Marokko – Zentralbank BAM veröffentlicht aktuelle Wirtschaftsdaten.

Starker Ausschlag bei der Inflation bleibt auf 2018 beschränkt.

Zentralbank
Marokkanische Zentralbank Banq Al Magrib

Werte zu Inflation, Wachstum und Prognosen. Leitzins bleibt unverändert.

Rabat – Die Bank Al Maghrib (BAM) legte am letzten Dienstag (19. Juni 2018) ihren aktuellen Bericht zur Wirtschaftslage in Marokko vor. Die vorgelegten Zahlen beziehen sich auf das erste Quartal 2018.

Am Rande der letzten Sitzung des Vorstands der marokkanischen Zentralbank BAM erläuterte ihr Chef, Abdellatif Jouahri, die makroökonomischen Daten des Königreichs sowie die Prognosen der Bank Al Maghrib (BAM) für das kommende Jahr.

Marokkanischen Zentralbank
Abdellatif Jouahri Chef der marokkanischen Zentralbank

Leitzins bleibt bei 2,25% unverändert.

Für die Kreditwirtschaft in Marokko und für internationale Investoren vor ab die gute Nachricht. Marokkos Leitzins bleibt unverändert. Nach Bewertung der international üblichen Kennzahlen zur Inflation, internationalen Wirtschaftsdaten und des nationalen Wachstums beschloss der Zentralbankrat den Leitzins unverändert bei 2,25% zu belassen.

Inflation ist angestiegen. Lebensmittel sind spürbar teurer geworden.

In den ersten vier Monaten des Jahres 2018 stieg die Inflation auf 2,7%. Im vierten Quartal 2017 lag diese offiziell noch bei 1,2%. Damit hat sich diese mehr als verdoppelt. Zwei Effekte führten zum Anstieg. Nach Angaben des Zentralbankchefs hat es „erhebliche Preissteigerungen sowohl bei Nahrungsmitteln, bei denen die Preise schwanken können, als auch bei regulierten Produktpreisen gegeben.“ Einen Teil des Anstiegs führt die BAM aber auch auf eine Änderung der statistischen Erhebungsmethode, zur Ermittlung der Inflation, zurück. Die „Hohe Kommission für Planung“ (HCP) hat zum Jahreswechsel den sog. „statistischen Warenkorb“ überarbeitet. Dabei wurden Produkte aus dem Non-Food Bereich mit einer höheren Bedeutung (statistischem Gewicht) berücksichtigt. Darunter vor allem Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Entsprechend wurde das statistische Gewicht von „Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken“ abgesenkt.

Starker Ausschlag bei der Inflation bleibt auf 2018 beschränkt.

Die Anpassungen im statistischen Warenkorb sollen die Verhaltensweisen der Marokkanerinnen und Marokkaner besser abbilden. Die Ausgaben in den Bereichen Bildung und Gesundheit haben einen größeren Anteil am Einkommen erreicht, so dass hier eine veränderte Gewichtung nötig wurde.

Der besonders hohe Anstieg der Inflation, soll laut dem Zentralbankchef, „vorübergehend“ sein. Aus seiner Sicht wird sich die Inflation im Jahr 2018 auf einem Niveau von 2,4% einpendeln, Bereits für das nächste Jahr 2019 soll die Inflation wieder auf 1,4% fallen. In diesem Jahr würde danach Marokko seine gesetzte Inflationsobergrenze von 2% überschreiten, um sie dann im Jahr 2019 deutlich zu unterschreiten. Der Zentralbankchef geht davon aus, das Marokko ab 2019 sein Inflationsziel von 2% wieder einhalten kann. Damit verfolgt Marokko eine nahezu identische Fiskalpolitik, hinsichtlich der Inflation, wie es auch der Euro-Raum tut.

Arbeitslosigkeit stagniert auf bekannt hohem Niveau.

Auf dem Arbeitsmarkt stieg die Zahl der Erwerbstätigen im ersten Quartal 2018 leicht um 0,8%. In den Städten stieg die Anzahl der Menschen, die einer Arbeit nachgingen, um 1,2%. Auf dem Land stieg diese nur um 0,2%. Insgesamt wurden in der marokkanischen Volkswirtschaft ca. 116.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Auf den Dienstleistungssektor entfielen dabei ca. 50.000 Stellen, in der Landwirtschaft kamen ca. 43.000 und im Baugewerbe weitere 32.000 hinzu. Insbesondere im Baugewerbe scheint sich die Situation relativ zu entspannen. Die BAM verweist auf die Werte der HCP für das vierte Quartal 2017. Danach gingen im Baugewerbe noch 9.000 Stellen verloren. Damit liegt die aktuelle offizielle Arbeitslosenquote bei 10,5% und sank gegenüber dem vierten Quartal 2017 (10,7%) um lediglich 0,2% Punkte.

Wirtschaftswachstum von der Landwirtschaft abhängig. Wachstum für 2018 von 3,6% erwartet.

Marokko ist ein Agrarland. Die Landwirtschaft ist der wichtigste Wachstumstreiber im Land. Im Jahr 2017 betrug das Wirtschaftswachstum 4,1% gegenüber 1,1% im Vorjahr 2016. Getragen wurde dieses Wachstum von einem außergewöhnlichen Erntejahr. Die Ernteerträge stiegen in der Saison 2016/2017 um 15,4%. Die nicht-landwirtschaftlichen Sektoren nahmen 2017 nur um 2,7% zu. Für 2018 erwartet die BAM ein Wachstum der landwirtschaftlichen Wertschöpfung von 5,7%. Für das nächste Jahr 2019 sinkt das Wachstum auf lediglich 1,7%. Das nationale Wachstum wird somit, nach den Prognosen der Zentralbanken, im Jahr 2018 bei 3,6% und im Jahr 2019 bei 3,1% liegen.

Prognosen
Prognosen zum Wirtschaftswachstum in Marokko für 2018

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht für 2018 von einem Wachstum des marokkanischen BIP von 3% aus. Das Bretton-Woods-Institut prognostiziert ein Wachstum von 4% für das Jahr 2019 und 4,5% bis zum Jahr 2022.

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