StartAlgerienAlgerien - Spanischer Außenminister kurzfristig wieder ausgeladen.

Algerien – Spanischer Außenminister kurzfristig wieder ausgeladen.

Absage mutmaßlich wegen kurzfristiger Terminprobleme.

Algerische Regierung sagt Besuch des spanischen Außenministers José Albares nur wenige Stunden vor Beginn wieder ab. Tatsächlich Termingründe oder erneute Unstimmigkeiten im Kontext der Westsahara-Frage?

Algier – Der spanische Außenminister José Albares wollte eigentlich am heutigen Vormittag in die algerische Hauptstadt Algier reisen. Sein Besuch, der seit Wochen vorbereitet wurde, sollte als Zeichen der Wiederannäherung zwischen Algerien und Madrid dienen und das Ende der diplomatischen Krise zwischen beiden Ländern markieren.

Vor fast zwei Jahren, im März 2022, kam es zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Algerien und Spanien, weil das iberische Königreich den marokkanischen Hoheitsanspruch auf die Westsahara / marokkanische Sahara unterstützte, indem es den von Rabat vorgelegten Autonomieplan als unter anderem realistischste Lösung für den Konflikt bewertete.

Zugleich half Madrid seinem Nachbarland dabei, sich aus der von Algerien aufgebauten Drucksituation zu lösen, die Algier durch die Einstellung von Gaslieferungen herbeiführen wollte, indem es Rabat erlaubte, eingekauftes LNG über spanische Häfen und die Maghreb-Europa-Gaspipeline einzuführen. Alles Maßnahmen, die Algier verärgerten, weshalb man den geltenden Freundschaftsvertrag aussetzte und den algerischen Botschaftsposten in Madrid vakant hinterließ.

Doch seit einigen Wochen mehren sich die Anzeichen für eine Wiederannäherung. So wurden die Handelsbeziehungen wieder aufgenommen und auch ein neuer Botschafter nach Madrid entsandt. Auch ein Boykott marokkanischer Häfen wurde durch Algerien ausgerufen, was insbesondere spanischen Häfen zugutekommt. Nun sollte der Besuch von Außenminister Albares der Beleg für die Beilegung der Spannungen sein.

Absage mutmaßlich wegen kurzfristiger Terminprobleme.

Warum jetzt Algerien kaum 12 Stunden vor Abreise von Außenminister Albares den Besuch absagte, ist nicht genau bekannt. Laut spanischen Medien sei von algerischer Seite der Besuch „aus tagesaktuellen Gründen“ abgesagt worden. Die spanische Nachrichtenseite Heraldo berichtet, unter Verweis auf Quellen aus dem Santa-Cruz-Palast (Amtssitz des spanischen Außenministers), dass der Besuch „aus Gründen der algerischen Agenda“ abgesagt worden sei.

Daraus schließen politische Beobachter, dass Madrid nicht dazu bereit gewesen sein könnte, öffentlich und auf algerischem Boden seine bisherige Position zum marokkanischen Hoheitsanspruch auf die Westsahara, der ehemaligen spanischen Kolonie, zu verändern.

Mehrfach hat der algerische Außenminister Attaf öffentlich behauptet, dass die Annäherung zwischen Algerien und Spanien dadurch möglich geworden sei, weil Madrid seine aktuelle Haltung zugunsten Marokkos revidiert hätte.
Von spanischer Seite wurde dies nicht bestätigt, dem wurde aber im Vorfeld des Besuchs auch nicht kategorisch Widersprochen.
Vor diesem Hintergrund kann vermutet werden, dass die algerische Seite das Thema „Westsahara“ auf die Tagesordnung setzen wollte und der spanische Außenminister in einer Situation gebracht werden sollte, bei der er vor Ort in Algier die Aussagen seines algerischen Amtskollegen hätte bestätigen sollen. Dazu könnte Albares aber nicht bereitgewesen sein, um keine neuerliche Krise mit Marokko auszulösen, die auch die spanische Wirtschaft wie auch Sicherheit erneut gefährden würde.

Algerien ist (wieder) für Spanien der wichtigste Gaslieferant, während Marokko für Spanien der wichtigste Sicherheitspartner und einer der wichtigsten Handelspartner ist.

Zugleich unterstützt Algier die Frente Polisario umfassend, die bewaffnet gegen Marokko für eine unabhängige Westsahara / marokkanische Sahara kämpft.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Rabat und Algier sind seit nun zwei Jahren vollständig abgebrochen und Spanien will eine Position finden, um mit beiden Ländern ein gutes Verhältnis zu führen, um seine wirtschaftlichen Interessen zu schützen. Schwierig, wenn man es dabei mit zwei Ländern zu tun hat, die sich untereinander feindliche gesinnt sind und zugleich eigene wirtschaftliche Interessen zugunsten von territorialen Fragen zurückstellen können.

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