Marokko – Sound Energy CEO sieht Königreich auf dem Weg zum Energieexporteur

Weitere Teilnehmer interessieren sich für den marokkanischen Energiemarkt.

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Das nordafrikanische Land will unabhängig von Energieimporten werden und setzt auch auf alternative Energiequellen. Potential als Energieexporteur der Zukunft.

Rabat – In einer Stellungnahme gegenüber dem Fachportal Petroleum Economist sagte Graham Lyon, CEO von Sound Energy, dass Marokko auf dem Weg sei, ein Energieexporteur zu werden, da das Land versuche, seinen Energiemix weiter zu diversifizieren und damit seine Abhängigkeit von Importen zu verringern.

Ihm zufolge werden z. Zt. zwei große Projekte analysiert und entwickelt. Das eine betrifft die Lieferung von verflüssigtem Erdgas an große Industriemärkte, das andere den Bau einer Pipeline zur Versorgung der Strommärkte.

„Das erste Projekt wird etwa 100 Millionen Kubikmeter LNG pro Jahr für die Versorgung der Industriemärkte liefern“, so Graham Lyon, dessen Optimismus in Bezug auf die Zukunft des marokkanischen Gases auf dem heimischen Markt bzw. seine Exportaussichten deutlich spürbar gewesen sei.

Laut Graham Lyon verfüge das Königreich über Erdgasreserven von mehr als 20 Milliarden Kubikfuß, was einen Rekord darstelle. „Marokko verfügt über bedeutende Erdgasreserven, mit denen es seinen eigenen Bedarf decken könnte und sogar Gas exportieren dürfte“, sagte er. „Das Tendara-Feld spiele eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des marokkanischen und des weltweiten Marktes“, so der CEO weiter.

Britischer Konzern in drei Gasfeldern engagiert.

Derzeit betreibt Sound Energy drei Felder im Osten des Landes, an denen das Unternehmen mit 47,5% beteiligt sei, gegenüber 27,5% für Schlumberger bzw. 25% für das staatliche Office National des Hydrocarbures et des Mines (ONHYM). Das britische Unternehmen wird zu 60% an den neuen Projekten beteiligt sein, während ONHYM die verbleibenden 40% halten wird. Dies würde es dem Land ermöglichen, seine Gasimporte für die Stromerzeugung um 30% zu reduzieren, was rund 800 Millionen marokkanische Dirham oder etwa 83 Millionen US-Dollar bedeuten würde.

Die von Sound Energy entdeckten Gasvorkommen liegen 120 Kilometer von der Maghreb-Europa-Gaspipeline entfernt und können an diese angeschlossen werden, um weiter transportiert zu werden. Er sagte, dass das heimische Gas nicht nur die Energiesicherheit des Landes gewährleiste, sondern auch Wohlstand für Marokko schaffe. Außerdem bringe es weitere Vorteile wie z. B. Beschäftigung, Investitionen und höhere Einnahmen mit sich.

Königreich verfolgt mehrstufige und diversifizierte Energiestrategie.

In einer Erklärung des Ministeriums für Energie, Bergbau und Umwelt heißt es, dass Marokko einen dreistufigen nationalen Fahrplan für die Erdgasentwicklung von 2021 bis 2050 entwickelt habe. Sie gehöre zur nationalen Energiestrategie, die u. a. darauf abzielt, die Marktstrukturen und -teilnehmer festzulegen, die schrittweise Entwicklung der Nachfrage zu fördern, die Infrastruktur auszubauen, wettbewerbsfähige Energiequellen zu erschließen, den Export der Industrie zu fördern und andere Maßnahmen zur Steuerung des Sektors zu entwickeln und umzusetzen.

Marokko zeige auch weiter Interesse an erneuerbaren Energiequellen. Die Solar- und Windenergieproduktion gehöre zu den höchsten der Welt. Das Königreich hat seine Energiepolitik, seit Algerien den Gashahn der maghrebinisch-europäischen Pipeline zugedreht habe, nochmals überarbeitet und die Energieunabhängigkeit hat an Gewicht gewonnen. Dieses Bestreben wird durch die Entdeckungen im Anchoa-Gasfeld unterstützt.

Weitere Teilnehmer interessieren sich für den marokkanischen Energiemarkt.

Die Einstellung der Gaslieferungen aus Algerien wecke zudem andere Interessen. Anfang Dezember teilte das israelische Unternehmen NewMed Energy z. B. mit, eine Vereinbarung über die Suche nach Kohlenwasserstoffen vor der marokkanischen Küste unterzeichnet zu haben bzw. einen Anteil von 35% an der Offshore-Lizenz Boujdour Atlantic zu besitzen.

Ebenfalls scheint man sich in Rabat für die Nutzung der Kernenergie zu interessieren. Vor wenigen Monaten ratifizierte das russische Parlament eine Vereinbarung zwischen Rabat und Moskau über eine Intensive Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung von Kernenergie inkl. eines möglichen Baus eines Atomreaktors und Unterstützung bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll.

Nicht zuletzt treibt das Königreich den Bau einer 6.000km langen Gaspipeline von Nigeria bis an die Mittelmeerküste und damit entlang der gesamten Westafrikanischen Küste voran. Was unter Umständen im Bodes der Westsahara / marokkanische Sahara verborgen liegt, ist noch nicht öffentlich bekannt.

Marokko – Kooperation bei Nuklearenergie mit Russland ratifiziert.

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