Marokko – Weltbank diskutiert Entwicklungsstrategie mit Regierung

Marokko und Weltbank stellen Bildung und Beschäftigung in den Mittelpunkt

Weltbank
links Marokkanischer Minister für Finanzen u. Wirtschaft Benchaaboun - rechts Vizepräsident Weltbank für MENA Ferid Belhaj

Vizepräsident der Weltbank für die Region MENA zu Gesprächen in Marokko.

Rabat – Seit gestern ist der neue Vizepräsident der Weltbank für die Region MENA in Marokko. Ferid Belhaj ist seit Juni dieses Jahres auch für Marokko zuständig und führt vom 27.-29. August 2018 Gespräche mit Vertretern der Regierung, der Finanzbranche und der Zivilgesellschaft. Für Ferid Belhaj ist es der erste Besuch in seiner neuen Rolle in Marokko. Der dreitägige Aufenthalt im Königreich ist aber nicht nur ein Antritts- und Höflichkeitsbesuch. Die Weltbank will sich über die eingeleiteten Wirtschaftsreformen informieren. Auf der Agenda stehen auch Gespräche über neue Rahmenbedingungen für zukünftige Finanzierungsrunden. Die Weltbank will sich über Entwicklungen und Strategien vor Ort selbst ein Bild machen.

Marokko und Weltbank suchen neuen strategischen Rahmen für die weitere Zusammenarbeit

„Marokko und die Weltbank werden in naher Zukunft in eine neue Phase eintreten, die die Schaffung eines strategischen Rahmens für die Zusammenarbeit ermöglicht“, sagte Ferid Belhaj. Dieser strategische Rahmen scheint Voraussetzung für die kommenden Finanzierungsrunden. Nach einem Gespräch am gestrigen Montag mit dem neuen marokkanischen Finanz- und Wirtschaftsminister, Mohamed Benchaaboun, äußerte sich Belhaj: „Diese Phase wird eine Grundlage für die Interventionen der Weltbank auf der Ebene der monetären und technischen Unterstützung bilden. Das Königreich hat mehrere Programme von großer wirtschaftlicher Bedeutung aufgelegt“, fügte er hinzu und stellte fest, dass sein Treffen mit dem marokkanischen Minister eine Gelegenheit war, den Stand der Beziehungen und die langjährige Zusammenarbeit zwischen Marokko und der Weltbank zu überprüfen.

MENA
Ferid Belhaj Vizepräsident Weltbank MENA Region

Marokko und Weltbank stellen Bildung und Beschäftigung in den Mittelpunkt

Der marokkanische Minister wies seinerseits darauf hin, dass das Partnerschaftsprogramm zwischen Marokko und der Weltbank für den Zeitraum 2019-2023 der Jugend und der Beschäftigung Vorrang einräumen wird. Im weiteren Gespräch informierte Minister Benchaaboun den Vertreter der Weltbank über die Entwicklungen der gemeinsamen Projekte in den letzten vier Jahren. Nach Angaben des Ministers ist das zur Verfügung gestellte Budget von vier Milliarden US-Dollar „voll ausgeschöpft“ worden. Marokko und die Weltbank verhandeln über weitere Finanzierungsrahmen für Entwicklungsprojekte bis zum Jahr 2023.

Mohamed Benchaaboun
Marokkanischer Minister für Finanzen und Wirtschaft – Mohamed Benchaaboun

Weltbank fordert weitere Reformen

Große Besorgnis bei der Weltbank lösen die weiterhin hohe Jugendarbeitslosigkeit, das Haushalts- und das Außenhandelsdefizit aus. Marokkos Wirtschaft, das Sozialsystem und die gesellschaftliche Entwicklung hinken den Erwartungen deutlich hinterher. In New York ist man gemeinsam mit dem IWF daran interessiert die Voraussetzungen für eine weitere Liberalisierung des Wechselkurses zu schaffen.

Weitere Schwerpunkte sind:
Weiterentwicklung bei der Gleichstellung der Geschlechter zum Zwecke der Potentialentwicklung für die Wirtschaft.

Reformen der Sozialsysteme, insbesondere im Bereich Gesundheit

Umbau der staatlichen Strukturen durch Dezentralisierung der Verwaltung und Einführung von digitalen Systemen in der lokalen Administration. Hier soll durch Technologie mehr Effizienz aber auch mehr Transparenz im Regierungshandeln geschaffen werden.

Marokko will Zugang zu Finanzmärkten und Bürgschaften

Der Minister machte klar, dass man die Reformen befürwortet, doch für die weitere Entwicklung bedarf es weitere Unterstützung. So benötigt Marokko einen besseren Zugang zum internationalen Finanzmarkt. Dieser Zugang wird vor allem für die Stärkung der regionalen Investitionszentren (RIC) benötigt, so Minister Benchaaboun. Dies gilt aber nicht nur für die RIC, sondern allgemein für marokkanische Unternehmen. „Wir fordern außerdem eine umfassende Unterstützung für marokkanische Unternehmen, um einerseits den Zugang zu Finanzmitteln zu erleichtern, indem eine Reihe innovativer Mechanismen in Form von Garantien (Bürgschaften) geschaffen werden, und um andererseits denjenigen, die in der informellen Wirtschaft tätig sind, den Übergang zu einer formalen Wirtschaft zu ermöglichen.“ Bei ersterem ist die Weltbank und der IWF in der Lage zu helfen, sofern man die Garantien (Bürgschaften) als risikoarm bewertet. Bei letzterem muss Marokko Anreize schaffen, so wie es in einigen Staaten Zentralafrikas geschieht.

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