Agadir dun der Atlatik
Die Bucht von Agadur

Von Agadir in den Allgäu – Erzählung mit einen Zeitraum von 10 Jahren.

Das Buch Agadir – Allgäu; Auch so kann MI(INTE)GRATION von Gerd Wenninger erschien 2014 im Wenninger Eigenverlag. Es ist kein Roman und erhebt auch nicht den Anspruch ein Sachbuch zu sein.

Es erzählt in einem Zeitraum von zehn Jahren die Geschichten von zehn Menschen marokkanischer Herkunft, die versuchen in Deutschland anzukommen und eine Heimat zu finden. Unterstützt, vielleicht auch ermutigt, werden die Akteure durch ein Ehepaar, das diesen Menschenkindern ein Leben in Würde im gelobten Land ermöglichen möchte.

Die zentrale Figur ist Hamid, ein junger Mann aus dem Süden Marokkos. Sohn einer armen masirischen Familie aus der Souss-Region. Als Teenager trifft er auf das Ehepaar in der Touristenstadt Agadir, kurze Zeit später schafft es das Paar den jungen Mann nach Deutschland zu holen und er wird eine Art Ziehsohn für sie.

Seite für Seite erfährt der Leser die Geschichten der Nebenakteure. Der Autor ist bemüht in einer lebendigen und eloquenten Art die Lebensgeschichten wiederzugeben. Nun stellt sich dem Leser sicherlich die Frage: welche Motive hat dieses Paar, weshalb „engagiert“ es sich so für diese Menschen? Man erfährt, dass es ihnen um die Würde geht, sie streben danach diesen Menschen ihre Würde zurückzugeben.

Hamid schafft es letztlich nur durch die Heirat mit einer Deutschen seinen Aufenthalt zu sichern, auch allen anderen Akteure gelingt es nur durch Heirat im gelobten Land zu bleiben. Nicht selten sind die Ehepartner gescheiterte Persönlichkeiten, beruflich wie auch sozial, die von der Situation der jungen Menschen profitieren wollen. Da ist zum Beispiel die junge Fatima. Fatima kann kurz vor der drohenden Abschiebung an Hermann vermittelt werden, ein wesentlich älterer allein erziehender Mann, Tochter und Vater bereiten der jungen Marokkanerin ein wahres Martyrium, sie hält durch und erhält ihren Aufenthalt in Deutschland. Auch Mounia wird in ihrer Ehe mit Wolfram ausgebeutet.

Die im Titel angekündigte weitere/andere Art der Mi(Inte)gration lässt sich am Ende der Erzählungen nicht erkennen. Auch der Wunsch des Autors mit diesen Schilderungen eine kleine Diskussion jenseits des Stammtisches auszulösen, wird sich wohl nicht erfüllen. Sicherlich behandelt das Buch ein sehr aktuelles Thema, einerseits die Situation in der arabisch-islamischen Welt, andererseits die Migration nach Deutschland und die Integration, dennoch kann es den eigenen Anspruch nicht genügen, besonders was die Würde der Protagonisten angeht. Das Buch suggeriert, dass ein würdevolles Leben in Marokko nicht möglich sei. Aber ist das Leben, das die Akteure nun in Deutschland leben wirklich ein würdevolleres oder lediglich eines in einer relativen wirtschaftlichen Sicherheit?

Dass sich dieses Buch nicht an Leser marokkanischer Herkunft richtet zeigt sich daran, dass dem Leser mit Kenntnissen der Region und Kultur sich die Frage stellt, weshalb der Autor davon ausgeht, dass ein Leben in Würde nur im aufgeklärten Westen möglich sein soll.