Algerien wählt heute neues Parlament.

Für die 462 Abgeordnetensitze bewerben sich ca. 12.000 Kandidaten.

Algerien wählt
Algerien wählt neues Parlament - geringe Wahlbeteiligung befürchtet.

Rund 23 Mio. Menschen sind aufgefordert ihre Stimme abzugeben.

Algerien wählt – Die algerische Bevölkerung ist heute aufgefordert ein neues Parlament zu wählen. Für die 462 Abgeordnetensitze bewerben sich ca. 12.000 Kandidaten. Das Land ruft zur Wahl auf unter dem Eindruck einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Durch den deutlich gefallenen Weltmarktpreis für Rohöl und Gas befindet sich das maghrebinische Land in einer Finanzkrise. Wichtige Investitionen des Staates bleiben aus und die Inflation im Land ist deutlich spürbar – maghreb-post berichtete.

Harter Wahlkampf zwischen den Parteien – aber keine Inhalte – Kluft zwischen Bürgern und Politik groß.

Der Wahlkampf in Algerien wurde hart geführt. Die Anfeindungen unter den Parteien waren heftig. Dennoch ist allen Politikern bewusst, dass ihnen die Bürger nicht trauen. Vetternwirtschaft und Korruptionsskandale sind an der Tagesordnung. Dies führt zu einer Kluft zwischen den Bürgern und ihren Vertretern. Daher kämpften die Parteien auch weniger um Inhalte, sondern eher darum, dass die Bürger überhaupt zur Wahl gehen. Das Vertrauen der Menschen in die Politik ist gering. Die Machtverhältnisse sind unklar. Eher scheint es so zu sein, dass die eigentliche Macht beim Clan um den Staatspräsidenten Abdelaziz Bouteflika liegt. Aber auch das Militär, der Geheimdienst und eine Wirtschaftselite regieren mit. Daher stellen sich viele Algerier schlicht die Frage nach dem Sinn der eigenen Stimmabgabe. Sollte die Wahlbeteiligung gering ausfallen, stellt sich die Frage nach der Legitimität für die Volksvertreter.

Algerien hat eine sehr junge Bevölkerung – unbefriedigende Perspektiven

Neben der Vertrauenskrise hat die Finanzkrise die Situation gerade für die jungen Menschen erschwert. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre. Durch den Einnahmerückgang des Staates stehen deutlich weniger Mittel für Subventionen und Sozialprojekte zur Verfügung. Der nötige Umbau der algerischen Wirtschaft verlangsamt sich, da die Investitionen durch den Staat zurückgehen. Die Unzufriedenheit wegen unbefriedigenden Perspektiven steigt. Dies könnte ebenfalls Einfluss auf die Wahlbeteiligung haben. Mit dieser Problematik steht aber Algerien nicht alleine, sondern sie ist auch in den Nachbarländern Marokko und Tunesien zu finden.

Nach der Wahl ist vor der Wahl – Präsidentschaftswahl wirft ihre Schatten voraus.

In Algerien hat der Präsident die größte Machtfülle im Land. Seit 18 Jahren regiert Abdelaziz Bouteflika. Aber Präsident Bouteflika ist seit einem Schlaganfall im Jahr 2013 krank. Seine öffentlichen Auftritte werden immer seltener, so dass der Präsident kaum noch Kontakt zu den Bürgern hat und die Bürger auch keinen Kontakt zum Präsidenten. Die Parlamentswahlen gelten daher auch als erster Stimmungstest für einen möglichen Nachfolger. Auch der amtierende Präsident ist Mitglied der stärksten Partei im Parlament. Entsprechende Ableitungen könnte man in das Wahlergebnis hineininterpretieren. Die Wahl des Präsidenten steht für 2019 an.