Marokko – Unternehmensgründungen bis Ende Mai um 18% gesunken.

Traditionelle Geschäftsideen und Wirtschaftssektoren dominieren bei Unternehmensgründungen.

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Die Zahl der Unternehmendgründungen (Start-up) pro Monat geht kontinuierlich zurück.

Rabat – Der Rückgang der Unternehmensgründungen zeigt sich vom Niveau bis Ende Mai 2022 kontinuierlich. Laut Amine Diouri, Direktor für Forschung und Kommunikation bei Inforisk Dun&Bradstreet, wird sich dieser Trend für den Rest des Jahres fortsetzen.
Das düstere Wirtschaftsklima bzw. die mangelnde Perspektive schaffen wenig Vertrauen. In der ersten Hälfte des Jahres 2022 stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 10 % gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2021.

Nach den letzten verfügbaren Zahlen des marokkanischen Amtes für gewerbliches und kommerzielles Eigentum (OMPIC) seien die Gründungen von Unternehmen bis Ende Mai 2022 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2021 weiter zurück gegangen. In diesem Zeitraum wurden 39.734 Unternehmen gegründet, was einem Rückgang von 18% im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2021 entspricht.

Im Vergleich zu Ende Mai 2020 sei die Zahl der neuen Unternehmen um 58,5% gestiegen. Es sei daran erinnert, dass in diesem Jahr ab dem 20. März ein kompletter pandemiebedingter wirtschaftlicher Stillstand herrschte. Im Mai 2020 lag die Zahl der neuen Unternehmen bei 680 und im Mai 2022 bei 7.175. Im Vergleich zu einem normalen Jahr wie 2019 sei die Zahl der Betriebe Ende Mai 2022 um 12% gesunken. Allein im Mai 2022 wurde ein Rückgang der Unternehmensgründungen um 19% im Vergleich zu Mai 2021 beobachtet, mit 7.175 Gründungen gegenüber 8.839 im Mai 2021.

Überwiegend juristische Personen

Nach Art des Unternehmens wurden bis Ende Mai 2022 27.812 Unternehmen von juristischen Personen und 11.922 von natürlichen Personen gegründet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (2021) sank die Zahl der Unternehmen von juristischen Personen um 17,4% und die Zahl der Unternehmen von natürlichen Personen um 19,4%. In diesem Zeitraum waren die Rechtsformen der gegründeten Unternehmen zu 62,5% Gesellschaften mit beschränkter Haftung mit einem einzigen Gesellschafter (SARLAU) und zu 37,2% GmbHs. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren 54,3% der gegründeten Unternehmen SARLAUs und 45,2% GmbHs, was auf eine zunehmende Beliebtheit von Ein-Personen-Gesellschaften hindeutet.

Schwierige Wirtschaftslage

Amine Diouri führt den Rückgang auf eine sehr ungünstige wirtschaftliche Lage zurück. Laut einer Studie von Inforisk, deren Einzelheiten in einigen Wochen veröffentlicht werden, sei die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2022 um 10 % im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 gestiegen.

„Wir müssen uns bewusst machen, dass die Gründung eines Unternehmens hauptsächlich auf Perspektive / Aussichten basiert. Wenn man zu der Covid-Krise, die wir nicht überwunden haben, noch den Krieg in der Ukraine und seine Folgen hinzufügt, seien die Aussichten sehr unsicher. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Investitionen und die Bereitschaft zu unternehmerischer Tätigkeit“, erklärte er.

Die Einschätzungen gehen davon aus, dass diese düstere Stimmung und die hohe Ungewissheit voraussichtlich das ganze Jahr über anhalten werden. „Das Klima wird sich wahrscheinlich bis zum Ende des Jahres nicht ändern, also sollten wir uns nicht zu früh freuen. Wir erleben eine Covid-Krise, die nicht hinter uns liegt, und einen starken wirtschaftlichen Abschwung. Es ist schwierig, Genaueres vorherzusagen. Ich denke, dass sich der derzeitige Trend eines Rückgangs der Unternehmensgründungen um -18% bis -20% in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen wird. Auf eine Besserung zu hoffen, wäre eine Illusion, denn wir sehen nicht wirklich einen wirtschaftlichen Hebel, um diesen Trend umzukehren“, erklärte Amine Diouri gegenüber LeBoursier.

Casablanca vereinigt weiterhin die meisten Unternehmensgründungen.

In Casablanca wurden 28,4 % der Unternehmen gegründet, während es in Tanger und Rabat jeweils fast 14 % waren. In der wirtschaftlichen Metropolregion wurden bis Ende Mai 2022 11.305 neue Unternehmen registriert. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2021 ist die Zahl der Neugründungen jedoch um 15,3 % zurückgegangen.

Ende Mai dieses Jahres waren in der Region Tanger-Tetouan-Al Hoceïma 5.472 Unternehmensgründungen registriert, was 13,7% der Gesamtzahl entspricht. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2021 sei die Zahl der Unternehmensgründungen in der Region um 6,3 % zurückgegangen. Die Region Rabat-Salé-Kénitra, die an dritter Stelle liegt und fast gleichauf mit der vorherigen Region scheint, zählte Ende Mai 2022 5.438 Start-ups. Im Vergleich zu Ende Mai 2021 ist die Zahl der Neugründungen um 23,6% zurückgegangen.

Traditionelle Geschäftsideen und Wirtschaftssektoren dominieren bei Unternehmensgründungen.

Die Zahl der Gründungen im Handelssektor nimmt weiter ab, zugunsten der Dienstleistungen und des Bausektors.

Die Start-up-Sektoren bleiben Ende Mai 2022 im Wesentlichen traditionell mit denselben drei Säulen, nämlich Handel, Baugewerbe und Immobilien und andere Dienstleistungen. Dieser sei ein anhaltendender Trend „wahrscheinlich auf die Tatsache zurückzuführen, dass der Handel sehr wettbewerbsintensiv ist und sehr hohen Investitionen bedarf, was die Menschen weniger geneigt macht, ein Unternehmen in diesem Sektor zu gründen”.

In der Tat nimmt der Anteil der im Handelssektor gegründeten Unternehmen allmählich ab. Dieser Trend setzt sich bis Ende Mai 2022 fort. Z.B. fielen im Jahr 2019 von Januar bis Mai 43,42% der gegründeten Unternehmen in diesen Sektor. In den ersten fünf Monaten der Jahre 2020, 2021 bzw. 2022 sank der Anteil der im Handelssektor gegründeten Unternehmen allmählich auf 40,31%, 37,15% bzw. 35,89%.

Im Gegensatz dazu stieg der Anteil der Unternehmen, die im Bau- und Immobiliensektor gegründet wurden, im gleichen Zeitraum stetig an. Ende Mai 2020 waren 16,41% der gegründeten Unternehmen in diesem Sektor tätig. Dieser Anteil stieg weiter an und erreichte Ende Mai 2022 18,45% der gegründeten Unternehmen. Laut Amine Diouri wird sich dieser Trend jedoch nicht dauerhaft fortsetzen. „Der Bausektor hat von einigen Erleichterungen profitiert, aber dies wird wahrscheinlich nicht lange anhalten, da die Rohstoffpreise stark gestiegen sind. Außerdem verlangsamt sich das Tempo und der Zementverbrauch geht zurück. Ein Gebäude, das gestern noch 100 kostete, wird heute 150 oder 200 kosten“, erklärte er.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg der Anteil der Unternehmensgründungen im Bereich der sonstigen Dienstleistungen von 15,51% auf 17,25% in diesem Jahr.

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