien zum Boykott von Produkten auf.

Verquickung von Wirtschaft und Politik in der Kritik.

Hinter den drei genannten Herstellern verbergen sich enge Verbindungen zwischen Wirtschaft und Politik. Hinter der Marke Danone steht der gleichnamige französische Lebensmittelkonzern, der mit seiner Milchmarke Centrale Laitiére den größten Marktanteil im Milchbereich hat. Darüber hinaus vertreibt der französische Konzern unter der eigenen Marke Danone zahlreiche weitere Produkte in diesem Segment. Zeitweise war die Marktmacht von Danone in Marko so groß, dass Danone als Gattungsbezeichnung für alle Jogurtprodukte in den Sprachgebrauch übergegangen ist. Hinter dem Treibstoffanbieter Afriquia steht mehrheitlich der aktuell reichste Geschäftsmann und amtierende Landwirtschaftsminister Marokkos Aziz Akhenouch. Die Wassermarke Sidi Ali soll sich mehrheitlich unter Kontrolle von Frau Miriam Bensaleh-Chaqroun befinden, die noch amtierende Präsidentin des Gesamtverbands der marokkanischen Unternehmen.

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