Marokko – Ratingagentur Moody´s sieht marokkanische Schuldenentwicklung kritisch.

Einnahmen können die Ausgaben nicht kompensieren.

Moody´s
US - Ratingangetur Moody´s

Die US – Ratingagentur stellt die Fähigkeit der Regierung in Frage, die Staatsverschuldung zu senken.

New York – Die US – Ratingagentur Moody´s hat sich mit dem Haushaltsentwurf 2019 der marokkanischen Regierung, der aktuell in den beiden Kammern des Parlaments beraten wird, genauer beschäftigt.

In New York zeigt man sich über die Fiskal- und über die Sozialpolitik besorgt. Moody´s äußerte in einer Mitteilung Zweifel daran, dass Marokko, das mit dem IWF vereinbarte Ziel die Staatsverschuldung auf 60% des BIP zu begrenzen, erreichen wird. Der neue Haushaltsentwurf der Regierung El Othmani, unter der Federführung des neuen Finanz- und Wirtschaftsminister Mohamed Benchaâboun, sieht Steigerungen bei Sozialausgaben vor. Insbesondere die direkten Subventionen werden kritisch bewertet, da diese im Jahr 2019 ca. 1,6% den BIP erreichen werden. Im laufenden Fiskaljahr 2018 betragen die direkten Subventionen 1,5%.

Vor allem US – Ratingagentur haben durch ihre Einschätzungen einen enormen Einfluss auf die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten.

Preisrisiko für Energieimporte könnten Subventionsausgaben steigen lassen.

Die Ratingagentur sieht ein deutliches Risiko für einen weiteren Anstieg der Subventionsausgaben und damit für weitere Belastungen des Staatshaushalts. Dazu schreibt Moody´s: „Die Subventionen werden wahrscheinlich weiter steigen, wenn die Regierung beschließt, die Treibstoffpreise zu begrenzen“. In der Bewertung der Ratingagentur wird daran erinnert, dass „die Regierung derzeit über die Wiedereinführung von Preisobergrenzen, nach sozialen und wirtschaftlichen Problemen, nachdenkt“. Marokko diskutiert seit Monaten über eine gesetzliche Deckelung der inländischen Treibstoffpreise. Dies würde bedeuten, dass bei einem Anstieg der Energiekosten die Preiserhöhungen des Weltmarktes nicht auf die Bürgerinnen und Bürger durchschlagen, sondern durch staatliche Subventionen ausgeglichen werden. Die Regierung in Rabat steht, nach den jüngsten Warnstreiks und der angespannten gesellschaftlichen Stimmung, unter Druck. Protestiert wird im Transportwesen gegen hohe Dieselpreise.

Einnahmen können die Ausgaben nicht kompensieren.

Auf der Einnahmenseite erwartet die Regierung einen Anstieg der direkten Steuereinnahmen. Doch das Haushaltsdefizit kann davon nicht profitieren und wird bei 3,7% erwartet. Durch den Verkauf von Staatseigentum, soll das Defizit auf 3,3% gesenkt werden, was aber dann für das Jahr 2019 ein einmaliger Effekt wäre. Genau dies sieht Moody´s kritisch für die langfristige Schuldenentwicklung des Landes. Die neuen Haushaltsplanungen gehen von einer Schuldenquote von 66,3% des marokkanischen BIPs im Jahr 2018 aus, gegenüber 65,1% im Jahr 2017. Es wird erwartet, dass diese Quote in den Jahren 2020 und 2021 67,3% erreichen wird. Die Verschuldung öffentlicher Unternehmen (staatlich garantiert) liegt mit rund 17% des BIP auf einem hohen Niveau und belastet die Bilanz zusätzlich.

Staatsschulden
Marokkanische Staatsschulden steigen weiter an.

IWF prüft Antrag Marokkos auf Liquiditätsrahmen.

Als Reaktion auf den zunehmenden sozialen und fiskalischen Druck hat die Regierung die Verlängerung der Precautionary and Liquidity Line (CPL) beim IWF beantragt, nachdem die vorherige Linie im Juli 2018 ausgelaufen ist. Damit würde Marokko quasi eine Art Dispokreditrahmen eingeräumt bekommen, mit entsprechenden Konditionen. Diese Konditionen werden auch durch die Bewertungen der Ratingagenturen beeinflusst. Moody´s sagt dazu: „Der Haushaltsrückschlag verringert die Aussichten Marokkos auf einen nachhaltigen Abbau der Staatsverschuldung auf weniger als 60%, wie bereits mit dem IWF vereinbart. Eine Situation, die nach wie vor negativ für die Kreditwürdigkeit ist“.

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