Tunesien – Überweisungen der Diaspora erreichen 4,03 Mrd. Dinar

Ohne Rücküberweisung droht die Schuldenlast das Land zu lähmen.

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Zentralbank
Tunesische Zentralbank reagiert auf Geldmarkt

Überweisungen der Tunesierinnen und Tunesier aus dem Ausland sind wichtigste Devisenquelle für das Land.

Tunis – Die Überweisungen der tunesischen Diaspora sind in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres stark gestiegen.

Tunesien kann sich auf die Überweisungen seiner Bürger im Ausland verlassen, die trotz der schwierigen Wirtschaftslage in ihren Ländern und der galoppierenden Inflation, die deren Kaufkraft einschränkt, gewichtig bleiben.

Laut der tunesischen Zentralbank (BCT) beliefen sich die Geldüberweisungen tunesischer Migranten von Anfang des Jahres bis zum 10. Juli 2022 auf 4,03 Milliarden tunesische Dinar (TDL), was 1,31 Milliarden US-Dollar entspricht. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 3,48 Milliarden TDL, was einem Anstieg um 17,1% entspricht. Sie machen 55,60 % der für das Jahr 2021 registrierten Einnahmen aus.

Der Anstieg der Überweisungen der Gruppe im Ausland lebenden tunesischen Staatsbürger, die auf 1,3 Millionen geschätzt wird und von der die große Mehrheit in den Ländern der Europäischen Union lebt, sei auf die verbesserten Einkommen dieser Gemeinschaft zurückzuführen, vermutet die Zentralbank, zu denen viele hochqualifizierte Fachkräfte gehören würden. Die tunesische Zentralbank geht aber zugleich davon aus, dass die Erhöhung des Überweisungsvolumens während der Krisenjahre, dazu diente, die im Land verbliebenen Familien, die mit schwierigen Situationen konfrontiert seien, stärker finanziell zu unterstützt.

Rücküberweisungen ein Glücksfall für das Land.

Die hohen Rücküberweisungen seien ein Segen für die tunesische Wirtschaft. Zunächst einmal stellen sie derzeit die wichtigste Quelle für die Devisenreserven des Landes dar. Sie liegen gleichauf mit ausländischen Krediten und weit vor den Einnahmen aus dem Tourismus, deren Einnahmen immer noch unter der Gesundheitskrise und der Weltwirtschaftslage leiden.

Auch die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) haben aufgrund der Weltwirtschaftskrise und des ungünstigen wirtschaftlichen Umfelds in dem nordafrikanischen Land abgenommen.

Ohne Rücküberweisung droht die Schuldenlast das Land zu lähmen.

Die Deviseneinnahmen sind für Tunesien von höchster Bedeutung, da ohne diese, das Land viele Güter aus dem Ausland nicht beziehen könnte, darunter auch Energie.

Zusätzlich deckt das derzeitige Niveau der Transfers 95% der Schuldenlast. Dies bedeutet eine große Erleichterung für die Behörden vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Ressourcen aus dem Ausland aufgrund von Verzögerungen bei den Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF).

Schließlich tragen diese Geldtransfers erheblich dazu bei, das tägliche Leben von Familien in Tunesien zu verbessern, deren Leben von steigenden Preisen bzw. einer akuten Wirtschaftskrise geprägt sei und durch die Gesundheitskrise bzw. die Auswirkungen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine noch verschärft werde.

Da sie aufgrund des Geschäftsumfelds nicht bereit seien, in Tunesien zu investieren, würden die Rücküberweisungen dieser Gemeinschaft in der Regel für Konsumausgaben, Gesundheit, Bildung und Immobilien verwendet.

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