Marokko – Start für den 5G Mobilfunkbetrieb droht sich zu verzögern.

Marokko benötigt schnellen Ausbau der Mobilfunktechnologie.

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Mobilfunk
Quelle Huawei - Mobilfunknetz Funkzelle

Wettbewerb für die Lizenzvergabe durch die Regulierungsbehörde erst 2022. Start von 5G – Netz könnte erst 2025 erfolgen.

Rabat – Das nordafrikanische Land Marokko will sich als Vorreiter in Sachen Entwicklung und Modernität in Afrika positionieren. Ein wichtiger Baustein ist der Aufbau einer modernen und leistungsfähigen Infrastruktur im Bereich Telekommunikation. Die weltweit wichtige Umstellung im Mobilfunk, hin zu sog. 5. Generation (5G) steht auch in Marokko an. Während die drei Mobilfunkprovider Maroc Telecom, Orange und INWI nicht müde werden mitzuteilen, dass sie in den Startlöschern stehen, haben die Behörden die Lizenzvergabe für einen kommerziellen Dauerbetrieb noch nicht geregelt. Alle Marktteilnehmer warten auf den Beginn des Vergabeprozesses. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Medias24 hat dieser noch nicht vollumfänglich begonnen, womit man den rechtzeitigen Start im Jahr 2023 als gefährdet bezeichnen müsse. Die Nationale Fernmeldebehörde bzw. Nationale Regulierungsbehörde für das Fernmeldewesen (ANRT) gab den Betriebsstart für das Jahr 2023 als Ziel bekannt.

Technikpartner und Breitbandausbau beeinfluss Einführungsgeschwindigkeit von 5G Mobilfunknetzen.

Der zweitgrößte Telekommunikationsanbieter in Marokko, Orange, der teilweise zur gleichnamigen französischen Mobilfunktochter von France Telecom gehört, steht noch vor der finalen Entscheidung, welche Technik für den Aufbau von 5G – Netzen zum Einsatz kommt. In Frankreich hat sich Orange für die Netzausrüster Nokia und Eriksson entschieden, nicht zuletzt, um sich, wegen des in den NATO-Staaten umstrittenen chinesischen Mobilfunkanbieters Huawei, nicht unnötigen Diskussionen mit den USA aussetzen zu müssen. Ob Orange auch in Marokko auf Nokia und Eriksson setzen wird, ist noch nicht ganz klar. Voraussichtlich werden Maroc Telecom und INWI auf die Infrastruktur von Huawei setzen. Zugleich entwickelt sich derzeit der Markt für Breitbandanschlüsse, vor allem im Unternehmensumfeldern aber auch zunehmend im privaten Haushalten. Die Unternehmen benötigen für zukunftssichere Investitionen Datenbandbreiten von mehr als den bisher 100M/Bit pro Sekunde, die 5G in der ersten Ausbaustufe anbieten kann. Glasfasernetze bieten in Europa bereits privaten Haushalten 1G/Bit Datenraten an. Ein zu schneller Ausbau von 5G könnte bei kleineren Unternehmen das Interesse an einem derzeit noch sehr teuren Breitbandanschluss kleiner werden lassen, was die Deckung der hohen Ausbaukosten von Glasfasernetzten schwerer machen würde.

Regulierungsbehörde geht von einem Start des 5G – Netzes nicht vor 2025 aus.

In einem aktualisierten Bericht der marokkanischen Regulierungsbehörde für Telekommunikation ANTR hat man die eigene zeitliche Einschätzung für den Start eines 5G – Netzes bereits angepasst. Hatte die Behörde selbst 2020 von einem Start für Ende 2023 gesprochen, geht man nun intern von einem Start nicht vor 2025 aus. Beobachter gehen bereits jetzt davon aus, dass der Bieterwettbewerb für die Vergabe von 5G – Sendefrequenzen nicht vor Ende 2022 stattfinden wird. Die drei Telekommunikationsanbieter haben in Großstädten bereits 2019 mit ersten 5G Testläufen begonnen.

Marokko hat bereits Erfahrungen mit der nötigen Prozedur. Im Jahr 2014 rief man die genannten Marktteilnehmer (Orange damals noch unter der Marke Meditel) zum Bieterwettbewerb auf. Das Lizenzvergabeverfahren endete erst im März 2015. Damals nahm der Staat über 2 Mrd. marokkanische Dirham MAD ein (1 Mrd. MAD Maroc Telecom (IAM), 503 Mio. MAD Meditel (jetzt Orange) und 500 Mio. MAD WANA Corporate (INWI)). Zusätzlich trugen die Betreiber die technischen Implementierungskosten für die neuen Mobilfunknetze mit einer geschätzten Investitionssumme von 860,4 Mio. MAD.

Marokko benötigt schnellen Ausbau der Mobilfunktechnologie.

Insgesamt spielt neben der politischen Stabilität eines Landes auch dessen Infrastruktur eine große Rolle, wenn es um Investitionen insbesondere aus dem Ausland geht. Moderne Telekommunikationsnetze sind ein Wettbewerbsvorteil und eine Grundlage für den Datenaustausch zwischen Wirtschaftsakteuren. Zusätzlich setzt der Staat zunehmend auf Digitalisierung, z.B. im Kampf gegen Korruption im öffentlichen Dienst und Steuerhinterziehung durch die Nutzung von Schwarzgeld. Neue digitale Zahlungsmethoden und der grundsätzliche Zugang zu Finanzdienstleistungen für alle Bevölkerungsteile sollen mit Hilfe der Digitalisierung ermöglicht werden. Hier schaut man auf China und Teilen der USA (Silicon Valley) aber auch nach Kenia und Ruanda, wo sich neue Softwarebranchen entwickelt haben.

Zugleich hat die Coronavirus – Pandemie schonungslos Defizite im sozialen Gefüge und im Gesundheits- sowie im Bildungswesen aufgezeigt. Neue leistungsfähige Datengeschwindigkeiten per Mobilfunk sollen durch Fernunterricht und auch durch Telemedizin einen Beitrag zur Entwicklung von schwer zugänglichen Regionen leisten, weil oft ein Breitbandnetz per Glasfaser logistisch und wirtschaftlich nicht möglich erscheint.

Marokko – Wettrennen um 5G – Netze.

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