Zeitungen: Parlament von Marokko in Rabat
Parlament Rabat Marokko

Viele Menschen lesen Zeitungen, die sie nicht selbst gekauft haben.

 

Laut einer Studie des marokkanischen Zeitungsverbandes FMEJ gehen den Verlegern pro Jahr 139 Mio. € an Einnahmen verloren,weil

Viele Käufer von Zeitungen und Magazinen vernichten, laut der Studie, die Zeitschriften und Zeitungen nach dem Lesen nicht, sondern lassen diese an öffentlichen Plätzen, wie Bahnhöfen, Cafés, Schulen und Universitäten einfach liegen. Dadurch haben weitere Personen dann die Möglichkeit, ohne erneut dafür bezahlen zu müssen, die Printerzeugnisse zu nutzen, womit den Verlegern Umsatz verloren geht. Der einflussreiche Verband hat nun die Regierung dazu bewegen können ein neues Gesetzt zu schaffen, was das Lesen von Printmedien in der Öffentlichkeit verbietet. Dadurch soll verhindert werden, dass Zeitschriften nicht mehr ohne zu bezahlen gelesen werden können.

Der marokkanische Minister für Kommunikation und Medien Mustapha Khalfi, der zugleich auch Regierungssprecher ist, kündiget in Rabat eine entsprechende Überarbeitung des Mediengesetzes an. Damit sollen die Einnahmen für die Verlage gesichert werden.
Wie der Verband auf den vermeintlich entgangenen Umsatz von 139 Mio. € kommt ist schwierig nachzuvollziehen und ob das Ganze unter dem Strich tatsächlich erfolgreich sein wird, kann bezweifelt werden. Denn viele Nichtkäufer haben nicht die nötige Kaufkraft dann zu Käufern zu werden. Gleichzeitig hat sich der Zugang zu alternativen Informationsquellen in den letzten Jahren deutlich verbessert. Neben dem Satellitenfernsehen und zusätzlichen terrestrischen Empfangsmöglichkeiten spielt immer mehr das Internet eine wichtige Rolle bei der Beschaffung von Nachrichten. Gerade die sozialen Netzwerke wie Facebook aber auch die Suchmaschine Google setzen die Verleger, bzgl. ihres digitalen Geschäftes unter Druck und Zugzwang. Daher kündigte der Verband auch an in Verhandlungen mit führenden Werbevermarktern wie Google treten zu wollen um die Verteilung der Werbeumsätze neu zu organisieren. Insgesamt besteht die Gefahr einer Milchmädchenrechnung. Der Ausschluss der Zweitleser von Printerzeugnissen könnte die Gesamtreichweite der Medien verringern, was sich auf die Werbepreise auswirken könnte. Denn sinkt die Reichweite für die Printmedien, dann werden die Werbekunden auch weniger bereit sein die Werbepreise zu bezahlen und nach Preissenkungen oder höheren Rabatten fragen. Ebenso würden die Zweitleser abwandern, zu anderen „kostenfreien“ Medien und dort die Reichweiteanteile erhöhen sowie deren Werbemarktanteil steigen lassen. Gleichzeitig sind die Verleger nicht für den digitalen Werbemarkt und den Kampf gegen Google und Co vorbereitet und könnten an der Macht der Internetkonzerne scheitern. Ähnliche Erfahrungen machen die Verleger in Europa. Auch hier hat man sich mit den Internetkonzernen an einen Tisch setzen wollen und ist an der Trafficabhängigkeit von Google letztendlich gescheitert.