Marokko – Facebook – Aufruf führt zu zwei Jahren Gefängnis.

Urteil wegen „Beleidigung von Landessymbolen“ und „Aufhetzung“

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Soufian Al Nguad
Quelle Facebook: Soufian Al Nguad zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Weiterleitung eines Protestaufrufs führt zu einer zweijährigen Haftstrafe.

Tetouan – Ein junger Marokkaner wurde am 18. Oktober dieses Jahres in erster Instanz von einem Gericht zu zwei Jahren Haft verurteilt. Das Urteil steht im Zusammenhang mit dem tragischen Tod einer jungen Marokkanerin im Mittelmeer. Hayat B. kam beim Versuch das Mittelmeer illegal in Richtung Spanien zu überqueren ums Leben. Sie wurde durch Schüsse der marokkanischen Marine tödlich verletzt. Der nun verurteilte Marokkaner hatte auf seinem Facebook – Profil die Umstände ihres Todes angeprangert und mindesten einen Aufruf zu einer Demonstration weitergeleitet bzw. ebenfalls veröffentlicht. Aus Sicht seines Anwalts wurde Sufiane Al-Nguad aus politischen Gründen wegen des Anprangerns des Todes von Hayat B. verurteilt.

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Urteil wegen „Beleidigung von Landessymbolen“ und „Aufhetzung“

Das Gericht in Tetouan hat den Angeklagten in erster Instanz, in der Nacht vom 17. Auf den 18. Oktober, zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte selbst Landessymbole beleidigt und zu einer ungenehmigten Demonstrationen aufgehetzt hat bzw. zur Verbreitung eines „Aufrufs zum zivilen Aufstand“ beigetragen habe.

Laut seinem Anwalt habe der Angeklagte am 27. September einen Facebook – Beitrag einer Fußball-Fan-Gruppe auf seinem eigenen Profil veröffentlicht, in dem deutlich gegen den Tod von Hayat B. protestiert wurde. Zugleich war in der Botschaft ein Aufruf zu einer Demonstration enthalten, die vor dem nächsten Fußballspiel stattfinden sollte. Der Angeklagte ergänzte die Botschaft mit den Worten: „Eure Anwesenheit ist eine Pflicht“.

Facebook
Soufian Al Nguad Facebook – Botschaft

Anwalt weist Vorwürfe zurück.

Am nächsten Spieltag wurde die Nationalhymne vom Publikum im Stadion Saniet Rmel ausgepfiffen und spanische Flaggen auf den Tribünen geschwenkt. Es kam nach dem Spiel zu Ausschreitungen in Tetouan. Der 27-jährige politisch aktive Unternehmer wurde am 01. Oktober verhaftet und saß seitdem in Untersuchungshaft. „Mein Klient hat weder Hass gestreut noch irgendein Symbol der Nation beleidigt. Er prangerte nur Hayats tragischen Tod an. Die zweijährige Haftstrafe ist extrem hart und übertrieben“, sagte sein Rechtsanwalt. Ob er in Revision geht, blieb unklar.

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