Marokko – Start von Afrikas erstem Hochgeschwindigkeitszug rückt näher.

Gesamtkosten zwischen 2-3 Milliarde Euro.

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TGV
Marokkos TGV kurz vor dem Start.

Testphase ist in wenigen Wochen beendet. Afrikas größter Bahnhof soll bis Juni fertiggestellt sein.

Marokko hat in den letzten rund 20 Jahren enorme Investitionen in die Infrastruktur getätigt. Insbesondere der Norden und Nordosten des Landes haben davon profitiert. Eine Region von Tanger-Tetouan bis Oujda erfuhr und profitierte von umfangreichen Bauprojekten. Auch im Vergleich zu den Aktivitäten auf dem afrikanischen Kontinent kann man in Marokko von Mega-Projekten sprechen. Dazu gehören die umfangreichen Sonderwirtschaftszonen, Mohammed VI. Tangier Tech, die neuen Hafenanlagen Tanger Med und Nador / Al-Hoceima sowie der Solar-Park Noor I-IV. Mit in diese Reihe gehört die Fertigstellung der ersten Strecke für Afrikas ersten Hochgeschwindigkeitszug sowie Afrikas größter Bahnhof. Wie jetzt die marokkanische Eisenbahngesellschaft ONCF meldet, laufe die letzten Test- und Trainingsfahrten nach Plan. Der Start für den Regelverkehr ist noch für diesen Sommer geplant. Der Vorstand der ONCF hat am letzten Dienstag während einer Vorstandssitzung, die unter der Leitung des Ministers für Ausrüstung und Transport Abdelkader Amara stattgefunden hat, die Planungen bestätigt.

Größter Bahnhof Afrikas soll bis Sommer fertiggestellt sein.

Hochgeschwindigkeitszug
Afrikas größter Bahnhof Rabat Agdal

Entlang der Strecke werden zahlreiche Bahnhöfe neu gestaltet. Zusätzlich wird am größten Bahnhof Afrikas gearbeitet. Der Bahnhof Rabat – Agdal, der eine Fläche von 22.000 Quadratmetern haben wird, soll rechtzeitig fertiggestellt sein. Bis zum Jahr 2025 werden alleine für Rabat – Agdal ca. 30 Millionen Passagiere pro Jahr erwartet. Umgebaut wird der Gare Kenitra, Gare Rabat Ville und Casa Voyageur sowie Tanger.

Regelbetrieb für Juni 2018 geplant.

Für den kommenden Juni ist der Start des Regelbetriebs des ersten Teilstücks geplant. Der Hochgeschwindigkeitszug des Typs TGV soll die Finanzmetropole Casablanca mit dem neuen Wirtschaftszentrum Tanger verbinden. Allerdings erreicht der TGV nur auf der Strecke Kenitra – Tanger eine Reisegeschwindigkeit von ca. 320 km/h. Damit verkürzt sich die Reisezeit auf 50 min. Sowohl die Streckenlänge als auch die Reisezeit entspricht dann der Verbindung Köln – Frankfurt am Main Fernbahnhof. Von Kenitra nach Casablanca wird der TGV eine Reisegeschwindigkeit von ca. 220 km/h erreichen. Insgesamt reduziert sich die Reisezeit zwischen den beiden Wirtschaftszentren von ursprünglich ca. fünf Stunden auf etwas mehr als zwei Stunden. Bereits beim Beginn der Planungen im Jahr 2005 und bei der Vertragsunterzeichnung zwischen Frankreich und Marokko im Jahr 2010 war eine Streckenverlängerung bis nach Marrakech vorgesehen. Sollte Marokko 2026 die FIFA WM austragen, soll der TGV dann bis Marrakech fahren.

Marokko testet Hochgeschwindigkeitszüge
Marokko testet Hochgeschwindigkeitszüge

Gesamtkosten zwischen 2-3 Milliarde Euro.

Bei den bisherigen Investitionskosten gibt es unterschiedliche Angaben. Marokko beziffert die Kosten auf rund 2 Milliarden Euro. In französischen und deutschen Medien werden teilweise 3 Milliarden Euro genannt. Beauftragt mit dem Bau der Strecke sowie der dazu gehörenden Infrastruktur wurde die französische Eisenbahngesellschaft SNCF. Lieferant der Züge ist der ebenfalls französische Konzern Alstom. Der Betrieb selbst wird von der marokkanischen Eisenbahngesellschaft ONCF wahrgenommen. Die Kosten sind auf mehrere Investoren verteilt. Hauptinvestor ist die marokkanische Regierung über die ONCF. Aber auch Frankreich, Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate haben zur Gesamtfinanzierung beigetragen.

Sechs Millionen Passagiere innerhalb der ersten drei Jahre erwartet.

Die nationale Eisenbahngesellschaft ONCF erwartet ca. sechs Millionen Passagiere binnen der ersten drei Jahre. Danach sollen die Passagierzahlen stabil angewachsen sein. „Wir streben nach drei Jahren kommerziellen Betriebs sechs Millionen Passagiere pro Jahr an, statt bisher drei Millionen“, sagte Mohamed Rabie Khlie, Generaldirektor der nationalen Eisenbahngesellschaft ONCF, kürzlich in einem Interview mit Le Monde. „Dies sollte uns in die Lage versetzen, eine Betriebsmarge zu erzielen, die weit über der von konventionellen Zügen liegt und die Investitionen rechtfertigen wird.“

Hochgeschwindigkeitszüge nicht unumstritten in Marokko

Die marokkanische Regierung hofft, dass die Züge dem Land Wohlstand und Prestige bringen. Die Menschen in Marokko sollen erleben, dass das Königreich an der technologischen Spitze Afrikas stehen möchte und solche Projekte, die es sonst nur in Europa oder Asien gibt, ebenfalls umsetzen kann. Gleichzeitig soll der marokkanische TGV das Land und die Wirtschaftszentren am Mittelmeer sowie am Atlantik enger verbinden. Doch nicht wenige im Land kritisieren die enormen Investitionssummen und zweifeln an der Notwendigkeit. Angesichts der Defizite im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie der noch immer weit verbreiteten Armut wird diskutiert, ob man das Geld nicht an andere Stelle hätte ausgeben können oder müssen. Auch die Disparität zwischen den Regionen würde sich vergrößern, so die Kritiker. Während die Küstenregionen sich zügig entwickeln, bleibt das Landesinnere noch weiter zurück.

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