Marokko – Tesla baut erste Supercharger Afrikas in Marokko auf.

Europäische Hersteller weiterhin nicht ernsthaft engagiert.

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Tesla
Tesla Ladestation (Supercharger)

Erste offizielle Landestationen für Elektrofahrzeuge des amerikanischen Herstellers Tesla in Casablanca und Tanger gesichtet.

Casablanca – Das nordafrikanische Königreich Marokko rückt offenbar stärker in den Aufmerksamkeitsbereich von Elon Musk, dem Gründer des Elektromobilkonzerns Tesla aus Kalifornien. Bereist 2021 vergab Tesla einen Produktionsauftrag an den US-amerikanischen Zulieferer STMicroelctronics, für die Herstellung von Halbleiterkomponenten, der diese Bauteile in seinem Werk in Bouskoura in der Region Casablanca produzieren lässt. Seit einigen Jahren hat Elon Musk immer wieder den Wunsch geäußert, mit der Marke Tesla auf dem afrikanischen Markt aktiv zu werden. Bisher nahm man an, dass er sein Heimatland Südafrika dabei meinte. Doch es gibt erste Signale über einen bevorstehenden Markteintritt in Marokko.

Elektromarkt in Marokko noch in den Kinderschuhen.

In Marokko gab es weder ein eigenes Tesla Supercharger Ladenetzwerk noch sog. Service – Center des Herstellers. Nur wenige Enthusiasten importierten mit einigen Mühen Fahrzeuge, entweder aus Europa oder gar den USA, mit den damit verbundenen Kompatibilitätsproblemen, und schlossen sich im Tesla Club Maroc zusammen.

Gerade in den Großstädten Tanger, Rabat, Casablanca und Marrakech werden vereinzelt immer wieder Fahrzeuge der Modell S und 3 gesichtet. Auch erste Modell X Fahrzeuge sind unterwegs.

Beim Laden mussten die Eigentümer auf importierte Wallboxen für zuhause oder vom Club selbst eingerichtete Ladepunkte zurückgreifen. Erst seit kurzem können wenige öffentliche Ladesäulen an den Autobahnen zwischen Casablanca und Rabat genutzt werden. Die gesamte Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge steckt in Marokko in den Kinderschuhen, obwohl das Land zu den weltweiten Pionieren bei der Produktion von erneuerbarer Energie gehört und man angekündigt hatte, den staatlichen Fuhrpark in den kommenden Jahren auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge umzustellen. Doch ein Markteinstieg durch Tesla und dem damit verbundenen Aufbau eines Ladenetzes, könnte dem Land einen Schub geben.

Tesla
Model 3 des US-Amerikanischen Herstellers Tesla

Supercharger in Casablanca und Tanger aufgebaut.

Bevor Tesla sich in einem Markt vollständig engagiert, baute das Unternehmen bisher zunächst ein Ladenetzwerk mit ausreichenden Ladepunkte auf, damit Fahrer ihrer Fahrzeuge weiträumig bewegen können. Auch ein Service Center Netzwerk geht in der Regel einem Markteintritt voraus.

Genau dies wird derzeit im Königreich Marokko beobachtet. Ende der letzten Woche wurden in den sozialen Medien Hinweise bekannt, dass erste offizielle Ladepunkte mit derzeit 150 KW Supercharger aufgebaut werden. In den sozialen Netzwerken kursierende Fotos, sollen die sog. Supercharger von Tesla nahe Tanger und Rabat zeigen. Tesla hat die neuen Stationen demnach im Onomo Hotel in Casablanca und im Hilton Al Houara Resort and Spa in Tanger eröffnet. Es stehen jeweils 8 Ladepunkte zur Verfügung. Das wären die ersten offiziellen Tesla Supercharger nicht nur in Marokko, sondern in ganz Afrika.

Europäische Hersteller weiterhin nicht ernsthaft in Marokko engagiert.

Wieder könnte Tesla in einen Markt frühzeitig einsteigen, den die europäischen Hersteller zu abwarten verschlafen könnten. Auch wenn die Kaufkraft in der Breite für aktuell noch teure Elektrofahrzeuge, wie sie Tesla derzeit noch anbietet, in Marokko nicht gegeben zu sein scheint, so gibt es aber Personenkreise, die sich auch indem Königreich Elektrofahrzeuge hoher Preiskategorien leisten können. Der Markt ist kleiner aber dann auch schneller ausgeschöpft und erobert, insbesondere für den, der als Pionier vorangeht. Europäische Fahrzeughersteller scheinen nicht dazu gehören zu wollen, obwohl Marken wie Mercedes, BMW und Skoda einen guten Ruf genießen. Zwar wollen Hersteller wie Renault erste Fahrzeuge wie die Zoe oder den Dacia Spring zunehmend anbieten, doch die Investitionen in eine mögliche Ladeinfrastruktur will man wie in Europa der öffentlichen Hand überlassen.

Trotz günstiger Produktionsmöglichkeiten baut weder Renault noch die PSA ihre Elektromodelle in Marokko. Lediglich Citroen will das Kleinstfahrzeug Ami (Baugleich mit dem Opel Rocket-e) nahe Kenitra bauen lassen, allerdings für den Europäischen Markt. Da Tesla auch ein günstiges Kompaktfahrzeug in der Planung hat, das die gehobene Mittelschicht in Marokko erreichen könnte, und das Königreich sicher zukünftig eher in Richtung USA als nach Europa ausrichten wird, wird der Markt für Flottenfahrzeuge mit Elektroantrieb, die auch in Marokko steuerlich begünstigt sind, ein schwieriges Pflaster für alle Späteinsteiger werden können, insbesondere wenn die chinesischen Hersteller ihre Produktionsstätten in der Retortenstadt Mohammed VI. Tanger Tech fertiggestellt haben werden und auch die Qualität liefern können, die sie auf der diesjährigen IAA in München präsentierten.

Marokko – Öffentliche Hand setzt auf alternative Antriebe.

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