Marokko – Wirtschaft schrumpft 2020 um 5,2% und wächst 2021 um 4,2%.

Staatsverschuldung steigt deutlich an.

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Marokkanischen Zentralbank
Abdellatif Jouahri Chef der marokkanischen Zentralbank

Zentralbank gibt Einschätzung ab, zu den wirtschaftlichen Entwicklungen in den nächsten 18 Monaten und verweist auf große Unsicherheiten durch die Coronavirus-Pandemie.

Rabat – Die makroökonomischen Projektionen der Zentralbank über die aktuelle und zukünftige Wirtschaftslage, die angesichts der nach wie vor bestehenden Coronavirus-Pandemie mit einem ungewöhnlich hohen Maß an Unsicherheit behaftet sind, weisen eindeutig auf eine starke Abschwächung der Volkswirtschaft in diesem Jahr hin, gefolgt von einer erwarteten Erholung im Jahr 2021.

Die Bank Al Maghrib erklärt, dass sie angesichts der erheblichen Unsicherheiten bei der Entwicklung der wirtschaftlichen Lage, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, die Situation genau beobachten und ihre Prognosen regelmäßig aktualisieren und wahrscheinliche Entwicklungsszenarien ermitteln wird. Wenn es die Umstände erfordern, beruft sie vor der für den 22. September geplanten Vorstandssitzung eine außerordentliche Sitzung ihres Rates ein.

Marokkanische Volkswirtschaft schrumpft 2020 um 5,2%. Für 2021 wird ein Wachstum von 4,2% erwartet.

Nach der Sitzung des Vorstands erläuterte der Walli der Zentralbank, Abdellatif Jouahri, die Sitzungsergebnisse und die Prognosen für die Volkswirtschaft des nordafrikanischen Königreichs gegenüber Analysten und Journalisten in einer Videokonferenz (Aufzeichnung am Ende des Artikels).

Die marokkanische Volkswirtschaft, die unter der kombinierten Wirkung von Dürre und Eindämmungsmaßnahmen zur Begrenzung der Ausbreitung von Covid-19 leidet, würde nach den Prognosen der Bank Al-Maghrib im Jahr 2020 um 5,2% schrumpfen. Dies wäre der stärkste Rückgang seit 1996.

Die landwirtschaftliche Wertschöpfung wird voraussichtlich um 4,6% zurückgehen, wobei die Getreideernte vom Landwirtschaftsministerium auf 30 Millionen Doppelzentnern geschätzt wird. Die nicht-landwirtschaftlichen Wirtschaftssektoren werden um 5,3% zurückgehen, so die Zentralbank.

Im Jahr 2021 würde das Wachstum wieder auf 4,2% ansteigen, mit einem Anstieg der landwirtschaftlichen Wertschöpfung um 12,4%, unter der Annahme einer Getreideproduktion von 75 Millionen Doppelzentnern und einer Verbesserung des Wachstums der nicht-landwirtschaftlichen Sektoren auf 3,1%.

Landwirtschaft
Landwirtschaft wichtiger wirtschaftlicher Sektor.

Angesichts der dynamischen und unsicheren Lage sind diese Prognosen nach wie vor mit beträchtlicher Unsicherheit behaftet. Je nach Umfang und Geschwindigkeit der Erholung der Wirtschaftstätigkeit oder einer anhaltenden Schwäche der Auslandsnachfrage sowie Unterbrechungen der Lieferketten würde die Rezession in der Tat viel deutlicher ausfallen.

Inflation bleibt auf niedrigem Niveau.

Die Bank Al-Maghrib hat am vergangenen Dienstag den Leitzins auf 1,5% gesenkt und Rahmenbedingungen geschaffen, die dazu geeignet sind die Geldmenge im Land zu erhöhen. Trotz einer erhöhten Geldmenge geht die Zentralbank nicht von einer steigenden Inflation aus. Nach durchschnittlich 1,4% im ersten Quartal 2020 sank die Inflation im April auf 0,9%, was hauptsächlich auf den Preisrückgang bei Kraftstoffen und Schmiermitteln zurückzuführen ist.

Mittelfristig und vor dem Hintergrund eines geringen nachfragebedingten Inflationsdrucks und niedriger Rohstoffpreise dürfte sie nach den Prognosen der BAM sowohl 2020 als auch 2021 auf einem moderaten Niveau von rund 1% bleiben.

Außenhandelsbilanz schrumpft deutlich.

Für das Jahr 2020 wird ein Rückgang der Exporte von insgesamt 15,8% erwartet. Alle Wirtschaftssektoren werden im laufenden Jahr weniger Waren ins Ausland liefern. Bezogen auf den Warenwert werden vor allem die Exporte aus der Automobilindustrie und Verkäufe aus dem Textil- und Bekleidungssektor deutliche die negativen Exportwerte beeinflussen. Für die Lederindustrie kommen die Unterbrechung der Lieferketten und die Schwächung der Auslandsnachfrage zum Tragen.

Gleichzeitig erwartet die Zentralbank, dass die Importe wertmäßig um 10,7% zurückgehen werden, was hauptsächlich auf die Senkung der Energiepreise und auf geringere Käufe von Investitionsgütern zurückzuführen ist.

Handelsbilanz
Weltweiter Handel

Die Einkünfte aus dem Tourismus dürften einen starken Rückgang um 60% und die Transfers von im Ausland lebenden Marokkanerinnen und Marokkaner (MRE) um 25% verzeichnen.

Im Jahr 2021 wird erwartet, dass sich die Exporte etwas erholen werden, unterstützt durch eine verbesserte globale Nachfrage und die Ausweitung der Produktionskapazitäten im Automobilsektor, wenn auch langsamer als bisher angenommen. Es wird erwartet, dass sich die Tourismuseinnahmen und MRE-Transfers um 60% bzw. 5,2% erholen werden, was das allmähliche Abklingen der Auswirkungen des Pandemieschocks widerspiegelt.

Des Weiteren wird erwartet, dass die ausländischen Direktinvestitionen in diesem Jahr wieder den Gegenwert von 1,5% des BIP erreichen werden, bevor sie 2021 wieder ihr Trend-Niveau von 3,2% des BIP erreichen.

Nationale Devisenreserven steigen an, wegen Kreditaufnahme im Ausland.

Unter Berücksichtigung des erwarteten erheblichen Anstiegs der internationalen Kreditaufnahmen des Finanzministeriums würden sich die offiziellen Währungsreserven im Jahr 2020 auf 218,6 Mrd. marokkanische Dirham MAD und im Jahr 2021 auf 221,7 Mrd. MAD belaufen, so dass die Importe von Waren und Dienstleistungen sowohl 2020 als auch 2021 für etwa 5 Monate gedeckt wären.

Devisenreserven
Devisenreserven Marokko

Staatsverschuldung steigt deutlich an.

Auf der Grundlage der verfügbaren Schätzungen wird das Haushaltsdefizit ohne Privatisierung voraussichtlich von 4,1% des BIP im Jahr 2019 auf 7,6% im Jahr 2020 ansteigen, bevor es 2021 auf 5% zurückgeht. Unter diesen Bedingungen wird erwartet, dass die Verschuldung des Staates von 65,0% des BIP im Jahr 2019 auf 75,3% im Jahr 2020 und 75,4% im Jahr 2021 ansteigen wird.

Vollständige Vorstellung der Zentralbank als Video:

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