Marokko – Staatsschulden nähern sich der Tragfähigkeitsschwelle.

Direkte Staatsschulden überschreiten 65% des BIP. Tragfähigkeitsschwelle droht erreicht zu werden.

Staatsschulden
Last durch Schulden steigt.

Die offiziellen Staatsschulden Marokkos sind 2017 um 5% gestiegen. Versteckte Verschuldung liegt bei zusätzlichen 179 Mrd. MAD.

Rabat – Die negative Entwicklung der letzten Jahre hat sich auch im Jahr 2017 fortgeführt. Marokkos Staatsverschuldung wächst weiter. Aus der Staatsverschuldung könnte sich nicht nur eine bedrohliche Last entwickeln, sondern sie könnte sich zu einer plötzlichen und ernsten Einschränkung der Handlungsfähigkeit des Staates verwandeln. Marokko überarbeitet seine Entwicklungsstrategie und hat erst vor kurzem eingestanden, dass die über 18 Jahre verfolgte Strategie nicht gegriffen hat. Es sind Milliarden von marokkanischen Dirhams in Projekte geflossen, die die Arbeitslosigkeit und Armut nicht ausreichend bekämpft haben. Vieles ist durch Kredite finanziert worden und Marokko, so wie auch viele andere Staaten des Maghrebs und Afrikas, profitierten von niedrigen Zinsen im Euroraum und den USA. Doch das könnte sich bald rächen. Die Diskussion über das hohe Niveau der Staatsschulden hat in Marokko an Fahrt aufgenommen.

Das Schreckgespenst des Zinsschocks geistert durch die Flure des Finanzministeriums.

Die Straffung der Geldpolitik der Zentralbanken, insbesondere der FED und der EZB, wird in den Entwicklungs- und Schwellenländern genau beobachtet. Ein Anstieg der Zinsen führt zu einem Anstieg der Auslandschulden und damit der Staatsschulden. Dies kann sehr schnell passieren. Der Anstieg der Zinssätze in den USA und im Euroraum könnte zu einem Schock für die öffentlichen Finanzen führen, insbesondere für Länder, die ohnehin schon hoch verschuldet sind. Dabei stellt sich die Frage nach dem Risiko für Marokko, dass gerade erst Unruhen wieder unter Kontrolle gebracht hat, die durch Armut, Arbeitslosigkeit- und Perspektivlosigkeit ausgelöst wurden. Marokko arbeitet an einer neuen Entwicklungsstrategie, die wieder Investitionen benötigen wird. Doch woher soll das Geld kommen, wenn die bisherigen Investitionen keine ausreichende Rendite abgeworfen haben? Eisernes Sparen bedroht womöglich die Stabilität und weitere Kredite die Handlungsfähigkeit.

Direkte Staatsschulden überschreiten 65% des BIP. Tragfähigkeitsschwelle droht erreicht zu werden.

Die Finanzverbindlichkeiten erreichten 2017 einen Wert von ca. 692 Mrd. marokkanische Dirham MAD (ca. 62,6 Mrd. €*), was einem Anstieg von 5% binnen eines Jahres entspricht. Damit erreichten die direkten Staatsschulden 65,1% des Bruttoinlandsprodukts BIP. Diese Werte rücken nahe an die Tragfähigkeitsschwelle Marokkos, warnte die Bank Al Maghrib in ihrem Jahresbericht, ohne diese Schwelle genau zu definieren. In weniger als zehn Jahren (2008-2017) stieg die Staatsverschuldung um 366 Mrd. MAD (ca. 33,11 Mrd. €*) oder durchschnittlich 41 Milliarden MAD (ca. 3,71 Mrd. €) pro Jahr. Es ist klar, dass der Handlungsspielraum schrumpft. Dabei steht Marokko unter Zugzwang. Die Staatsschulden müssen bis 2021 auf 60% des BIP reduziert werden, um den vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem IWF nachzukommen und damit Marokko seine Kreditwürdigkeit bewahren kann.

Staatsschulden
Marokkanische Staatsschulden steigen weiter an.

Indirekte Verbindlichkeiten belasten den Staat zusätzlich.

Neben der direkten Fremdfinanzierung am nationalen und internationalen Kapitalmarkt stellt der Staat Bürgschaften und Garantien für Unternehmen und Institutionen der öffentlichen Hand aus, damit diese regional oder lokal investieren können, z.B. durch die Beschaffung von Transportmitteln, die meist importiert werden müssen. Andernfalls wäre der Zugang zu den Finanzmärkten und Bankkrediten für viele Unternehmen und öffentliche Institutionen, aufgrund ihrer finanziellen Instabilität, schwierig. Die vom Finanzministerium garantierten Außenstände beliefen sich Ende 2017 auf weitere 179 Mrd. MAD (ca. 16,19 Mrd €*). Das sind zwar zunächst nur Risiken, stellen aber eine indirekte Staatsverschuldung da. Zählt man diese hinzu, dann beläuft sich die Staatsverschuldung auf 872 Mrd. DH oder 82% des BIP. Das marokkanische BIP erreichte, laut der Banq Al Maghrib 1.063,3 Mrd. MAD (ca. 96,19 Mrd. €*). Dieser Wert beinhaltet die Zuwendungen der im Ausland lebenden Marokkaner und sonstige Transferleistungen nicht.

BIP
Entwicklung marokkanisches Brutto-Inlands Produkt 2008-2017

Zinsrisiko ist in Marokko gesplittet.

Das Zinsänderungsrisiko wird für Marokko reduziert, da die Schulden überwiegend zu einem festen Zinssatz gezeichnet werden und fast 80% der Staatsschulden auf marokkanische Dirhams laufen, d.h. der marokkanische Staat ist vor allem bei seinen Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen verschuldet. Der Staat gibt festverzinsliche Wertpapiere aus, die vor allem von Banken und Versicherungen durch die Einlagen oder Prämien ihrer Kunden aufgekauft werden. Vor diesem Hintergrund glauben einige Analysten, dass Marokko durch steigende Zinsen im Ausland weniger stark betroffen wäre.

Ist es doch nur halb so bedrohlich?

Bei einer sich bereits abzeichnenden Zinswende könnte die sog. Kreditallokation bedingt hilfreich sein, denn auch Marokko wäre mittelfristig, vielleicht sogar kurzfristig, gezwungen den eigenen Leitzins anzupassen, wenn es in Europa zu einer Zinswende kommt. Diese Allokation reduziert auch das Risiko von Währungsschwankungen. Doch durch steigende Zinsen im Ausland werden mehr Devisen abfließen, denn die Auslandsschulden sind nicht in MAD gezeichnet. Damit wäre die Währungsstabilität gefährdet, worauf die Zentralbank mit Zinserhöhungen reagieren würde. Damit steigen vor allem für Neukredite auch im Inland die Kosten für den Staat, was sich auf die Investitionsmöglichkeiten auswirken würde. Damit hätte eine Zinswende im Ausland auch für den inländischen Kreditmarkt Auswirkungen.

*Wechselkurs vom 06. August 2018

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