Marokko – Zweifel an rechtzeitiger 5G Mobilfunkeinführung

Öffnung des Marktes für Infrastrukturanbieter empfohlen.

1750
Mobilfunk
(c) MAGHREB-POST GmbH - Mobilfunkmast in Marokko Salé

Infrastrukturausbau hinkt Zielen und Planungen für Einführung des Mobilfunkstandards 5G deutlich hinterher.

Rabat – Im kommenden Jahr (2023) soll der neue Mobilfunktstandard 5G in Teilen Marokkos an den Start gehen. Vor allem in den Großstädten und Wirtschaftsmetropolen will man ein Hochgeschindigkeitsmobilfunknetz starten. Doch inzwischen werden deutlich ausgesprochene Zweifel an der rechtzeitigen Fertigstellung der benötigten Infrastruktur laut.

Der Grund dafür ist die Verzögerung bei der Entwicklung von Glasfasernetzen, so die Tageszeitung L’Economiste in einem Bericht vom 14. November 2022.

„Der Plan der Note d’orientations générales wird nicht in der Lage sein, die gesetzten Ziele zu erreichen. Das eigentliche Ziel liegt im Ausbau des Glasfasernetzes“, zitiert die Zeitung einen Experten. Dieses Ziel setzt eine Ausbauquote von 20% bis 2023 voraus, d. h. 2 Millionen FTTH-Anschlüsse (Fiber to the home, Glasfaser bis ins Haus). Bisher wurden jedoch nur 450.000 Anschlüsse fertiggestellt, so die Zeitung in ihrer Analyse. Die Herausforderung wird noch größer, wenn man bedenkt, dass bis 2025 ein Ausbau von 50% oder 5 Millionen Anschlüssen angestrebt wird.

Telekommunikationsanbieter kooperieren bei Ausbau der Infrastruktur nicht.

Die Verzögerung ist darauf zurückzuführen, dass die Betreiber ihre Anstrengungen nicht bündeln. „Die Ziele hätten erreicht werden können, wenn die richtigen Entscheidungen getroffen worden wären. Nämlich den Markt und die Regulierung zugunsten der Infrastrukturbetreiber zu öffnen. Wobei diese die gegenseitige Unterstützung in Abstimmung mit den Gebietskörperschaften, den Regionen und Kommunen, hätten sicherstellen müssen“, erläutert ein Experte gegenüber der Wirtschaftszeitung.

„Beim derzeitigen Stand der Dinge und angesichts der hohen Investitionskosten ist es unmöglich, dass jeder Betreiber allein sein eigenes Netz ausbaut. Der Status quo bedeutet, dass das Gewicht und die faktische Monopolstellung des etablierten Betreibers Maroc Telecom noch weiter gestärkt wird“, folgert L’Economiste.

Öffnung des Marktes für Infrastrukturanbieter empfohlen.

Die Lösung, so die Tageszeitung L’Economiste weiter, liege in der Öffnung des Marktes für spezielle Infrastrukturbetreiber, um die Zusammenlegung und gemeinsame Nutzung zu beschleunigen. Weltweit tätige Investoren würden Interesse am marokkanischen Telekommunikationsmarkt zeigen, heißt es. Zu ihnen gehöre auch der US-Gigant Google. „Aber sie wollen sich nicht vorwagen, solange die Regulierungsbehörde (Agence nationale de réglementation des télécommunications) noch nicht zugesagt hat, ihnen die Genehmigung zu erteilen, als Infrastrukturbetreiber tätig zu werden“, schließt die Tageszeitung.

Wenn Ihnen der Artikel gefallen und genutzt hat, dann unterstützen Sie MAGHREB-POST finanziell - einmalig oder laufend. Nur mit der Hilfe aller Leserinnen und Leser kann es weitergehen.
Vorheriger ArtikelAlgerien – Türkei zeigt Interesse mehr in Algerien zu investieren.
Nächster ArtikelMarokko – 22 Coronavirus – Neuinfektionen in 24 Stunden.
Empfohlener Artikel